{"id":11801,"date":"2025-04-28T12:15:04","date_gmt":"2025-04-28T10:15:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11801"},"modified":"2025-04-28T16:14:56","modified_gmt":"2025-04-28T14:14:56","slug":"mit-der-welt-in-dialog-treten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/04\/28\/mit-der-welt-in-dialog-treten\/","title":{"rendered":"Mit der Welt in Dialog treten"},"content":{"rendered":"<h1>Die drei Schauspielregie-Absolventen des Studienjahres 2024\/25 im Interview<\/h1>\n<h5>Am Anfang war bei allen der Stillstand. Die Schauspielregie-Studierenden des aktuellen Abschlussjahrgangs am Max Reinhardt Seminar \u2013 Manuel Horak, Lukas Sch\u00f6ppl und Florian Thiel \u2013 begannen ihr Studium mitten in der Pandemie. Aus der \u00e4u\u00dferen Starre erwuchs der innere Drang nach Erneuerung \u2013 mit den unterschiedlichsten Lebenswegen hinter sich traten die drei zur Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Schauspielregie am Max Reinhardt Seminar an und bestanden. Die unterschiedlichen Hintergr\u00fcnde der drei Regisseure spiegeln sich auch in ihren Diplomst\u00fccken wider, die im Studienjahr 2024\/25 zur Auff\u00fchrung gelangten und verschiedene Herangehensweisen aufwiesen. Im Interview mit dem <i>mdw-Magazin <\/i>sprachen die drei \u00fcber die Inspirationen zu ihren Diplomprojekten, die Herausforderungen ihres Studiums am Max Reinhardt Seminar und ihre W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft.<\/h5>\n<figure id=\"attachment_11939\" aria-describedby=\"caption-attachment-11939\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11939\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/mrs-regiestudierende-marcelurlaub-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11939\" class=\"wp-caption-text\">Florian Thiel, Lukas Sch\u00f6ppl, Manuel Horak (v. l. n. r.) \u00a9 Marcel Urlaub<\/figcaption><\/figure>\n<p>Endlich die mdw-Mensa von innen sehen \u2013 zwei der Schauspielregiediplomanden treffen wir in der kulinarischen Zentrale der mdw, der Mensa am Anton-von-Webern-Platz, die von Max-Reinhardt-Seminar-Studierenden aufgrund der geografischen Distanz nur selten genutzt wird. \u201eBei uns gibt es aber eh einen Automaten\u201c, wird die Verpflegung an ihrem Standort dennoch positiv hervorgehoben. Bald m\u00fcssen sich die Schauspielregiestudierenden mit derlei profanen Dingen aber ohnehin nicht mehr besch\u00e4ftigen: Ihre Diplomst\u00fccke <i>Glaube Liebe Hoffnung<\/i> (Florian Thiel), <i>Der Hofmeister \u2013 oder: Vorteile der Privaterziehung<\/i> (Lukas Sch\u00f6ppl) und <i>The Artist<\/i> (Manuel Horak) wurden im vergangenen Semester aufgef\u00fchrt und besiegelten fulminant ein vierj\u00e4hriges Studium.<\/p>\n<h5>Das Theater zu den Menschen bringen<\/h5>\n<p>Von den Liebesirrungen eines Lehrers zu Sturm-und-Drang-Zeiten \u00fcber einen \u201eTotentanz\u201c im Drei\u00dfigerjahre-Sozialdrama bis hin zur Graphic Novel \u00fcber das K\u00fcnstlerdasein \u2013 die Jungregisseure spannten einen weiten thematischen Bogen und setzten bei der Auswahl der Stoffe unterschiedlichste Schwerpunkte. Die Inspiration daf\u00fcr war bei jedem Einzelnen zutiefst pers\u00f6nlich und individuell:<\/p>\n<p>F\u00fcr Florian Thiel (32) war es Bremerhaven. Bewusst verortete er seine Inszenierung des ber\u00fchmten Sozialdramas von \u00d6don von Horvath <i>Glaube Liebe Hoffnung<\/i> in die norddeutsche Hafenstadt und f\u00fchrte das St\u00fcck auch im dortigen Stadttheater auf. \u201eIch habe nach einem Format gesucht, wo man mit den Menschen hier auf eine besondere Art und Weise ankn\u00fcpfen kann und ins Gespr\u00e4ch kommt, weil: Die Welt hier in Bremerhaven ist ganz anders als in Wien. Hier gibt es wirklich gro\u00dfe N\u00f6te, aber gleichzeitig auch einen gro\u00dfen Sozial- und Strukturwandel.