{"id":11643,"date":"2025-02-27T09:46:00","date_gmt":"2025-02-27T08:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11643"},"modified":"2025-02-27T09:46:00","modified_gmt":"2025-02-27T08:46:00","slug":"mdwhistory-jeder-deutsche-muss-es-gelesen-haben-erwin-weill-und-die-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/27\/mdwhistory-jeder-deutsche-muss-es-gelesen-haben-erwin-weill-und-die-mdw\/","title":{"rendered":"mdwHistory\ufeff: \u201eJeder Deutsche muss es gelesen haben\u201c \u2013 Erwin Weill und die mdw"},"content":{"rendered":"<i>Das Haus der Tr\u00e4umer<\/i>,<i> Indische Flamme<\/i>, <i>Kronprinz Rudolf, Das Leben eines merkw\u00fcrdigen Mannes<\/i> \u2013 dies sind nur einige Werke aus dem reichen Schaffen des Wiener Literaten Erwin Weill. Ein Schaffen, das durch das NS-Regime abrupt gestoppt wurde und dessen Sch\u00f6pfer 1945 im KZ Auschwitz starb. Erwin Weill war Lehrender an der Staatsakademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien, der heutigen mdw.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11646\" aria-describedby=\"caption-attachment-11646\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11646 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/h-00496453-rgb-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11646\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 \u00d6NB\/\u00d6sterreichische Nationalbibliothek, Br\u00fchlmeyer, Hermann<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Werdegang und literarische Erfolge<\/h5>\n<p>Erwin Weill wurde am 2. November 1885 als Sohn von Irma (geb. Heim) und Sigmund Weill in Wien geboren. Nach seiner Ausbildung an der Handelsakademie studierte Weill zuerst Kunstgeschichte in Z\u00fcrich, danach f\u00fchrten ihn weitere Studien nach London und M\u00fcnchen. Schon 1909 erschien der erste Gedichtband des damals 24-j\u00e4hrigen Weill. Ab 1913 war er als Redakteur des <i>Neuen Wiener Journals <\/i>t\u00e4tig und ab 1920 begann eine Zeit des reichen schriftstellerischen Schaffens: Neben Lyrikb\u00e4nden und Novellen verfasste er zahlreiche, vor allem historisch-biografische Romane, auch wurden einige seiner Gedichte vertont. Zu seinen bekanntesten Werken aus dieser Zeit geh\u00f6rt der beliebte Schlager <i>Da drau\u00dfen in der Wachau<\/i> (1921, Musik: Ernst Arnold), dessen Refrain der Wachau und der Liebe huldigt. \u00dcber Weills Werk <i>In einem k\u00fchlen Grunde. Der Roman des jungen Eichendorff<\/i> erschien 1926 in der Zeitschrift <i>Moderne Welt<\/i> eine literarische Kritik, die mit folgenden Worten endete: \u201eNiemand wird dieses reine, edle Buch unbefriedigt aus der Hand legen, das \u00fcber allen Verirrungen der Zeit Ewigkeitswert behalten wird. Jeder Deutsche muss es gelesen haben.\u201c Nur 19 Jahre sp\u00e4ter stirbt der so gew\u00fcrdigte Erwin Weill im KZ\u00a0Auschwitz.<\/p>\n<p>Neben seinen Arbeiten als Autor war Weill auch als Dramaturg, Regisseur und als einer der Direktoren des nur wenige Jahre bestehenden Modernen Theaters an Wiener B\u00fchnen sowie f\u00fcr den Rundfunk t\u00e4tig. 1928 erhielt Weill die Lehrbef\u00e4higung f\u00fcr Literaturgeschichte, etwa ab dieser Zeit unternahm er F\u00fchrungen zu Sehensw\u00fcrdigkeiten in Wien \u2013 zuerst im Rahmen der in der Kom\u00f6die (der Nachfolgeb\u00fchne des Modernen Theaters) angebotenen \u201edramatischen Kurse\u201c und sp\u00e4ter als Lehrveranstaltung des Neuen Wiener Konservatoriums.