{"id":1178,"date":"2017-09-29T14:10:27","date_gmt":"2017-09-29T12:10:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1178"},"modified":"2017-10-24T11:26:37","modified_gmt":"2017-10-24T09:26:37","slug":"vielfaeltige-wahrnehmungsexperimente-zum-doppeljubilaeum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/vielfaeltige-wahrnehmungsexperimente-zum-doppeljubilaeum\/","title":{"rendered":"Vielf\u00e4ltige Wahrnehmungsexperimente zum Doppeljubil\u00e4um"},"content":{"rendered":"<strong>Ganz so alt wie die mdw ist <em>Wien Modern<\/em> noch nicht: Doch das 30-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um von \u00d6sterreichs wichtigstem Neue-Musik-Festival ist Grund genug, drei zentrale Projekte von Studierenden und Lehrenden bestreiten zu lassen. Das heurige Thema \u201eBilder im Kopf \u201c ist ebenso anspruchsvoll wie vielf\u00e4ltig.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1180\" aria-describedby=\"caption-attachment-1180\" style=\"width: 981px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1180\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Wien_Modern_okt17.jpg\" alt=\"Wien Modern\" width=\"981\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Wien_Modern_okt17.jpg 981w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Wien_Modern_okt17-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Wien_Modern_okt17-768x381.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Wien_Modern_okt17-850x422.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 981px) 100vw, 981px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1180\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Astrid Karger \/ Montage Pentagram Berlin<\/figcaption><\/figure>\n<p>200 Jahre mdw und 30 Jahre <em>Wien Modern<\/em>, das war f\u00fcr Bernhard G\u00fcnther ein guter Anlass, um ausf\u00fchrlich \u00fcber Nachwuchsarbeit im Feld der Neuen Musik nachzudenken. Der geb\u00fcrtige Schweizer, der zuvor Chefdramaturg der Philharmonie Luxembourg war, ist seit dem Vorjahr Leiter des renommierten, 1988 auf Initiative des Dirigenten Claudio Abbado gegr\u00fcndeten Festivals, bei dem auch die mdw von Anfang an durch ein von Hartmut Krones konzipiertes Begleitsymposion mit dabei war. G\u00fcnther seinerseits wirkte zwischen 1994 und 2004 am <em>mica<\/em> (music information center austria), wo er unter anderem das umfassende Lexikon zeitgen\u00f6ssischer Musik aus \u00d6sterreich herausgab, er kennt die Szene daher wie kaum ein anderer.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1182\" aria-describedby=\"caption-attachment-1182\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1182\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bernhard_Guenther.jpg\" alt=\"Bernhard G\u00fcnther\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bernhard_Guenther.jpg 749w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bernhard_Guenther-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 749px) 100vw, 749px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1182\" class=\"wp-caption-text\">Bernhard G\u00fcnther \u00a9Nafez Rerhuf<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hinsichtlich der F\u00f6rderung junger Musikerinnen und Musiker im zeitgen\u00f6ssischen Bereich und ihrer Verbindung mit dem Festival ortet er im Gespr\u00e4ch mit dem <em>mdw-Magazin<\/em> einigen Raum an Verbesserungen: \u201e<em>Wien Modern<\/em> war in den 1980er und 1990er Jahren ein junges Festival, bei dem etliche junge Studierende im Publikum gesessen sind. Diese Leute sind \u00fcber die Jahre erhalten geblieben und ein bisschen mit <em>Wien Modern<\/em> mitgealtert. \u00dcber die Zeit ist das Interesse von Studierenden aber ein wenig gesunken, inzwischen steigt es wieder deutlich.