{"id":11947,"date":"2025-04-28T13:00:10","date_gmt":"2025-04-28T11:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11947"},"modified":"2025-04-28T13:00:10","modified_gmt":"2025-04-28T11:00:10","slug":"early-stage-researchers-phaedrus-an-ecological-practice-of-resonance-through-uncharted-music","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/04\/28\/early-stage-researchers-phaedrus-an-ecological-practice-of-resonance-through-uncharted-music\/","title":{"rendered":"Early Stage Researchers\ufeff: Ph\u00e6drus, \ufeffan Ecological \ufeffPractice of \ufeffResonance through \ufeffUncharted \ufeffMusic"},"content":{"rendered":"Das Versprechen von transformativen, ber\u00fchrenden Erfahrungen befeuert den Kunstbetrieb. Der Soziologe Hartmut Rosa bezeichnet dieses Streben in einem weiteren Kontext als historisches Paradigma, das die Beschleunigung der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft vorantreibt, um die \u201eWeltreichweite\u201c des bzw. der Einzelnen zu vergr\u00f6\u00dfern. Er bezeichnet dies als Resonanzversprechen: Resonanz ist eine Art mit der Welt in Beziehung zu treten, zu der wir von Natur aus neigen. Es ist ein Fluss des gegenseitigen Austauschs, in dem zwei Stimmen (ob kollektiv oder individuell) unabh\u00e4ngig voneinander sprechen und sich dennoch gegenseitig beeinflussen. Es ist zwar m\u00f6glich, Resonanz zu beobachten, aber es ist bestenfalls unproduktiv (schlimmstenfalls gef\u00e4hrlich), zu versuchen, ihren universellen Bauplan zu formulieren. Resonanz kann niemals einseitig von einem Subjekt definiert und einem Objekt aufgezwungen werden. Sie ist ein kulturell, psychologisch und situativ vermittelter Prozess. Aus der Notwendigkeit heraus, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob ich in meiner zuk\u00fcnftigen Rolle als Interpret neuer Musik an einer Resonanzdynamik mit den Zuh\u00f6renden teilhaben w\u00fcrde, begann ich, die historische Entwicklung des Musikkonsums nachzuvollziehen. An diesem Punkt setzte auch meine Doktorarbeit an. Sowohl Konzertinstitutionen als auch digitale Plattformen verfolgen denselben Traum: Resonanz auf Abruf verf\u00fcgbar und reproduzierbar zu machen. Doch w\u00e4hrend Kurator_innen fundierte Vermutungen \u00fcber den Geschmack und die Priorit\u00e4ten von Zielgruppen anstellen, durchk\u00e4mmen Spotify und YouTube detaillierte Daten, die sich auf einen Namen, einen Nachnamen und einen GPS-Standort beziehen. Zwei Arten der Vermittlung, die sich nicht gegenseitig ausschlie\u00dfen, sondern vielmehr symbiotisch sind. Entfernt man daher die Resonanz aus den Transaktionen und stellt sie in den Fokus des k\u00fcnstlerischen Prozesses, so stellt man die Grundvoraussetzungen des Wirtschaftsmodells infrage, in dem wir Musik schaffen und vertreiben. Und doch habe ich in meinen ersten Fallstudien noch versucht, Konzertformeln heranzuziehen und an ihren Variablen zu schrauben. Alles \u00e4nderte sich, als ich schlie\u00dflich erkannte, dass die Auff\u00fchrung um die musikalische Praxis kreisen muss, nicht umgekehrt. Daraufhin begann ich, wie ein Flaneur lange, ziellose Spazierg\u00e4nge durch Wien zu unternehmen und spontane Gespr\u00e4che mit mir bis dahin v\u00f6llig Fremden zu f\u00fchren. Mit der Zeit entstanden aus einigen dieser Interaktionen langfristige Dialoge, die von kreativen Inputs und Outputs unterbrochen wurden. Hinter diesen Begegnungen steckt kein Kalk\u00fcl, keine soziopolitische Auswahl oder etische Agenda; die Begegnung ist alles, was es gibt. Einige der in diesem Prozess entstandenen Musikst\u00fccke sind den Menschen, die ich getroffen habe, v\u00f6llig fremd. Wenn sie sagen: \u201eDas ist f\u00fcr mich keine Musik\u201c, dann frage ich: \u201eWas fehlt?\u201c \u2013 Und schon arbeiten wir zusammen. Zu Kontaminationen in dieser Forschung kommt es, wenn \u201eexterne\u201c Mitforschende mit uns gemeinsam eine Performance gestalten. Die daraus resultierenden Kunstwerke werden anschlie\u00dfend, in welcher archivierbaren Form auch immer, den Teilnehmer_innen geschenkt. Wie Ph\u00e6drus, der Namensgeber dieser Forschungsmethode, in den Romanen von Robert Pirsig treffend formuliert: \u201eWenn jeder wei\u00df, was Qualit\u00e4t ist, warum ist sie dann so schwer zu definieren?\u201c Dieser Prozess, der sich noch in seiner Anfangsphase befindet, hat bisher vier Projektmitarbeiter_innen und zwei Co-Forscherinnen \u2013 Aya Masui (Hochschule Luzern) und Livia Schweizer (Sibelius-Akademie) \u2013 besch\u00e4ftigt. Die vorl\u00e4ufigen Ergebnisse werden auf zwei internationalen Konferenzen zur k\u00fcnstlerischen Forschung an der Estnischen Akademie f\u00fcr Musik und Theater in Tallinn (f\u00fcr die European Platform for Artistic Research in Music) und an der Universit\u00e4t Porto (f\u00fcr die Society for Artistic Research) pr\u00e4sentiert.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Versprechen von transformativen, ber\u00fchrenden Erfahrungen befeuert den Kunstbetrieb. Der Soziologe Hartmut Rosa bezeichnet dieses Streben in einem weiteren Kontext als historisches Paradigma, das die Beschleunigung der sp\u00e4tmodernen Gesellschaft vorantreibt, um die \u201eWeltreichweite\u201c des bzw. der Einzelnen zu vergr\u00f6\u00dfern. 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