\u201c Die Krisen der Gesellschaft merke man in dieser Stadt, die nach dem endg\u00fcltigen Abzug amerikanischer Soldaten in den 1990er-Jahren ihre Funktion als zentrale Hafen- und Handelsstadt verlor, besonders deutlich. \u201eImmer, wenn Wirtschaftskrisen entstehen, sterben Werften. Das ist hier vor Ort einfach sp\u00fcrbar\u201c, meint der selbst aus Deutschland stammende Thiel. \u201eHier ist eben weniger Geld da und Kultur findet dementsprechend auch anders statt.\u201c Daher sei die Grundidee seines Diplomprojekts gewesen, die M\u00f6glichkeit zu schaffen, das Theater zu den Menschen zu bringen, was er insbesondere auch durch interaktive Publikumsgespr\u00e4che im Anschluss an seine Auff\u00fchrungen umsetzen konnte.<\/p>\n<blockquote><p>Die Familie bildet f\u00fcr mich die Gesellschaft im Kleinen ab.<\/p>\n<p>Lukas Sch\u00f6ppl<\/p><\/blockquote>\n<p>Der 30-j\u00e4hrige Lukas Sch\u00f6ppl f\u00fchrt seine Inszenierung des Sturm-und-Drang-St\u00fcckes <i>Der Hofmeister \u2013 oder: Vorteile der Privaterziehung<\/i> unter anderem auf seine eigene Biografie \u2013 und auch auf Bertolt Brecht \u2013 zur\u00fcck: \u201eDas St\u00fcck ist ein deutscher Klassiker, der kaum noch aufgef\u00fchrt wird. Auch Brecht hat das St\u00fcck in den 1950er-Jahren bearbeitet, und ich habe mich in der Zeit der Vorbereitung st\u00e4rker f\u00fcr Brecht interessiert. Mit meiner Inszenierung wollte ich diese erste Tragikkom\u00f6die der deutschen Literatur entstauben und neu auf die B\u00fchne bringen.\u201c So wurde Sch\u00f6ppl \u201ethematisch angefixt\u201c, wobei die Auseinandersetzung mit dem Thema Lehren und Lernen ihn auch aufgrund seiner eigenen (Familien-)Geschichte reizte: \u201eIch komme aus einer Lehrer_innenfamilie, meine Eltern und mein Bruder sind alle drei Lehrer_innen und ich bin der Erste, der nicht Lehramt studiert hat. Weil das Thema Lehren und Lernen in meiner Familie dadurch sehr pr\u00e4sent ist, setze ich mich auch in meiner Diplominszenierung damit auseinander. Die Entwicklung von Figuren, was sie selbst lernen und anderen beibringen k\u00f6nnen, und das Konfliktpotenzial der Lehrer_innen-Sch\u00fcler_innen-Beziehung interessieren mich als Absolvent einer Kunstuniversit\u00e4t nat\u00fcrlich auch.\u201c Au\u00dferdem habe ihn auch die Tatsache gereizt, dass sich in einem Familiengef\u00fcge auch immer die Gesellschaft abbildet: \u201eDas Verh\u00e4ltnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Konflikte, die da entstehen, sind oft auch in famili\u00e4ren Kontexten verhandel- und darstellbar. Die Familie bildet f\u00fcr mich die Gesellschaft im Kleinen ab. Und deshalb kann man so viele Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse oder eben diesen Kampf zwischen Individuum und Kollektiv als Erstes in der Familie erfahren.