{"id":1187,"date":"2017-09-29T14:09:25","date_gmt":"2017-09-29T12:09:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1187"},"modified":"2020-03-09T16:51:59","modified_gmt":"2020-03-09T15:51:59","slug":"improvisation-oeffnet-ein-zulassen-fuer-den-moment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/improvisation-oeffnet-ein-zulassen-fuer-den-moment\/","title":{"rendered":"Improvisation \u00f6ffnet ein Zulassen f\u00fcr den Moment"},"content":{"rendered":"<strong>Neue F\u00e4cher aus dem Feld Improvisation im Instrumentalstudium<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Wintersemester 2016\/17 und dem Inkrafttreten des neuen Curriculums der Instrumentalstudien gibt es f\u00fcr die Studierenden aller F\u00e4cher an der mdw (ausgenommen Klavier) im Kader der Pflichtf\u00e4cher das Fach <em>Improvisation und kreatives Musizieren<\/em>. Zus\u00e4tzlich haben die Studierenden die M\u00f6glichkeit sich im Zuge eines ebenfalls neu eingef\u00fchrten Studienangebots <em>Schwerpunkt Improvisation<\/em> (mit den F\u00e4chern <em>Improvisation heute, Einf\u00fchrung in die Freie Improvisation, Einf\u00fchrung in die stilgebundene Improvisation, Einf\u00fchrung in die Jazzimprovisation, Improvisation und neue Musikstr\u00f6mungen 1 u. 2, Ensemble Popularmusik<\/em> und <em>Rhythmustraining Popularmusik<\/em>) vertiefend mit dem Thema selbstbestimmter Musik-\/Klanggenerierung zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Studierenden der Instrumentalstudien, deren Hauptfokus auf Interpretation liegt, \u00f6ffnet sich dadurch ein Fenster dahingehend, was Improvisation kann. Im vom FWF (Fonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung) gef\u00f6rderten und an der mdw (M\u00e4rz 2010 bis M\u00e4rz 2012) situierten Forschungsprojekt <em>Quo vadis, Teufelsgeiger?<\/em> (Projekleitung: Peter R\u00f6bke) arbeiteten Magdalena Bork<sup>1<\/sup>, Reinhard Gagel und ich u.a. folgende Aspekte \u201epro\u201c Improvisation aus:<\/p>\n<p>Wahrnehmung schulen, mit allen Parametern der Musik spielen, ein Gef\u00fchl f\u00fcr Gegenw\u00e4rtigkeit schaffen, Verbindung zur eigenen Urmotivation herstellen, den Fokus vom Nicht-K\u00f6nnen zum K\u00f6nnen verschieben \u2013 d. h. aus den eigenen Ressourcen sch\u00f6pfen, einen konstruktiven, angstreduzierenden Umgang mit Fehlern vermitteln\/aufzeigen, soziale Kompetenzen st\u00e4rken<sup>2<\/sup>, ein Feld f\u00fcr das Experimentieren mit diversen Rollen anbieten, authentisches Musizieren f\u00f6rdern, den Umgang mit Unvorhergesehenem trainieren und damit (neue) Orientierungssysteme \u00f6ffnen f\u00fcr ein sich schnell und unaufh\u00f6rlich wandelndes System, dem MusikerInnen mehr und mehr begegnen.<\/p>\n<p>Neben eben genannten intrinsischen Aspekten wirkt Improvisation als effektives Tool zum flexibleren Zusammenspiel, -h\u00f6ren und -agieren f\u00fcr angehende Orchester- und KammermusikerInnen<sup>3<\/sup>. Weiters kann das improvisatorische Tun bei jungen MusikerInnen die Begeisterung f\u00fcr das Arbeitsfeld des Composer-Performer wecken. Ein Tun, das f\u00fcr MusikerInnen bis vor ca. 250 Jahren zum t\u00e4glichen Alltag geh\u00f6rte: Sie waren gleichzeitig InterpretInnen, KomponistInnen und PerformerInnen ihrer Musik. Wie ich in meiner Dissertation <em>Fagott Performance \u2013 Improvisation, Intuition, Transformation<\/em><sup>4<\/sup> beschrieben habe, wurde der Begriff Improvisation \u201eoffenbar erstmals von Jean-Jacques Rousseau in seinem <em>Dictionnaire<\/em> (1768) auf Musik bezogen\u201c<sup>5<\/sup>. Die heutige Bedeutung erlangte der Begriff der Improvisation um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Bis zu diesem Zeitraum wurde im Feld der notationsfreien Musikgenerierung zwischen Pr\u00e4ludieren (Improvisieren von meist k\u00fcrzeren St\u00fccken) und Fantasieren (komplexe Form der Improvisation) unterschieden. Laut Derek Bailey \u201ehatte Improvisation (in der Barockzeit) ihren festen Platz und war sowohl in die melodische wie die harmonische Struktur der Musik eingebunden\u201c<sup>6<\/sup>. Mit virtuos gehaltenen und voller Ideen steckenden Improvisationen konnten InstrumentalistInnen infolge der aufkommenden Entwicklung eines \u00f6ffentlichen Konzertlebens das Publikum begeistern und geh\u00f6rten bis ca. zur Mitte des 19. Jahrhunderts weiterhin als fixer Bestandteil in ein Konzert. Ab dem sp\u00e4ten 18. Jahrhundert begann sich ein Graben zwischen Komposition und Improvisation zu bilden. \u201eViele Komponisten begannen den Notentext ihrer Werke verbindlich festzulegen und die traditionellen Freir\u00e4ume zur Improvisation kompositorisch auszuf\u00fcllen.\u201c<sup>7<\/sup> Giuseppe Verdi lie\u00df sich zum Beispiel \u201edie notengetreue Auff\u00fchrung seiner Werke vertraglich zusichern\u201c<sup>8<\/sup>.<\/p>\n<p>Durch die Aufl\u00f6sung der Dur-Moll-Tonalit\u00e4t und die Entwicklungen der Musikpraxis durch das Feld von technischen Medien erweiterten\/entwickelten sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl musikalischer Stile, und klare Trennlinien zwischen E- und U-Musiken wurden gezogen. In der Improvisation wurde zwischen idiomatischer und nonidiomatischer Hauptauspr\u00e4gung unterschieden: \u201eIdiomatische Improvisation, die weitaus h\u00e4ufigere, bezieht sich in erster Linie auf den Ausdruck eines bestimmten Idioms \u2013 wie Jazz, Flamenco oder Barock \u2013 und sch\u00f6pft ihre Identit\u00e4t und ihre Anregungen aus diesem Idiom. Die non-idiomatische Improvisation verfolgt andere Interessen und tritt gew\u00f6hnlich als sogenannte Freie Improvisation auf.\u201c<sup>9<\/sup> Bis heute hat sich die Entwicklung der Improvisation dahingegen entfaltet, \u201edass einstige Barrieren und stilistische Abgrenzungen nicht mehr ganz so radikal gezogen werden (&#8230;) (und dass) das Beharren auf der einen Wahrheit \u00fcber Improvisation im Schwinden zu sein (scheint)\u201c<sup>10<\/sup>.<\/p>\n<p>Da die improvisatorische Musikpraxis bis auf wenige Ausnahmen (z.B.: Orgelimprovisationen, Musiktherapie, Rhythmik, Musikp\u00e4dagogik) im universit\u00e4ren Kontext \u201eweitgehend zum methodischen Hilfsmittel der Erlernung traditioneller Musiktheorie umfunktioniert wird\u201c<sup>11<\/sup>, obwohl \u201ees aus schaffenspsychologischer Sicht interessant ist, dass Zuh\u00f6rerInnen, die mit einem Stil nicht sehr vertraut sind, eine Improvisation kaum von einer Komposition unterscheiden k\u00f6nnen\u201c<sup>12<\/sup>, wird mit der Einf\u00fchrung der neuen F\u00e4cher dieser Tendenz nun entgegengewirkt.<\/p>\n<p>\u201eEinen Sinn entdecken und zulassen\u201c, so schildert Elisa Ramberger, eine Studierende des ersten Jahrgangs, ihre Erfahrungen aus der Lehrveranstaltung <em>Improvisation und kreatives Musizieren<\/em> und die Erfahrung des Gef\u00fchls, \u201edas Musik so unbeschreiblich\u201c macht, das sie in der Lehrveranstaltung entwickeln konnte.