{"id":11901,"date":"2025-04-28T16:37:38","date_gmt":"2025-04-28T14:37:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11901"},"modified":"2025-04-28T16:37:38","modified_gmt":"2025-04-28T14:37:38","slug":"building-bridges-wie-gelebte-erfahrungen-sichtbar-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/04\/28\/building-bridges-wie-gelebte-erfahrungen-sichtbar-werden\/","title":{"rendered":"Building Bridges: Wie gelebte Erfahrungen sichtbar werden"},"content":{"rendered":"Ein Br\u00fcckenbau zwischen mehreren Disziplinen, im Konkreten zwischen der Sozialwissenschaft und dem Film, aber andererseits zwischen Gesellschaftsgruppen, stand von 2021 bis 2025 im Zentrum des Projektes <a href=\"https:\/\/buildingbridgesinpolarizedsocieties.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>BUILDING BRIDGES in Polarized Societies: Film \u2013 Wien \u2013 ArbeiterInnenmilieu \u2013 Rechtspopulismus<\/i><\/a><a>.<\/a><i> <\/i>Geleitet wurde dieses von Barbara Wolfram, Film- und Theaterregisseurin sowie selbst Forscherin, und Paulus Wagner, Sozialwissenschaftler mit Forschungsschwerpunkten unter anderem in den Bereichen Sozialpolitik und Arbeit. \u201eIn der qualitativen Sozialwissenschaft geht es oft darum, Menschen im Detail zu verstehen und Konversationen herzustellen. Film wiederum ist das dominante Medium unserer Zeit. Auch in den sozialen Medien werden mit Videos Identit\u00e4ten konstruiert\u201c, erkl\u00e4rt Wagner. Durch einen medialen Diskurs entstehe dann eine Form der Anerkennung. Es gehe darum, wie und ob gesellschaftliche Gruppen einander sehen und verstehen oder dies nicht tun.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11906\" aria-describedby=\"caption-attachment-11906\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11906\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-1024x539.jpeg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"447\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-1024x539.jpeg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-300x158.jpeg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-768x404.jpeg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-1536x808.jpeg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-2048x1077.jpeg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/walter-l.-still-1-cwolframwagnerhaderermeiriserdaroglu-850x447.jpeg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11906\" class=\"wp-caption-text\">Filmstill Walter L. \u00a9 Barbara Wolfram, Paulus Wagner, Anna Viola Haderer, Jonathan Meiri, Jakob Serdaroglu<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wagner f\u00fchrte vor dem gemeinsamen Projekt rund 150\u00a0biografische Interviews mit verschiedenen Personen aus dem Arbeiter_innenmilieu, und auch Wolfram entwickelte zuvor anhand von Biografien Theaterst\u00fccke. \u201eWir hatten uns beide bereits mit \u00e4hnlichen Themen befasst und dann kam 2021 zum richtigen Zeitpunkt der Artistic Research Call der Stadt Wien\u201c, erkl\u00e4rt Wolfram. Mit der finanziellen Unterst\u00fctzung konnten in den letzten Jahren an der Filmakademie Wien das Projekt umgesetzt und zwei Kurzfilme produziert werden. Von den in Interviews festgehaltenen Biografien zum fertigen Film war es aber ein l\u00e4ngerer Prozess. \u201eEs geht darum, zu verstehen und zu konstruieren. Aber auch um ein Erinnern. Film ist ein Medium, das lange bestehen wird und auch eine Archivfunktion hat\u201c, erkl\u00e4rt Wolfram. Es mache einen Unterschied, welche Geschichten archiviert und welche Erinnerungen aktiv geschaffen werden und welche nicht. \u201eF\u00fcr uns gab es viele unterrepr\u00e4sentierte Geschichten.\u201c<\/p>\n<p>Die \u00dcberschneidung von Sozialwissenschaft und Film erm\u00f6glichte einen breiteren Zugang zur Thematik. F\u00fcr beide stand im Fokus, unterschiedliche Lebensrealit\u00e4ten aufzuzeigen, Filme zu machen, die angeschaut werden und die im besten Fall einen Dialog \u00fcber gesellschaftliche Grenzen hinweg erm\u00f6glichen. Als erster Kurzspielfilm entstand <i>Walter\u00a0L.<\/i>, der seine erfolgreiche \u00d6sterreich-Premiere im M\u00e4rz bei der <i>Diagonale<\/i> feierte. Im Mittelpunkt der Handlung steht Walter, ein LKW-Fahrer, dessen Arbeit durch die Automatisierung von Prozessen stark beeinflusst wird. Pl\u00f6tzlich muss er seinen Arbeitsalltag mit einer Maschine und nicht mehr mit einer Person koordinieren, die Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine famili\u00e4re Situation hat. Am Rande des filmischen Geschehens spielt sich eine Nationalratswahl ab, die den Film um eine politische Ebene erg\u00e4nzt. Arbeit ist nicht nur in <i>Walter L.