{"id":11958,"date":"2025-04-28T11:00:02","date_gmt":"2025-04-28T09:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11958"},"modified":"2025-04-28T11:00:02","modified_gmt":"2025-04-28T09:00:02","slug":"musik-durch-forschung-neu-entdecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/04\/28\/musik-durch-forschung-neu-entdecken\/","title":{"rendered":"Musik durch Forschung neu entdecken"},"content":{"rendered":"<h5>Maria Bunea nahm an dem Forschungsprojekt \u201eReverse Ethnomusicology: Migrant Musicians as Researchers\u201c<span id='easy-footnote-1-11958' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/04\/28\/musik-durch-forschung-neu-entdecken\/#easy-footnote-bottom-1-11958' title='Dieses Forschungsprojekt wurde vom FWF gef\u00f6rdert [Grant-DOI 10.55776\/TAI724].'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> teil. Hier gibt sie Einblicke in ihre Forschung und ihre Erfahrungen als Musikerin-Forscherin.<\/h5>\n<p>Ich trat dem Projekt \u201eReverse Ethnomusicology: Migrant Musicians as Researchers\u201c [Ethnomusikologie umgekehrt: Migrant*innen forschen] im Jahr 2023 bei \u2013 ein Jahr nachdem ich mein Studium im Konzertfach Gitarre an der mdw abgeschlossen hatte und mich am Beginn meines zweiten Studiums der Alten Musik (Laute) an der Musik und Kunst Privatuniversit\u00e4t der Stadt Wien befand. Als Musikerin-Forscherin wurden mir die Freiheit und der Raum geboten, meine eigenen Forschungsfragen zu einem Thema meiner Wahl zu entwickeln und die Forschung auf kreative Art und Weise umzusetzen. Meiner Ansicht nach kann man \u201eReverse Ethnomusicology\u201c als ein gespiegeltes Setting betrachten, in dem geschulte Forscher_innen beobachten, wie und welche Fragen Musikerinnen und Musiker zu verschiedenen Themen entwickeln und wie sie an deren Beantwortung herangehen. Im Laufe meines eigenen Projektes wurde mir klar, dass auch ich mich daf\u00fcr interessiere, wie Musiker_innen Forschung betreiben.<\/p>\n<p>Ich beschloss, meine Forschung auf den Bereich zu konzentrieren, in dem ich selbst auftrete, insbesondere auf die Herausforderungen, Strategien und Entscheidungsprozesse von Musiker_innen und Komponist_innen, die niedergeschriebene Musik aus der Vergangenheit mit zeitgen\u00f6ssischen Perspektiven und Auff\u00fchrungspraktiken verbinden. Ich wollte erforschen, wie professionelle Musiker_innen mit der Tatsache umgehen, dass die meiste Musik, die sie auff\u00fchren, \u201ealt\u201c ist (ein Begriff, den ich mittlerweile als inakkurat empfinde), und welcher Methoden sie sich bedienen, um ihrem Publikum ein besseres Verst\u00e4ndnis dieser Musik zu erm\u00f6glichen. In den letzten eineinhalb Jahren f\u00fchrte ich Interviews mit Musiker_innen, die im Bereich der klassischen Musik in Wien t\u00e4tig sind, und ich beobachtete Konzerte, die mehr oder weniger direkt mit dem Thema meiner Forschung zu tun hatten. Bei regelm\u00e4\u00dfigen Treffen mit der Projektgruppe diskutierte und reflektierte ich meinen Forschungsprozess. Zu den unz\u00e4hligen Themen, die im Laufe des Projekts auftauchten \u2013 im Grunde die Freuden und Sorgen des modernen Musiker_innenlebens \u2013 z\u00e4hlen unter anderem auch die Wahl des Repertoires, die Art und Weise, wie man mit dem Publikum in Kontakt tritt, die Beschr\u00e4nkung kreativer M\u00f6glichkeiten in einem professionellen, institutionellen Kontext, das Publikum als \u201eKonsument\u201c mit bestimmten Anspr\u00fcchen, die Verst\u00e4ndlichkeit historischer Musikstile und der zeitgen\u00f6ssischen Musiksprache, den pers\u00f6nlichen Geschmack und Ans\u00e4tze zur Auff\u00fchrungspraxis.<\/p>\n<p>Neben den wertvollen Schlussfolgerungen, die meine eigene Herangehensweise an die Musik bereichert haben, war einer der lohnendsten Teile des Projekts die Bereitschaft und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit meiner Interviewpartner_innen \u2013 allesamt Freund_innen und Musiker_innen, die ich bewundere \u2013 mit mir ihre intimsten Erfahrungen in und mit der Musik zu teilen. Es hat mich \u00fcberrascht, dass manche Dinge anscheinend nur im Rahmen eines Interviews gesagt werden k\u00f6nnen, als Antwort auf eine pr\u00e4zise formulierte Frage. In der Routine unseres Alltags fallen die wichtigen Dinge des Lebens (oder der Musik) so leicht unter den Tisch, dass wir oftmals gar nicht dar\u00fcber sprechen. Sich wirklich Zeit zu nehmen, \u00fcber diese Dinge nachzudenken und zu diskutieren, war f\u00fcr mich unglaublich anregend und bereichernd.<\/p>\n<p>Im Laufe meines Forschungsprojektes hatte ich den Eindruck, dass man mir eine Lupe gegeben hatte, um die Dinge genauer zu betrachten. Diese Linse war und ist bei mir nun so gut wie immer dabei. Scheinbar triviale Dinge, wie die Gestaltung eines Konzertflyers, eine Bemerkung in einer Probe oder ein dramatisches Vibrato in einem Konzert, nehme ich jetzt ganz anders wahr. Das Beobachten gr\u00f6\u00dferer und kleinerer Dinge wirft neue Fragen auf und bietet neuen Raum zum Erforschen. Im Laufe des Projekts erwiesen sich die Ans\u00e4tze der einzelnen Musiker_innen zwar als ein guter Ausgangspunkt, sie warfen jedoch wiederum neue Fragen auf: Wie weit k\u00f6nnen Musiker_innen gehen, um dem Publikum weniger bekanntes Repertoire n\u00e4her zu bringen? Wie viel Vorwissen ist n\u00f6tig, um Musik zu genie\u00dfen? Wie viel Freiheit haben Musiker_innen bei der Interpretation der Musik anderer K\u00fcnstler_innen wirklich? Und noch viele weitere Fragen \u2026<\/p>\n<p>Zur\u00fcckblickend war bereits mein Studium der klassischen Musik an der mdw ein gro\u00dfes Forschungsprojekt, denn das \u201eErforschen\u201c des Instruments, des Repertoires und meiner eigenen Musikalit\u00e4t war ein wesentlicher Teil meines Studiums. Am Ende des Projekts kann ich andere Musiker_innen und Studierendene nur dazu ermutigen, Forschung als ein Werkzeug zu betrachten, das nicht nur den eigenen Wissenshorizont erweitert, sondern auch eine tiefere Verbindung zur Musik schafft und uns als Musiker_innen bereichert.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Maria Bunea nahm an dem Forschungsprojekt \u201eReverse Ethnomusicology: Migrant Musicians as Researchers\u201c teil. 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