<\/p>\n<p>\u201eDieses Feedback der teilnehmenden Studierenden steht exemplarisch daf\u00fcr, wie es sinngem\u00e4\u00df von den meisten Studierenden vor einigen Jahren des Projekts Quo vadis, Teufelsgeiger? formuliert wurde\u201c, sagt Vizerektorin Barbara Gisler-Haase. \u201eAu\u00dferdem hat es die Studienkommission Instrumentalstudium davon \u00fcberzeugt, Improvisation als Pflichtfach im Curriculum einzuf\u00fchren und einen Schwerpunkt Improvisation zu etablieren. Ein gewagtes Unterfangen, bedeutet es doch, dass es j\u00e4hrlich etliche Gruppen zu bilden gilt und dies neben anderen Neuerungen vom Rektorat finanziert werden muss\u201c, so die Vizerektorin weiter.<\/p>\n<p>Improvisieren ist ein selbstbestimmtes und sch\u00f6pferisches Erfinden auf dem Instrument. Das Musizieren und kreative Entwickeln von Ideen aus dem Hier und Jetzt tr\u00e4gt jede und jeder von uns als Grundausstattung in sich. Dies zu entdecken und damit zu spielen ist intensive Arbeit mit sich selbst und mit dem jeweiligen Instrument und macht den meisten Studierenden gro\u00dfen Spa\u00df!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><em><em>Das Projekt \u201eQuo vadis, Teufelsgeiger?\u201c entwickelte sich aus den Ergebnissen und Erkenntnissen der Forschung aus: Bork, Magdalena: Traumberuf Orchestermusiker? Herausforderungen an ein Leben f\u00fcr die Kunst, Verlag Schott, Mainz, 2010. Siehe: Bork, Magdalena: Getragen vom \u00dcbertragen: Das Projekt \u201eQuo vadis, Teufelsgeiger?\u201c im Lichte der Translation, in: Hasitschka, Werner (Hg.): Performing Translation, L\u00f6cker Verlag, Wien, 2014.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Siehe auch: Gagel, Reinhard: Improvisation als soziale Kunst \u2013 \u00dcberlegungen zum k\u00fcnstlerischen und didaktischen Umgang mit improvisatorischer Kreativit\u00e4t, Verlag Schott, Mainz, 2010.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Exemplarisch f\u00fcr eine Sammlung von Improvisationsanleitungen siehe: R\u00fcdiger, Wolfgang: Ensemble &amp; Improvisation \u2013 20 Musiziervorschl\u00e4ge f\u00fcr Laien und Profis von Jung bis Alt, ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg, 2015.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Gst\u00e4ttner-Heckel, Maria Brigitte: Fagott Performance \u2013 Improvisation Intuition Transformation, Dissertation, Wien, 2016.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Seedorf, Thomas, Art. \u201eImprovisation\u201c, in: Finscher, Ludwig (Hg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil 3, B\u00e4renreiter Verlag, Kassel Basel London New York Prag, Metzler Verlag, Stuttgart Weimar, 1995, Sp. 569.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Bailey, Derek: Improvisation \u2013 Kunst ohne Werk, Wolke Verlag, Berlin, 1987, S. 45. (\u00dcbers. von Hermann J. Metzler u. Alexander von Schlippenbach), Orig.: Bailey, Derek: Improvisation, its nature and practice in music, revised edition (1992), The British Libary National Sound Archive (UK); Da Capo Press (USA).<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Seedorf, Thomas, Art. \u201eImprovisation\u201c, MGG, 1995, Sp. 572.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Ebenda, Sp. 579.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Bailey, Derek: Improvisation \u2013 Kunst ohne Werk, Wolke Verlag, Berlin, 1987, S. 11.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Polaschegg, Nina: Hear and Now \u2013 (Einige) Entwicklungen seit 1998, in: Wilson, Peter Niklas: Hear and Now \u2013 Gedanken zur improvisierten Musik, Wolke Verlag, Hofheim, 2014, S. 8.