\u201c Gestiegen ist in den letzten Jahren auch das universit\u00e4re Interesse an neuer Musik, das Lehrangebot und damit die Qualit\u00e4t der Interpretationen: \u201eIch traue mich zu sagen\u201c, so G\u00fcnther, \u201edass sich die junge Generation von InterpretInnen im Niveau extrem verbessert hat. In den 1980er Jahren war das noch ganz anders.\u00a0Heute kann man bei Klassenabenden komplexe zeitgen\u00f6ssische Werke h\u00f6ren, die so gut gespielt werden, wie es vor 30 Jahren undenkbar gewesen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>Es war ihm, erz\u00e4hlt G\u00fcnther weiter, daher ein Anliegen, Studierende auch aktiv in das Festival einzubinden und die \u201eVerantwortung f\u00fcr wichtige, glanzvolle Augenblicke\u201c \u00fcbernehmen zu lassen. Neben der mdw-Rahmenhandlung, die seit dem Vorjahr als Nachfolgeprojekt des Symposions das Programm mit wissenschaftlichen Vortr\u00e4gen und Gespr\u00e4chen reflektiert, gibt es in der heurigen Jubil\u00e4umsausgabe gleich drei k\u00fcnstlerische Kooperationsprojekte: Die Webern Kammerphilharmonie realisiert am 16. November unter der Leitung von Simeon Pironkoff den monumentalen Orchesterzyklus <em>Les Espaces Acoustiques<\/em> von G\u00e9rard Grisey, der seine klanglichen R\u00e4ume Schritt f\u00fcr Schritt erschlie\u00dft: von einer Solobratsche (Rafal Zalech), die das erste St\u00fcck allein bestreitet, \u00fcber wachsende Ensemblegr\u00f6\u00dfen bis zum gro\u00dfen Orchesterapparat mit vier Solisten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1181\" aria-describedby=\"caption-attachment-1181\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1181\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bilder_im_Kopf.png\" alt=\"Bilder im Kopf\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bilder_im_Kopf.png 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bilder_im_Kopf-150x150.png 150w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bilder_im_Kopf-300x300.png 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1181\" class=\"wp-caption-text\">Bilder im Kopf \u00a9Meyers gro\u00dfes Konversationslexikon, 1905<\/figcaption><\/figure>\n<p>An denkbar prominenter Stelle \u2013 beim festlichen Abschlusskonzert \u2013 am 1. Dezember spielt das eigens formierte mdw Orchester <em>Wien Modern<\/em> unter der Leitung von Jean-Bernard Matter im ORF RadioKulturhaus eine Reihe von neuen St\u00fccken, die aus einem gemeinsamen Kompositionswettbewerb von <em>Wien Modern<\/em> und der mdw hervorgegangen sind: Von einer siebenk\u00f6pfigen Jury ausgew\u00e4hlt wurden Werke von V\u00edctor B\u00e1ez, Constant Goddard, Shin Kim, Marko Marku\u0161, Mathias Johannes Schmidhammer und Elias Spricht (Razumeiko Illia), allesamt Studierende oder frische Absolventen des Instituts f\u00fcr Komposition und Elektroakustik, die sich daf\u00fcr auf das Festivalmotto \u201eBilder im Kopf\u201c zu beziehen hatten.<\/p>\n<p>Ganz im Zeichen dieses Themas steht auch bereits das Claudio-Abbado-Konzert am 4. November, das den Geist des Gr\u00fcndervaters heraufbeschw\u00f6ren soll und bei dem das von Ilan Volkov geleitete Webern Symphonie Orchester der mdw zusammen mit dem Orchestre du Conservatoire national sup\u00e9rieur de musique et de danse de Paris ein vielf\u00e4ltiges Programm pr\u00e4sentiert. Darunter ist auch die Urauff\u00fchrung des St\u00fccks <em>Das Imagin\u00e4re nach Lacan<\/em> von Iris ter Schiphorst (Musik), Professorin f\u00fcr Medienkomposition und Angewandte Musik an der mdw, und Helga Utz (Text, nach Dichtungen aus dem arabischen Raum, vor allem aus der vor- und fr\u00fchislamischen Zeit).<\/p>\n<p>Im Werkkommentar dazu hei\u00dft es: \u201eDas St\u00fcck operiert als Folie f\u00fcr unsere Wahrnehmung; in dieser \u201aVersuchsanordnung\u2018 verk\u00f6rpert die Solistin Salome Kammer eine Frau in zwei Rollen: eine Araberin und eine Europ\u00e4erin. Im Verlauf des St\u00fcckes wechselt sie zwischen diesen beiden Rollen hin\u00a0und her. Durch zum Teil buchst\u00e4bliche Wiederholungen musikalischen Materials \u2013 jedoch in unterschiedlicher Rolle \u201averk\u00f6rpert\u2018 \u2013 ger\u00e4t unsere Wahrnehmung in den Fokus. Werden die Rezipienten die gleiche musikalische Aussage anders interpretieren, je nachdem, ob sie eine ihnen vertraute oder fremde Gestalt wahrnehmen? Und wenn ja, wie? Wodurch entstehen die Bilder in unserem Kopf? Sehen wir nicht immer schon wie durch einen Schleier und machen uns unser ganz eigenes Bild?