<\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstlerische Vielseitigkeit vereint mit einem besonders starken Gef\u00fchl f\u00fcr Musikalit\u00e4t und Sch\u00f6nheit der Form sind als wesentliche Merkmale dem dichterischen Schaffen von Erwin Weill zu eigen\u201c, schreibt Journalist Lothar Ring 1931 in der Wochenschrift <i>Radio Wien<\/i>.<\/p>\n<h5>Erwin Weill an der mdw<\/h5>\n<p>1933 begann Weill als Vortragender (\u201eKulturgeschichte \u00d6sterreichs und des \u00f6sterreichischen Theaters\u201c) f\u00fcr die der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglichen \u201evolkst\u00fcmlichen Kurse\u201c an der Staatsakademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien (der Vorg\u00e4ngerinstitution der mdw) zu arbeiten. Ab dem Sommersemester 1936 erhielt er einen Lehrauftrag \u00fcber \u201eF\u00fchrung durch die Kunst- und Kulturst\u00e4tten \u00d6sterreichs\u201c.<\/p>\n<p>Aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft (die Familie konvertierte sp\u00e4ter zum Katholizismus) wurde Weill mit 15. M\u00e4rz 1938 \u201evom Dienste beurlaubt\u201c \u2013 wie es im Jahresbericht \u00fcber das Studienjahr formuliert wurde. Tats\u00e4chlich erging an die betroffenen Lehrenden die Aufforderung, ein Urlaubsgesuch einzubringen. Weills Vertrag wurde f\u00fcr Ende Juli 1938 gek\u00fcndigt, aufgrund eines Formfehlers erfolgte die endg\u00fcltige Aufl\u00f6sung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses jedoch erst mit Ende M\u00e4rz 1939. Zu diesem Zeitpunkt hatte Weill, der Ende M\u00e4rz 1938 seine Wohnung aufgegeben und zu seiner Mutter gezogen war, bereits das Land verlassen, er war Ende August 1938 in die damalige Tschechoslowakei (Prag) geflohen.<\/p>\n<h5>Opfer der Shoah<\/h5>\n<p>Erwin Weill wurde am 30. November 1941 von Prag in das Lager Theresienstadt (Terez\u00edn, Tschechische Republik) deportiert. Am 9. J\u00e4nner 1942 erfolgte seine \u00dcberstellung in das Ghetto von Riga (Riga, Lettland) bzw. Kauen (Kaunas, Litauen). Mit einem am 29. Juli 1944 gestarteten Transport kam er am 1. August in das KZ Dachau (Deutschland) und schlie\u00dflich am 25. Oktober in das KZ Auschwitz (O\u015bwi\u0119cim, Polen). Einem Augenzeugenbericht zufolge starb Erwin Weill dort, v\u00f6llig entkr\u00e4ftet durch die erlittenen Strapazen, Anfang des Jahres 1945. Sein Vater war bereits 1915 verstorben, seine Mutter und sein Bruder Otto (geb. 1893) wurden ebenfalls Opfer der Shoah.<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>Autorin: Doris Piller unter Verwendung der von Erwin Strouhal verfassten Biografie von Erwin Weill im <i>Gedenkbuch f\u00fcr die im Nationalsozialismus verfolgten Angeh\u00f6rigen der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien<\/i>, Band 2, Studien zur Geschichte der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien, 2023.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/gedenkbuch.mdw.ac.at\/gedenkbuch\/persons\/adbb957e-858a-4193-b004-81a007548634\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zum neuen virtuellen Gedenkbuch der mdw.<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Haus der Tr\u00e4umer, Indische Flamme, Kronprinz Rudolf, Das Leben eines merkw\u00fcrdigen Mannes \u2013 dies sind nur einige Werke aus dem reichen Schaffen des Wiener Literaten Erwin Weill. 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