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em><em>Frisius, Rudolf, Art. \u201eImprovisation\u201c, in: Finscher, Ludwig (Hg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil 3, B\u00e4renreiter Verlag, Kassel Basel London New York Prag, Metzler Verlag, Stuttgart Weimar, 1995, Sp. 588.<\/em><\/em><\/li>\n<li><em>Lehmann, Andreas C., (2008), S. 340.<\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.hfm-wuerzburg.de\/lv\/lehre\/lehmann-andreas-c\/buecher\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.hfm-wuerzburg.de\/lv\/lehre\/lehmann-andreas-c\/buecher<\/a> (Stand: 9.3.2020).<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Statement der Vizerektorin, Erfahrungsberichte von Lehrenden der neuen F\u00e4cher sowie Feedback von\u00a0Studierenden<\/strong><\/p>\n<p><strong>Statement der Vizerektorin <\/strong><strong>f\u00fcr Lehre, Kunst und Nachwuchsf\u00f6rderung<br \/>\n<\/strong>Barbara Gisler-Haase<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEinen Sinn entdecken und zulassen\u201c, so schildert die Studierende unter anderem dieses Gef\u00fchl, \u201edas Musik so unbeschreiblich\u201c macht. Das Feedback der teilnehmenden Studierenden steht exemplarisch daf\u00fcr, wie es sinngem\u00e4\u00df von den meisten Studierenden des Projekts <em>Quo vadis, Teufelsgeiger? <\/em>formuliert wurde. Dieses Feedback hat die Studienkommission Instrumentalstudium davon \u00fcberzeugt, Improvisation als Pflichtfach im Curriculum einzuf\u00fchren und den Schwerpunkt Improvisation zu etablieren.<\/p>\n<p>Ein gewagtes Unterfangen, bedeutet es doch, dass es j\u00e4hrlich etliche Gruppen zu bilden gilt und dies neben anderen Neuerungen vom Rektorat finanziert werden muss! Da bedarf es tats\u00e4chlich der Kraft der \u00dcberzeugung und des \u00dcberzeugens. Der Artikel im <em>mdw-Magazin<\/em> bringt eindrucksvoll zur Geltung, welch vielf\u00e4ltiger Reichtum in der Improvisation erschlossen werden kann.<\/p>\n<p>Wir freuen uns auf die n\u00e4chsten Generationen von mdw-Studierenden, die an diesem Reichtum teilhaben werden und somit auch auf eine weitere im Studium erworbene Kompetenz verweisen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Feedback einer Studentin \u00fcber das Fach Improvisation und kreatives Musizieren<br \/>\n<\/strong>Elisa Ramberger, Blockfl\u00f6te<\/p>\n<p>Weshalb improvisieren? Improvisation. Providere hei\u00dft vorhersehen. Improvisus bedeutet unerwartet.<\/p>\n<p>Das letzte Semester verhalf mir, eine neue Art des Musizierens ein wenig kennenzulernen und zu verstehen. Ich habe einen Bezug entwickelt. Eine Freude. Fehler zu machen, auszuprobieren, zu entdecken, zu kommunizieren und nachzuvollziehen. Musik bedeutet f\u00fcr mich Emotion und Ehrlichkeit, Spontanit\u00e4t und Unvorhersehbarkeit. All das, was in komponierter Musik und deren Interpretation so leicht verloren gehen kann. W\u00f6chentlich mit einer Gruppe erfahrener MusikerInnen, jedoch unerfahrener ImprovisateurInnen zusammenzukommen, um eineinhalb Stunden verschiedene Arten des Unerwarteten auszuprobieren, hat mir vor allem eines beigebracht: Improvisation ist ehrlich.