<\/i> ein zentraler Aspekt, von dem viel abh\u00e4ngt. F\u00fcr Wolfram und Wagner gibt es hier einen klaren Spillover-Effekt: Arbeit sichert nicht nur die eigene Existenz, sondern wirkt sich auch auf soziale Beziehungen und die Familie aus und definiert wichtige Bereiche au\u00dferhalb des Arbeitsplatzes. Auch werden gesellschaftliche Autorit\u00e4ts- und Hierarchiebeziehungen rund um Arbeit generiert. \u201eSpannend war f\u00fcr uns, dass man \u00fcber Arbeit forscht, w\u00e4hrend man selbst ja auch arbeitet\u201c, h\u00e4lt Wolfram fest. \u201eUnd sich selbst in einem befristeten Arbeitsverh\u00e4ltnis befindet\u201c, erg\u00e4nzt Wagner.<\/p>\n<p>Der Beruf LKW-Fahrer wurde bewusst gew\u00e4hlt. Galt der Beruf vor einigen Jahren noch als angesehene und stabile Besch\u00e4ftigung, steht dieser nun von mehreren Seiten unter Druck. \u201eLKW-Fahrer war f\u00fcr uns ein Nexus an Transformationen. Es werden Themen wie Automatisierung, Migration, Lohn-Dumping, E-Mobilit\u00e4t und vieles mehr in einem Beruf geb\u00fcndelt\u201c, h\u00e4lt Wagner fest. Ein besonderer Gl\u00fccksfall war auch Hauptdarsteller Thomas Frank, der selbst vor Jahren als LKW-Fahrer t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Anfang M\u00e4rz wurde der zweite Film <i>Dina B.<\/i> gedreht. In diesem wird eine Mitarbeiterin einer Agentur des AMS in den Fokus ger\u00fcckt, die sich stets aufopfernd um ihre Klientinnen k\u00fcmmert, aber zwischen Vorgaben des Systems und den tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen von langzeitarbeitssuchenden Frauen zu zerbrechen droht. \u201eF\u00fcr uns waren beim zweiten Film jene Personen spannend, die das System zusammenhalten und die Frage, wie sehr man sich selbst f\u00fcr das System ausbluten muss, damit dieses weiter funktioniert\u201c, erkl\u00e4rt Wolfram die Themenwahl.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11904\" aria-describedby=\"caption-attachment-11904\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11904\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/konferenz-3-craphaeldau-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11904\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Raphael Dau<\/figcaption><\/figure>\n<p>Um Forscher_innen, Filmemacher_innen und Autor_innen an einem Ort zusammenzubringen und gemeinsam Erkenntnisse zu den Themen Arbeit, Klasse und Politisierung zu diskutieren, wurde im April 2024 die Konferenz <i>Arbeit \u2013 soziale Klasse \u2013 Politik \u2013 Film<\/i> an der mdw abgehalten. F\u00fcr die von Wolfram und Wagner selbst organisierte Konferenz konnten renommierte G\u00e4ste aus Film und Sozialwissenschaft gewonnen werden: etwa die Filmemacher Ken Loach und Paul Laverty (<i>I, Daniel Blake<\/i>; <i>The Old Oak<\/i>), Regisseurin Annika Pinske (<i>Alle reden \u00fcbers Wetter<\/i>), Soziologin Mich\u00e8le Lamont (Harvard University) aber auch Didier Eribon, der sein neues Buch <i>Eine Arbeiterin. Leben, Alter und Sterben <\/i>pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p>Mit dem Projekt und den Filmen werden \u201egelebte Erfahrung\u201c auf die Leinwand gebracht und soziale Gruppen so abgebildet, dass viele diese nachvollziehen und sich im besten Fall selbst auch wiederfinden k\u00f6nnen. Mit ihrer Arbeit haben Barbara Wolfram und Paulus Wagner es geschafft, einen sozialwissenschaftlichen-filmischen Dialog zu erm\u00f6glichen und im wahrsten Sinne \u201eBr\u00fccken zu bauen\u201c.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Br\u00fcckenbau zwischen mehreren Disziplinen, im Konkreten \ufeffzwischen der Sozialwissenschaft und dem Film, aber andererseits zwischen Gesellschaftsgruppen, stand von 2021 bis 2025 im Zentrum des Projektes BUILDING BRIDGES in \ufeffPolarized \ufeffSocieties: Film \u2013 Wien \u2013 ArbeiterInnenmilieu \u2013 Rechtspopulismus.<\/p>\n","protected":false},"author":259,"featured_media":11905,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1569,1587,1052,854],"class_list":["post-11901","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2025-2","tag-buildingbridges","tag-filmakademiewien","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/259"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11901"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11901\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12086,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11901\/revisions\/12086"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}