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_11940\" aria-describedby=\"caption-attachment-11940\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11940\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/hofmeister-copyright-victorianazarova-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11940\" class=\"wp-caption-text\">Der Hofmeister oder: Vorteile der Privaterziehung \u00a9 Victoria Nazarova<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote><p>Ich wollte die darstellende mit der bildenden Kunst verschmelzen.<\/p>\n<p>Manuel Horak<\/p><\/blockquote>\n<p>Ganz anders gelangte Manuel Horak (29) zum Stoff seines Diplomst\u00fcckes<i> The Artist<\/i>. Per Zufall fiel ihm bei einer Ausstellung in Hamburg die gleichnamige Graphic Novel von Anna Haifisch in die H\u00e4nde. \u201eIch war letztes Jahr beim K\u00f6rber-Festival f\u00fcr Junge Regie in Hamburg, aber nur als Gast. Nach dem dritten Tag suchte ich Abwechslung von den vielen Theaterst\u00fccken. In der Stadt hatte ich ein Plakat gesehen \u2013 da war einfach nur diese Zeichnung von <i>The Artist<\/i>. Ich f\u00fchlte mich sofort angesprochen und bin prompt ins Kunstgewerbemuseum gefahren.\u201c Die \u00c4sthetik der Graphic Novel, die Teil einer Einzelausstellung der K\u00fcnstlerin Anna Haifisch war, faszinierte Manuel Horak auf Anhieb. Einmal im Museumsshop erstanden, gab sie ihm die Initialz\u00fcndung f\u00fcr sein Diplomprojekt. Die Idee, einen Comic auf die Theaterb\u00fchne zu bringen, war dabei besonders reizvoll: \u201eIch finde, gerade diese grafische Vorlage bietet sich total an f\u00fcr eine visuell starke Umsetzung auf der B\u00fchne.\u201c Dabei konnte Horak seine Einfl\u00fcsse aus der bildenden Kunst geltend machen: \u201eF\u00fcr den Abschluss am Max Reinhardt Seminar wollte ich die darstellende mit der bildenden Kunst verschmelzen. Ich habe das Gef\u00fchl, es wird immer entweder von der bildenden oder der darstellenden Kunst gesprochen, aber ich sehe da keine gro\u00dfen Unterschiede.\u201c Seine Vorliebe f\u00fcr diese Interdisziplinarit\u00e4t kommt auch daher, dass er selbst Malerei und Animationsfilm an der Universit\u00e4t f\u00fcr angewandte Kunst Wien studiert. Er sehe daher zwischen den beiden Gattungen keine Konkurrenz und habe das mit seinem Diplomprojekt, in dem aus einer Graphic Novel eine (mitunter auch zweidimensionale) dramatische Darstellung auf der B\u00fchne wurde, verdeutlichen wollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11937\" aria-describedby=\"caption-attachment-11937\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11937\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/the-artist-c-lukistuewe-04-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11937\" class=\"wp-caption-text\">The Artist \u00a9 Luki Stuewe<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Von der Freiheit und der Fantasie<\/h5>\n<p>Spricht man mit den drei Diplomanden \u00fcber ihre Arbeit als Schauspielregisseure, f\u00e4llt in unterschiedlichen Kontexten der Begriff Freiheit. Manuel Horak f\u00fchlt sich etwa als Regisseur im Theater freier als im Film: \u201eBeim Theater gibt es f\u00fcr mich pers\u00f6nlich wesentlich mehr Freiheit als im Film, weil ein unausgesprochenes Abkommen zwischen Publikum und Darstellenden besteht: Wenn wir in einem St\u00fcck