<\/p>\n<p>Und man merkt, wenn jemand \u201el\u00fcgt\u201c. Improvisation erzeugt Dynamik. Und man sp\u00fcrt, wenn jemand anders f\u00fchlt. Improvisation erz\u00e4hlt Geschichten. Und man h\u00f6rt, wenn sie jemand nicht versteht. Was ich damit sagen m\u00f6chte, ist, dass man durch diese Form des Musizierens und\u00a0Zuh\u00f6rens einen Sinn st\u00e4rkt, den man entdecken und zulassen muss. Einen Sinn, der f\u00fchlen l\u00e4sst, dass eine Energie entsteht. Aus dem Moment. Eine Energie, die sch\u00f6n und unerwartet ist. Aber nicht willk\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Auch wenn dieses Gef\u00fchl nicht definierbar ist, bin ich \u00fcberzeugt, dass es vermittelt werden kann. Und es ist dieses Gef\u00fchl, das Musik so unbeschreiblich macht. Unabh\u00e4ngig von Ort, Zeit und Land. Unabh\u00e4ngig von Komposition und Improvisation. Dankesch\u00f6n f\u00fcr das letzte Semester!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Improvisation und kreatives Musizieren<br \/>\n<\/strong>Maria Gst\u00e4ttner<\/p>\n<p>Mit interdisziplin\u00e4ren Spielen ein Semester lang mit 32 Studierenden in 8er-Gruppen (InstrumentalistInnen aller Instrumente der Instrumentalstudien, au\u00dfer Klavier, Monika Stadler betreut die HarfenistInnen) in das Tun von improvisatorischer Musikgenerierung kurz einzutauchen, um den Funken f\u00fcr diese \u201eDisziplin\u201c zu entfachen, Idiome vorzustellen, Informationen und MusikerInnen\/PerformerInnen des Arbeitsfeldes kennenzulernen, ungewohnte Spieltechniken am Instrument auszuprobieren, eigene St\u00fcckkonzepte zu entwickeln, bedeutete f\u00fcr (fast) alle Studierende sich auf absolutes Neuland einzulassen.<\/p>\n<p>Mit Fokus auf eine der Grundregeln f\u00fcr Improvisation: \u201eIch will\u201c und dem Aufheben von \u201erichtig und falsch\u201c entstand in allen Gruppen bis zum Ende des Semesters ein Gef\u00fchl f\u00fcr improvisatorische Musikgenerierung und richtig gute Musik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrung in die Jazzimprovisation<br \/>\n<\/strong>Michael D\u00f6rfler-Kneihs<\/p>\n<p>Erfreulicherweise war das Interesse an der Lehrveranstaltung sehr gro\u00df, teils aus allgemeiner Neugierde an Improvisation, teils aus konkreter Begeisterung f\u00fcr Jazz. Viele Instrumente waren vertreten, interessanterweise in diesem Jahr keine im Jazz so typischen Trompeten und Saxophone. Hingegen ist mir schon seit einigen Jahren aufgefallen, wie viele GeigerInnen Jazz spielen wollen. Damit es von Anfang an nach Jazz klingt, haben wir viel gemeinsam trainiert: Skalen, Akkorde, Phrasen in allen Tonarten gespielt. Zwischendurch gab es dann Raum, gemeinsam beziehungsweise abwechselnd mit dem ge\u00fcbten Material zu experimentieren. Unterlegt haben wir die \u00dcbungen und Improvisationen mit immer wieder anderen Rhythmen und Tempi.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war faszinierend, wie die Pers\u00f6nlichkeit jedes\/jeder einzelnen Musizierenden vom ersten Ton an greifbar war, obwohl die meisten Teilnehmenden kaum Improvisationserfahrung hatten und obwohl wir uns alle im Rahmen eines vorgegebenen Stils bewegt haben. Dieses starke Erleben der individuellen (musikalischen) Pers\u00f6nlichkeit macht\u00a0Jazzimprovisation spannend \u2013 und auch unsere Lehrveranstaltung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrung in die stilgebundene Improvisation<br \/>\n<\/strong>Michael Meixner<\/p>\n<p>Diese Lehrveranstaltung fand im Sommersemester 2017 zum ersten Mal statt; die TeilnehmerInnen waren zwei PianistInnen, eine Hornistin, ein Geiger und ein Saxophonist.