{"id":1164,"date":"2017-09-29T14:10:12","date_gmt":"2017-09-29T12:10:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1164"},"modified":"2017-09-29T14:10:12","modified_gmt":"2017-09-29T12:10:12","slug":"geschichtenerzaehlen-mit-den-mitteln-des-tons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/geschichtenerzaehlen-mit-den-mitteln-des-tons\/","title":{"rendered":"Geschichtenerz\u00e4hlen mit den Mitteln des Tons"},"content":{"rendered":"<strong>Die Kaffeetasse, die auf dem Tisch abgestellt wird, die Schritte des Verfolgers in der Dunkelheit oder das Klingen eines Skalpells, das ein Arzt in die Hand nimmt. In Filmen h\u00f6ren wir ganz oft Ger\u00e4usche, die wir im realen Leben eigentlich kaum bis gar nicht wahrnehmen. Dass sich die ZuschauerInnen dar\u00fcber selten Gedanken machen, ist gut so, denn um jedes gesprochene Wort und Ger\u00e4usch im Film k\u00fcmmern sich die sogenannten SounddesignerInnen.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1166\" aria-describedby=\"caption-attachment-1166\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1166\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/tonschnitt_collage.jpg\" alt=\"Tonschnitt\" width=\"1000\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/tonschnitt_collage.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/tonschnitt_collage-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/tonschnitt_collage-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/tonschnitt_collage-850x479.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1166\" class=\"wp-caption-text\">Tonschnitt \u00a9Ewald Grabenbauer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gemeinsam mit der Bildebene im Film muss der Ton andere Sinneseindr\u00fccke f\u00fcr das Publikum ersetzen. Wie viel Detailarbeit und T\u00fcftelei dahintersteckt, soll beim fertigen Film im Optimalfall niemand bemerken. \u201eSounddesign ist eine Kunst, die im Verborgenen wirkt \u2013 in dem Moment, in dem man sie bemerkt, funktioniert sie eigentlich schon wieder nicht mehr\u201c, erkl\u00e4rt Philipp Mosser, Senior Lecturer f\u00fcr Sounddesign am Institut f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien im Gespr\u00e4ch mit dem <em>mdw-Magazin<\/em>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1167\" aria-describedby=\"caption-attachment-1167\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1167\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/philipp_mosser.jpg\" alt=\"Philipp Mosser\" width=\"205\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/philipp_mosser.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/philipp_mosser-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1167\" class=\"wp-caption-text\">Philipp Mosser \u00a9privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eUnter Sounddesign versteht man die kreative Tongestaltung im Film. Da spreche ich nicht von Musik, sondern von Sprache, Ger\u00e4uschen und Atmosph\u00e4ren.\u201c Etwa 80 bis 90 Prozent vom Ton eines fertigen Kino-Spielfilms wurden nicht auf dem Set aufgenommen, sondern im Nachhinein hinzugef\u00fcgt. Nachdem ein Film abgedreht und das Bild geschnitten ist, beginnt in der Regel die Arbeit der SounddesignerInnen \u2013 die im Idealfall in der Drehbuchphase schon mit eingebunden waren. Es gilt, den Originalton anzuh\u00f6ren, zu bewerten und zu editieren\u00a0sowie schlie\u00dflich in Absprache mit der Regie Ger\u00e4usche und Atmosph\u00e4ren hinzuzuf\u00fcgen. \u201eEin guter Originalton vom Set ist sehr wichtig. Hier handelt es sich vor allem um die Sprache der SchauspielerInnen. Dann werden im Sounddesign Ger\u00e4usche, Atmosph\u00e4ren und auch Effekte hinzugef\u00fcgt. Nahezu jedes Ger\u00e4usch wird bei einem Kinofilm noch einmal verst\u00e4rkt\u201c, schildert Mosser die Arbeitsprozesse des Sounddesigns. Neben dem Ger\u00e4uschemacher, der mit oft skurrilen Mitteln arbeitet und zum Beispiel mit Backpulver und Maisst\u00e4rke Schritte im Schnee erzeugt, ist f\u00fcr die SounddesignerInnen vor allem auch das Archiv eine wichtige Quelle. Zus\u00e4tzlich werden schlie\u00dflich Originalrequisiten ins Tonstudio gebracht. Da kann es schon einmal vorkommen, dass das Tragen oder Schlie\u00dfen eines Sarges im Studio extra aufgenommen wird. Zehn bis 14 Wochen Zeit hat das Sounddesign im Durchschnitt bei einem \u00f6sterreichischen Kinofilm. In der abschlie\u00dfenden Tonmischung mit dem Mischtonmeister und der Regie wird schlie\u00dflich der letzte Feinschliff vorgenommen.