beispielsweise behaupten, wir befinden uns im Schloss von Versailles, dann sind wir einfach dort. Und daf\u00fcr brauche ich keine Drehgenehmigung\u201c, hebt Horak die M\u00f6glichkeit des Theaters hervor, die Grenzen der Realit\u00e4t selbst zu bestimmen und dabei der Fantasie Raum zu geben. Lukas Sch\u00f6ppl verortet hingegen gerade in der Begrenzung oftmals die Freiheit: \u201eIch finde, auch in der Einschr\u00e4nkung liegt manchmal Freiheit. Wenn man abgesteckt bekommt, innerhalb welcher Grenzen man sich bewegen kann, macht das oft frei.\u201c Das habe er an der Ausbildung am Max Reinhardt Seminar erlebt, wo er gleicherma\u00dfen k\u00fcnstlerische Freiheit sowie die einer Ausbildung immanenten Vorgaben genossen h\u00e4tte. \u201eEs ist nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Freiheit, wenn man entscheiden kann, welche Projekte man macht. F\u00fcr mein Vordiplom habe ich zum Beispiel ein St\u00fcck selber geschrieben und das war mir wirklich wichtig. Beim Diplom hingegen war es dann schon eine selbst auferlegte Einschr\u00e4nkung, n\u00e4mlich, dass ich nicht etwas Selbstgeschriebenes mache, sondern dass ich ein St\u00fcck, das es schon gibt, bearbeite und f\u00fcr ein heutiges Publikum erfahrbar mache.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Ich habe nie gedacht, dass ich in sowas reinpassen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Florian Thiel<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu seiner komplexen Beziehung zur Schauspielausbildung und dem Freiheitsempfinden darin teilte auch Florian Thiel seine Gedanken: \u201eMein Studium war ein bisschen guerillam\u00e4\u00dfig. Man hat wahnsinnig oft Regeln gebrochen, von denen man vorher nicht wusste, dass es sie gibt.\u201c Dennoch habe er sich von den Professor_innen und der Institutsleitung am Max Reinhardt Seminar immer gut unterst\u00fctzt gef\u00fchlt: \u201eAuch was Stoffe angeht. Ich fand es immer ganz sch\u00f6n, dass es nicht so war: \u201aDu musst jetzt etwas aus der Antike oder dies oder das machen.\u2018 Man war da relativ frei. Ich hoffe, das wird beibehalten.\u201c Grunds\u00e4tzlich habe Thiel Kunstuniversit\u00e4ten aber immer eher als \u201eabgeschottete Institutionen\u201c empfunden, die ihn durch ihre \u201eNichtdurchl\u00e4ssigkeit und Intransparenz\u201c zun\u00e4chst abgeschreckt h\u00e4tten. \u201eIch habe nie gedacht, dass ich als Arbeiterkind in sowas reinpassen k\u00f6nnte. Ich wei\u00df auch nicht, ob ich da wirklich dazu passe. Aber ich bin jetzt doch hier gelandet.\u201c Und zwar \u00fcber eine Regieassistenz, in die er neben seinem urspr\u00fcnglichen Beruf als Erzieher per Zufall reingerutscht ist. Dort konnte er viel Grunds\u00e4tzliches \u00fcber den Beruf lernen und \u201everschiedene Handschriften\u201c erleben. \u201eDas war relativ eigenartig, weil ich so eine Art zu arbeiten nicht kannte. Sehr alte Schauspieler wie der mittlerweile verstorbene Otto Schenk spielten mit und Helmuth Lohner machte die Regie. Das war schon eine ganz besondere Raumenergie. Da bin ich dann irgendwie kleben geblieben.