<\/p>\n<p>Verschiedene \u2013 eben stilgebundene \u2013 Vorgaben wurden erprobt: barocke Ostinati und Satzmodelle, klassische Variationen, Erfindung eines Themas und Arrangements im Ged\u00e4chtnis, Improvisationen mit Messiaen-Modi und frei erstellten Skalen, Akkordmuster-Studien, atonikale Kontrapunkte mit streng fixierten Ausgangsmotiven und vieles mehr, oft auch spontan erfunden und getestet. Viel Wert wurde auf Zuh\u00f6ren und Balancieren und die wechselnden Rollen der Einzelspieler im Ensemble gelegt, und damit auch auf die gemeinsame Verantwortung f\u00fcr einen gelungenen musikalischen Bogen. Eine Teilnehmerin dr\u00fcckte gegen Ende des Kurses aus, dass sich f\u00fcr sie in kurzer Zeit viele Querbez\u00fcge zu anderen Lehrveranstaltungen (Musikgeschichte, Satzlehre, Stilkunde) in \u00fcberraschend anschaulicher Art ergeben h\u00e4tten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrung in die Freie Improvisation<br \/>\n<\/strong>Burkhard Stangl<\/p>\n<p>Um Normalit\u00e4t, die Norm, das Normale, das musikalische Eichma\u00df, das Regelwerk der Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, den Kanon, das \u00dcbliche \u2013 also all das, was nicht gerade ohne Relevanz f\u00fcr die nachschaffende Kunst ist \u2013 mit neuer Bedeutung aufladen zu k\u00f6nnen, indem man sein eigenes musikalischen Sosein herausfindet oder forciert, haben wir in dieser Lehrveranstaltung gemacht, was man sonst nicht macht.<\/p>\n<p>Acht MusikerInnen haben sich leidenschaftlich dem (vielleicht bislang) Unbekannten hingegeben \u2013 und gemeinsam Musik erschaffen, die es noch nie gab und auch nie mehr in dieser Form geben wird. Die beteiligten InstrumentalistInnen, zwei Violinen, Bratsche, Cello, Blockfl\u00f6te, Saxophon, Horn und Klavier haben ohne schriftlichen Au\u00dfenspeicher und ohne Karrierestress miteinander musikalisch kommuniziert, im selbstst\u00e4tigen musikalischen Tun eigene Musik kreiert, in aller Heftigkeit, Behutsamkeit, Verletzlichkeit, Stille und Nachdenklichkeit.<\/p>\n<p>Genauso wenig wie das Gl\u00fcck nicht immer lustig ist, ist freie Improvisation nicht immer unumschr\u00e4nkt. Daf\u00fcr braucht es eine vornehme Mischung Pr\u00e4zision, Disziplin, Konsequenz und Laissez-faire. Freiheit muss erk\u00e4mpft werden, immer und immer wieder, und kann im Feld der freien Improvisation lustvoll erspielt werden. Immer und immer wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kreatives Spiel \u2013 Freies und Strukturiertes<br \/>\n<\/strong>Monika Stadler<\/p>\n<p>Die Lehrveranstaltung f\u00fcr Harfenistinnen war so angelegt, dass sie Erfahrungen sowohl in der freien Improvisation als auch in der Struktur und Sprache der Jazzimprovisation machen konnten.<\/p>\n<p>Ein weiteres meiner Anliegen war , die Studierenden zu ermutigen verschiedenste Ideen auszuprobieren, mutiger und freier darin zu werden, keine Angst vor Fehlern zu haben, mit Spa\u00df und Entdeckungsgeist an die Fragestellung heranzugehen und immer wieder genau hinzuh\u00f6ren welche Melodien\/Ideen sich entwickeln. Sch\u00f6n war zu beobachten, wie die Studierenden immer freier wurden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue F\u00e4cher aus dem Feld Improvisation im Instrumentalstudium Seit dem Wintersemester 2016\/17 und dem Inkrafttreten des neuen Curriculums der Instrumentalstudien gibt es f\u00fcr die Studierenden aller F\u00e4cher an der mdw (ausgenommen Klavier) im Kader der Pflichtf\u00e4cher das Fach Improvisation und kreatives Musizieren. 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