<\/p>\n<p>An der Filmakademie Wien werden die Studierenden ab dem ersten Semester mit dem Thema in Ber\u00fchrung gebracht. In der einf\u00fchrenden Vorlesung Tonschnitt und Sounddesign gilt es, die Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema zu gewinnen. Filmausschnitte werden gesichtet und gemeinsam besprochen. \u201eEs gibt viele, die sich davor noch nie damit besch\u00e4ftigt haben, dass der Ton nicht nur am Set entsteht. Der Ton ist kein Zufallsprodukt, sondern ein ganz bewusst gestaltetes Element des Films. Die Studierenden sollen lernen hinzuh\u00f6ren \u2013 bei Filmen, aber auch im Alltag.<\/p>\n<p>Zum Beispiel: Wonach klingt ein Raum? Sie sollen lernen, was sie h\u00f6ren und vor allem auch was sie h\u00f6ren wollen.\u201c Im Rahmen der ersten drei Praktika m\u00fcssen die Studierenden im Zuge der generellen Grundausbildung \u2013 das hei\u00dft, egal f\u00fcr welches Studium sie sich entschieden haben, jede\/r muss alles einmal machen \u2013 die Tonnachbearbeitung selbst in Angriff nehmen. Auf diese Weise bekommen sie ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was durch Sounddesign m\u00f6glich ist. Zu Beginn des ersten Praktikums erhalten sie eine mehrst\u00fcndige Einschulung in das Tonschnittprogramm, bevor es direkt an die praktische Arbeit geht. Schnittstudierende m\u00fcssen dann im Laufe ihres Studiums zwei weitere Sounddesign-Praktika absolvieren. \u201eF\u00fcr die Studierenden ist das heute meist schon total gel\u00e4ufig und sie kennen bereits mehrere Schnittprogramme. Unser vorrangiges Ziel ist es derzeit nicht, hier SounddesignerInnen auszubilden, sondern angehenden RegisseurInnen, BildeditorInnen oder ProduzentInnen zu erkl\u00e4ren, was man mit Ton alles machen kann und wie wichtig dieser f\u00fcr die eigenen Arbeiten und deren kreative Gestaltung ist\u201c, erkl\u00e4rt Mosser, der selbst Regie-Student an der Filmakademie Wien war. \u201e\u00dcber die Bearbeitung meiner eigenen Filme habe ich meine Begeisterung f\u00fcr den Ton entdeckt. Ich hatte das Gl\u00fcck, dass sich die SounddesignerInnen in den 1990er Jahren bei uns erst erfunden haben und bin sozusagen in die \u201aGr\u00fcnderzeit\u2018 des \u00f6sterreichischen Sounddesigns als eigene Berufsform hineingerutscht.\u201c<\/p>\n<p>Historisch entwickelte sich der Beruf n\u00e4mlich aus dem Bildschnitt. W\u00e4hrend die Trennung zwischen Bild- und SoundeditorIn im internationalen Vergleich schon recht fr\u00fch, in gro\u00dfen Hollywoodproduktionen vor etwa 50 bis 60 Jahren, stattfand, sorgten in \u00d6sterreich erst in den 1990er Jahren Dolby Digital, also ein digitales Mehrkanaltonsystem, sowie die aufkommenden digitalen Schnittsysteme daf\u00fcr, dass sich die beiden Bereiche immer mehr differenzierten und vor allem spezialisierten. Durch die neuen technischen Gegebenheiten wurde in der Bearbeitung des Sounds viel mehr m\u00f6glich und das in k\u00fcrzerer Zeit \u2013 es kamen aber auch neue Aufgaben hinzu. Zahlreiche BildeditorInnen sowie auch TonmeisterInnen haben sich schlie\u00dflich auf den Ton spezialisiert, woraus das Berufsbild SounddesignerIn hervorging. Dieses hat sich \u00fcber die Jahre ganz stark entwickelt und es w\u00e4re heute fast nicht mehr m\u00f6glich als Einzelperson beide Bereiche, also Bild und Ton, abzudecken.<\/p>\n<p>Mosser geht f\u00fcr neue Projekte durchaus auch auf Recherche: \u201eTon- Recherche ist etwas sehr Spannendes, weil man Dinge auch neu erlebt und wahrnimmt. Man f\u00e4hrt an einen Ort, sitzt da, h\u00f6rt hin und nimmt T\u00f6ne auf.\u201c Die Begeisterung f\u00fcr seinen Beruf versucht er den Studierenden in jedem Fall zu vermitteln: \u201eWas mir an der Tonmontage so wahnsinnig gut gef\u00e4llt, ist die Tatsache, dass ich quasi aus dem unendlichen Material des Universums sch\u00f6pfe. Jeder Ton, den man aufnehmen kann, steht mir zur Verf\u00fcgung und kann im Film zusammen mit dem Bild eine neue Bedeutung erlangen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zum Sounddesign<\/strong> an der Filmakademie Wien finden Sie unter:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.filmakademie.wien\/de\/von-der-sprachlosigkeit-zur-eloquenz\" target=\"_blank\">www.filmakademie.wien\/de\/von-der-sprachlosigkeit-zur-eloquenz<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Verband \u00f6sterreichischer SounddesignerInnen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.voesd.at\" target=\"_blank\">www.voesd.at<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kaffeetasse, die auf dem Tisch abgestellt wird, die Schritte des Verfolgers in der Dunkelheit oder das Klingen eines Skalpells, das ein Arzt in die Hand nimmt. In Filmen h\u00f6ren wir ganz oft Ger\u00e4usche, die wir im realen Leben eigentlich kaum bis gar nicht wahrnehmen. 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