{"id":1192,"date":"2017-09-29T14:09:43","date_gmt":"2017-09-29T12:09:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1192"},"modified":"2017-09-29T14:09:43","modified_gmt":"2017-09-29T12:09:43","slug":"if-you-want-to-go-fast-go-alone-if-you-want-to-go-far-go-together","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/if-you-want-to-go-fast-go-alone-if-you-want-to-go-far-go-together\/","title":{"rendered":"\u201cIf you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together\u201d"},"content":{"rendered":"<strong>Instrumentalistinnen in der \u00f6sterreichischen Jazzszene<\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte des \u00f6sterreichischen Jazz weist eine Vielzahl von nennenswerten Musikerinnen auf. Besonders die aktuelle Szene zeichnet sich durch Bandleaderinnen wie die Saxophonistin Viola Falb oder die Kontrabassistin Gina Schwarz aus. Letztere m\u00f6chte im aktuellen Studienjahr mit dem <em>Gina Schwarz PANNONICA-Project<\/em> Einblick in Karrieren von Frauen im Jazz geben, Dialoge innerhalb verschiedener Jazzszenen in \u00d6sterreich und den Austausch mit internationalen Jazzszenen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Jazz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem bedeutenden Teil der \u00f6sterreichischen Musikkultur. In den 1950er Jahren entwickelten sich in Wien und Graz eigenst\u00e4ndige Jazzszenen. \u00d6sterreich war das erste europ\u00e4ische Land, das den Jazz akademisch institutionalisierte: 1965 gr\u00fcndete die Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Graz eine Jazzabteilung. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Studierenden \u2013 ebenso wie Jazz-Instrumentalisten im Allgemeinen \u2013 waren m\u00e4nnlich.<\/p>\n<p>Noch heute ist der Beruf \u201eJazz-Musiker\u201c ein prim\u00e4r m\u00e4nnlich dominierter. Frauen finden h\u00e4ufig in der Funktion der romantisch-verkl\u00e4rten S\u00e4ngerin ihren Platz. Die\u00a0aktuelle \u00f6sterreichische Jazz-Szene repr\u00e4sentiert das Gegenteil. Freilich sind Konzertplakate, auf denen sich der Jazz-Nachwuchs in maskuliner Pose inszeniert, noch nicht aus den Klubs wegzudenken, gleichzeitig wird die Szene durch Formationen, in denen sich Instrumentalistinnen k\u00fcnstlerisch entfalten und nicht nur den Part der \u201eSidewoman\u201c \u00fcbernehmen, erweitert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1195\" aria-describedby=\"caption-attachment-1195\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1195\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Vera_Auer.jpg\" alt=\"Vera Auer\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Vera_Auer.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Vera_Auer-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1195\" class=\"wp-caption-text\">Vera Auer \u00a9wikimedia\/Oobspacer<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der Betrachtung von Frauen im Jazz werden geschlechtsspezifische F\u00e4higkeiten, Zust\u00e4ndigkeiten und Identit\u00e4ten hinterfragt. Diskussionen \u00fcber die Vorbildwirkung f\u00fcr angehende Jazzmusikerinnen f\u00fchren unter anderem zur Dekonstruktion der geschlechtsbezogenen Kategorisierung von Instrumenten.