\u201c<\/p>\n<p>Welche Schwerpunkte m\u00f6chten die Jungregisseure in ihrer zuk\u00fcnftigen Arbeit setzen, in welcher Art von Theater m\u00f6chten sie wirken? Manuel Horak kann sich \u2013 unter anderem \u2013 jedenfalls vorstellen, noch weitere Comics zu inszenieren. Vor allem auch, weil diese besondere Verschr\u00e4nkung der Kunstgattungen im Theater nicht so oft stattfindet, was er auch in seiner wissenschaftlichen Recherche rund um das Diplomprojekt herausgefunden hat: \u201eWir haben im Vorfeld sehr viel geforscht zum Thema Comic am Theater und eigentlich nur zwei bis drei B\u00fccher gefunden, die dieses Thema verhandeln.\u201c Statt klassischer Inszenierungen zieht es Manuel Horak eher zu provokanteren Formen: \u201eAn einem Zwei-Personen-St\u00fcck zu <i>Macbeth<\/i> habe ich mir einmal die Z\u00e4hne ausgebissen\u201c, lacht Manuel Horak, hingegen z\u00f6ge es ihn, wie schon bei seinem Vordiplomst\u00fcck <i>Shoppen und Ficken<\/i>, auch in Zukunft mehr zum In-your-face-Theater. \u201eDas ist halt sehr extrem, dort geht es oft um Themen wie Drogenmissbrauch, Prostitution, Wohlstandsverwahrlosung. Es ist jedenfalls etwas, womit ich mich in Zukunft gerne mehr auseinandersetzen m\u00f6chte.\u201c Besonders freut sich Horak nun auf das Festival K\u00f6rber Studio Junge Regie 2025, das von 28. Mai bis 1.\u00a0Juni in Hamburg stattfindet, zu dem er mit seinem Diplomst\u00fcck eingeladen wurde. \u201eDa, wo ich <i>The Artist <\/i>letztes Jahr entdeckt habe, bin ich jetzt selbst mit der Theater-Adaption dieses Comics\u201c, freut sich Manuel Horak.<\/p>\n<p>Auch bei Lukas Sch\u00f6ppl schlie\u00dft sich der Kreis: F\u00fcr seine zuk\u00fcnftige Arbeit nach dem Max Reinhardt Seminar erwartet er erstmal eine gewisse Ungewissheit, weil man nicht mehr so leicht eine Finanzierung aufgestellt bek\u00e4me, \u201eaber man kann es auch als Herausforderung sehen und ein bisschen als Einschr\u00e4nkung der Freiheit, die ich ja gerade verteidigt habe\u201c, lacht er. \u201eIch werde schauen, was mich interessiert und auch, was ich glaube, dass die Menschen interessieren k\u00f6nnte, und dann versuchen, eine gute Schnittmenge zu finden.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr Florian Karl Thiel ist klar: Wenn er von einem Theater tr\u00e4umt, dann ist es ein \u201edialogisches Theater, das nicht sagt: ,Hier sind wir auf der B\u00fchne und machen etwas von oben herab.\u2018 Sondern, ein Theater, dass noch einen Ankn\u00fcpfungspunkt zu den Menschen hat\u201c. So wie er es in seinem Diplomst\u00fcck <i>Glaube Liebe Hoffnung<\/i> bereits gemacht hat, k\u00f6nne man das Ideal des dialogischen Theaters vor allem \u201edurch den Raumwechsel schon mal erreichen. Das kann man durch eine Themenauswahl erreichen. Und das kann man tats\u00e4chlich auch durch Gespr\u00e4che erreichen.\u201c Wichtig sei ihm dabei, dass man sich als Theatermacher_in nicht als \u201eKulturelite\u201c verstehe, die sich selbst st\u00e4ndig erz\u00e4hle, wie toll sie sei. Die Hauptsache \u2013 und auch das Politische \u2013 im Theatermachen liegt f\u00fcr Florian Thiel schlie\u00dflich darin, \u201edass man jeden Tag mit der Welt in Ber\u00fchrung kommt und sich in Dialog begibt\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mdw.vhx.tv\/videos\/anna-haifisch-the-artist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Artist<\/a> in der mdwMediathek.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Anfang war bei allen der Stillstand. 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