\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1183\" aria-describedby=\"caption-attachment-1183\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1183\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schiphorst.jpg\" alt=\"Iris ter Schiphorst\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schiphorst.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Schiphorst-208x300.jpg 208w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1183\" class=\"wp-caption-text\">Iris ter Schiphorst \u00a9Susanne M\u00fcller<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bernhard G\u00fcnther, der Iris ter Schiphorst eine \u201ebildhafte Orchestersprache\u201c zuschreibt, berichtet, das St\u00fcck falle \u201eaus dem Rahmen eines normalen Konzertsettings. Daneben stehen mit dem <em>Concerto f\u00fcr Akkordeon und Orchester<\/em> von Georges Aperghis und <em>Le Passage du Styx d\u2019apr\u00e8s Patinir<\/em> von Hugues Dufourt zwei Meisterwerke der Orchesterliteratur, die komplett im Rahmen des klassischen Konzertformats bleiben. <em>Das Imagin\u00e4re nach Lacan<\/em> von Iris ter Schiphorst ist hingegen ein unkonventionelles St\u00fcck, das man nie in einem Orchesterkonzert erwarten w\u00fcrde und das ganz starke ,Bilder im Kopf\u2018 erzeugen kann.\u201c<\/p>\n<p>Zu den \u00dcberlegungen, die allgemein hinter dem Festival-Motto stehen, sagt G\u00fcnther: \u201eIch bin davon \u00fcberzeugt, dass Musik ganz allgemein starke Bilder erzeugen kann, dass das aber zeitgen\u00f6ssische Musik auf sehr reiche, verschiedene Weise tut. Das widerspricht dem Klischee, dass es sich hier um eine trockene Materie handle. Aufgabe eines Festivals wie <em>Wien Modern<\/em> muss es sein, in die Breite zu gehen und zu zeigen, wie bunt und \u00fcberraschend vielf\u00e4ltig neue Musik eigentlich ist.\u201c<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Tickets<\/strong> unter: <a href=\"http:\/\/wienmodern.at\/\" target=\"_blank\">www.wienmodern.at<\/a><\/li>\n<li><strong>Livestream<\/strong> vom Claudio Abbado Konzert am 4. November, 19.30 Uhr:\u00a0<a href=\"http:\/\/live.mdw.ac.at\" target=\"_blank\">http:\/\/live.mdw.ac.at<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ganz so alt wie die mdw ist Wien Modern noch nicht: Doch das 30-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um von \u00d6sterreichs wichtigstem Neue-Musik-Festival ist Grund genug, drei zentrale Projekte von Studierenden und Lehrenden bestreiten zu lassen. Das heurige Thema \u201eBilder im Kopf \u201c ist ebenso anspruchsvoll wie vielf\u00e4ltig. 200 Jahre mdw und 30 Jahre Wien Modern, das war f\u00fcr &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":1180,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[229,111,241,240,110],"class_list":["post-1178","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2017-3","tag-festival","tag-neue-musik","tag-new-music","tag-wien-modern"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1178","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1178"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1178\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1336,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1178\/revisions\/1336"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1180"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1178"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1178"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1178"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}