<\/p>\n<p>Eine Instrumentalistin, die ein f\u00fcr Frauen \u201euntypisches\u201c Instrument spielte, konnte die \u00f6sterreichische Jazzszene bereits in den 1950er Jahren vorweisen. Die in Wien geborene Vibraphonistin Vera Auer (1919\u20131996) z\u00e4hlt zu den ersten europ\u00e4ischen Jazz-MusikerInnen, die den Modern Jazz in ihr Repertoire aufnahmen. Auer absolvierte am Wiener Konservatorium eine Klavierausbildung, zus\u00e4tzlich spielte sie Akkordeon. Sie bet\u00e4tigte sich zun\u00e4chst als Akkordeonistin und arbeitete dann haupts\u00e4chlich als Vibraphonistin mit dem Gitarristen Attila Zoller (1927\u20131998) zusammen. Nach dem ersten Erfolg bei einem Rundfunk-Amateur-Wettbewerb folgte ein Wechsel in den professionellen Bereich und die Gr\u00fcndung einer Combo in der Wiener Jazz-Szene. Die Vera Auer Combo bestand unter anderem aus Musikern wie Hans Salomon (*1933) oder Joe Zawinul (1932\u20132007). Nach einem mehrj\u00e4hrigen Aufenthalt in Frankfurt lebte und arbeitete Vera Auer ab den 1960er Jahren vorwiegend in den USA, entwickelte fortlaufend ihren Stil, kooperierte k\u00fcnstlerisch mit namhaften Jazzmusikern, publizierte eigene Texte und Gedichte.<\/p>\n<p>Aus den Jahrg\u00e4ngen 1920 bis 1955 sind kaum \u00f6sterreichische Jazzinstrumentalistinnen bekannt. Eine Ausnahme bildet die Schlagzeugerin Ursula Anders (*1938), die nicht nur als Friedrich Guldas Nachlassverwalterin Bekanntheit erlangte. Nach einem Schlagzeug-Studium in Salzburg entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit dem (Jazz-)Pianisten und Komponisten Friedrich Gulda im Bereich der freien Musik ab dem Jahr 1975. Gulda widmete ihr die Werke <em>Opus Anders<\/em> (1981) und <em>Concerto for Ursula<\/em> (1983). Auftritte, bei denen beide unbekleidet auf der B\u00fchne performten, erregten \u00f6ffentliches Aufsehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1193\" aria-describedby=\"caption-attachment-1193\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1193\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Viola_Falb.jpg\" alt=\"Viola Falb\" width=\"1000\" height=\"666\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Viola_Falb.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Viola_Falb-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Viola_Falb-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Viola_Falb-850x566.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1193\" class=\"wp-caption-text\">Viola Falb \u00a9Jan Strouhal<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ab den 1980er Jahren waren Instrumentalistinnen keine Randerscheinung mehr, sondern wurden zum festen Bestandteil der \u00f6sterreichischen Szene. Charakteristisch sind die \u00d6ffnung des eigenen Musikstils gegen\u00fcber anderen Genres und daraus resultierende Crossover-Projekte. Zu den Akteurinnen z\u00e4hlen unter anderem die Pianistin und Komponistin Adriane Muttenthaler (*1955), die eine Ausbildung an der mdw und am Konservatorium der Stadt Wien absolvierte. Als Bandleaderin des Jazzsextetts CRISS \u2013 CROSS verbindet sie Jazz mit klassischer Musik. Die Perkussionistin Ingrid Oberkanins (*1964) studierte unter anderem Lehramt Musikerziehung\/ Geschichte und klassisches Schlagwerk und erhielt nach Abschluss des Studiums Unterricht in Jazz und au\u00dfereurop\u00e4ischer Rhythmik. Oberkanins arbeitet mit Ensembles und K\u00fcnstlerInnen (Vienna Art Orchestra, C. Muthspiel, Percussiontrio Rhythmusa) genre\u00fcbergreifend als Perkussionistin zusammen.<\/p>\n<p>In der aktuellen Jazz-Szene gelingt es immer mehr Musikerinnen, sich von der Zuschreibung der \u201eSidewoman\u201c zu l\u00f6sen und die eigenen Projekte in den \u00f6ffentlichen Fokus zu stellen. Die mdw-Absolventin Viola Falb (*1980) verarbeitet in ihren Kompositionen Elemente des freien Jazz, der Folklore und der Kammermusik. Mit Projekten wie Falb Fiction, Phoen und Kitsch\u2019n\u2019Glory konnte sie nicht nur mediale Aufmerksamkeit, sondern auch zahlreiche Auszeichnungen gewinnen. Im Grenzbereich Jazz, Elektronik, improvisierte Musik und Literatur agiert die Komponistin, S\u00e4ngerin und elektronische Musikerin Susanna Ridler (*1968). Mit ihrem Elektronik-Jazz-Pop-Projekt [koe:r] experimentiert sie mit der Synthese artifizieller und akustischer Kl\u00e4nge und verkn\u00fcpft Tradition und Moderne mit einem individuellen Stilzugang.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1194\" aria-describedby=\"caption-attachment-1194\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1194\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz.jpg\" alt=\"Gina Schwarz\" width=\"1000\" height=\"714\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz-300x214.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz-768x548.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Gina_Schwarz-850x607.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1194\" class=\"wp-caption-text\">Gina Schwarz \u00a9Hans Klestorfer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Bassistin und Bandleaderin (Woodclock, Jazzista, SchwarzMarkt) Gina Schwarz (*1968), aktuell die einzige Instrumentalistin, die an einem Institut f\u00fcr Jazz-\/Popularmusik an einer \u00f6ffentlichen Universit\u00e4t in \u00d6sterreich unterrichtet, erhielt den Auftrag, in der Spielzeit 2017\/18 eine Konzertreihe im Rahmen der Porgy&amp;Bess Stageband zu organisieren. Das <em>Gina Schwarz PANNONICA-Project<\/em> versammelt unter dem Motto \u201eStarke Stimmen\u201c MusikerInnen der (inter-)nationalen Jazzszene, die die Stageband k\u00fcnstlerisch bereichern und sich gleichzeitig an Workshops und Diskussionen am Institut f\u00fcr Popularmusik der mdw beteiligen. Die Namensgeberin Pannonica de Koenigswarter (1913\u20131988) war eine der wichtigsten F\u00f6rderinnen des Modern Jazz, die mit geltenden gesellschaftlichen Konventionen der USA in den 1950er Jahren brach und sich f\u00fcr Probleme benachteiligter afroamerikanischer JazzmusikerInnen einsetzte. Mit ihrem Projekt erm\u00f6glicht Gina Schwarz Diskussionen und Dialoge mit internationalen Musikerinnen aus unterschiedlichen Genres, Generationen und L\u00e4ndern. Zu den G\u00e4sten im Herbst 2017 z\u00e4hlen: Komponistin Tanja Br\u00fcggemann (A), Visual Artist Conny Zenk (A), Posaunistin Karin Hammar (SWE) und Pianistin Julia H\u00fclsmann (D).<\/p>\n<p>Das <em>Gina Schwarz PANNONICA-Project<\/em> (Projektteam: Gina Schwarz und Magdalena F\u00fcrnkranz) ist ein Projekt des Instituts f\u00fcr Popularmusik mit freundlicher Unterst\u00fctzung durch die Plattform Gender_mdw. Weiterf\u00fchrende Informationen zu den Workshops und der Konzertreihe unter <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/gender\/pannonica-project\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/gender\/pannonica-project<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Veranstaltungshinweis: Freitag, 17. November 2017, 15.00 Uhr<\/strong><br \/>\nPodiumsdiskussion\u00a0\u201eIf you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together\u201c (Moderation: Rosa Reitsamer) im Rahmen von 15 Jahre ipop u. a. mit Hildegard Bernasconi &amp; Gabriele Rummel (Frauen Musik B\u00fcro Frankfurt), Tanja Brueggemann (Komponistin), Helene Griesslehner (Music Women Austria), Conny Zenk (Visuals, Installationen) im Joseph Haydn-Saal, Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Instrumentalistinnen in der \u00f6sterreichischen Jazzszene Die Geschichte des \u00f6sterreichischen Jazz weist eine Vielzahl von nennenswerten Musikerinnen auf. Besonders die aktuelle Szene zeichnet sich durch Bandleaderinnen wie die Saxophonistin Viola Falb oder die Kontrabassistin Gina Schwarz aus. 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