{"id":11637,"date":"2025-02-26T11:51:38","date_gmt":"2025-02-26T10:51:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11637"},"modified":"2025-02-26T11:51:38","modified_gmt":"2025-02-26T10:51:38","slug":"rezension-higher-music-education-and-employability-in-a-neoliberal-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/26\/rezension-higher-music-education-and-employability-in-a-neoliberal-world\/","title":{"rendered":"Rezension\ufeff: Higher Music Education and Employability in a Neoliberal World"},"content":{"rendered":"<h5>Rainer Prokop, Rosa Reitsamer, <i>Higher Music Education and Employability in a Neoliberal World<\/i>, Bloomsbury Academic, 2024.<\/h5>\n<p>Dieser von den beiden mdw-Lehrenden Rainer Prokop und Rosa Reitsamer herausgegebene Band setzt sich aus einer hervorragenden Sammlung wissenschaftlicher Artikel zusammen, die kritisch beleuchten, wie der Neoliberalismus in der j\u00fcngsten Vergangenheit die \u00c4nderungen im Bereich der musikalischen Bildung und den musikalischen Ausbildungslehrg\u00e4ngen gepr\u00e4gt hat. Dieser Sammelband ist eine veritable Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr alle, die in der Musikszene oder an Bildungsinstitutionen t\u00e4tig sind und verstehen wollen, wie sich Musikhochschulen ver\u00e4ndert haben, um Effizienz und Profite zu maximieren und gleichzeitig ihre Lehrpl\u00e4ne an die Anforderungen eines prek\u00e4ren Musikarbeitsmarktes anzupassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11639\" aria-describedby=\"caption-attachment-11639\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11639\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/9781350266957.jpg 1112w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11639\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Bloomsbury Academic<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Autor_innen der unterschiedlichen Beitr\u00e4ge untersuchen zwei umstrittene Konsequenzen dieses Kurswechsels: Erstens k\u00f6nnen Musikhochschulen und Studierende durch die Priorisierung von kompetenzorientierten Lehreinheiten weniger Zeit und Ressourcen f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Entwicklung aufwenden. Zweitens kommt durch die Marktorientierung der Studienpl\u00e4ne der Erwerb von grundlegenden Kompetenzen wie kritisches Denken und soziales Engagement bei den Studierenden zu kurz (Kapitel 1, 3, 4, 15).<\/p>\n<p>Das Buch liefert zahlreiche wertvolle Denkanst\u00f6\u00dfe, vor allem was die komplexen Herausforderungen angeht, mit denen die Musikhochschulen derzeit konfrontiert sind. Dazu geh\u00f6rt, dass Studierende oftmals als Kund_innen gesehen und behandelt werden, was zur Ausbeutung internationaler Studierender, insbesondere aus Asien, gef\u00fchrt hat, wobei vor allem diese Studierenden mit Stereotypen konfrontiert sind und oft geringere Aufstiegschancen innerhalb des universit\u00e4ren Betriebes sowie auf dem europ\u00e4ischen Arbeitsmarkt haben (Kapitel 2, 12). Dar\u00fcber hinaus werden Themen angesprochen, die innerhalb der Musikhochschulen lange Zeit als Tabu galten, wie z.\u2009B. die hierarchischen Beziehungen zwischen Lehrenden und Studierenden im Einzelunterricht. Das mit dieser P\u00e4dagogik einhergehende Machtgef\u00e4lle f\u00fchrt h\u00e4ufig zu Missbrauchssituationen, die geschlechtsspezifisches Fehlverhalten und sexuelle Bel\u00e4stigung umfassen (Kapitel 7). Ein weiteres Problem ist das fortgesetzte Festhalten an einer eurozentrischen Bildungstradition, die den westlichen, von wei\u00dfen M\u00e4nnern dominierten klassischen Kanon bevorzugt. Dies verst\u00e4rkt nicht nur die vermeintliche \u00dcberlegenheit der klassischen Musik gegen\u00fcber anderen Genres, sondern marginalisiert auch Frauen und nicht-westliche, nicht-wei\u00dfe Musiker_innen, deren Beitr\u00e4ge oft als weniger wertvoll angesehen werden (Kapitel 3, 4, 6, 8, 11, Epilog). Das Buch enth\u00e4lt auch kritische \u00dcberlegungen zu den j\u00fcngsten institutionellen Bem\u00fchungen um Vielfalt und Inklusion und argumentiert, dass die meisten dieser Bem\u00fchungen nicht effektiv sind, d.\u2009h., dass sie eine vermeintlich fortschrittliche Rhetorik f\u00f6rdern, ohne tats\u00e4chliche Ver\u00e4nderungen zu bringen (Kapitel 6, 8, 11).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wird in unterschiedlichen Beitr\u00e4gen untersucht, wie der Neoliberalismus die Karrieren anderer musikbezogener Berufe wie Lehrer_innen, Musikveranstalter_innen, DIY-Produzent_innen und Musiktherapeut_innen gepr\u00e4gt hat, von denen die meisten nicht nur von den Marktkr\u00e4ften, sondern auch von Geschlechterstereotypen beeinflusst werden (Kapitel 12, 13, 14, 15).<\/p>\n<p>Das Buch pr\u00e4sentiert jedoch auch einige positive Beispiele f\u00fcr alternative Ans\u00e4tze in der Musikerziehung. In mehreren Kapiteln wird veranschaulicht, wie Lehrkr\u00e4fte, Musikhochschulen und Lehrpl\u00e4ne zur Dekolonisierung der Musikausbildung beitragen, musikalische Hierarchien infrage stellen und ein inklusiveres Umfeld f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Die Tatsache, dass die meisten dieser Beispiele aus Popularmusik-Lehrg\u00e4ngen stammen, die sich auf Genres wie Jazz, Pop, Bluegrass und Hip-Hop konzentrieren (Kapitel 3, 4, 5, 9), sowie aus Lehrg\u00e4ngen, in denen mithilfe der Technologie der Zugang f\u00fcr weniger privilegierte Sch\u00fcler_innen verbessert wird (Kapitel 10), best\u00e4tigt die Aussage der meisten Autor_innen, dass der eurozentrischen Bildung nur eine begrenzte transformative und emanzipatorische Kraft innewohnt.<\/p>\n<p>Dank der Bem\u00fchungen der mdw ist dieses Buch als <a href=\"https:\/\/www.bloomsburycollections.com\/monograph?docid=b-9781350266995\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Open-Access-Publikation<\/b> <\/a>verf\u00fcgbar.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser von den beiden mdw-Lehrenden Rainer Prokop und Rosa Reitsamer herausgegebene Band setzt sich aus einer hervorragenden Sammlung wissenschaftlicher Artikel zusammen, die kritisch beleuchten, wie der Neoliberalismus in der j\u00fcngsten Vergangenheit die \u00c4nderungen im Bereich der musikalischen Bildung und den musikalischen Ausbildungslehrg\u00e4ngen gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":394,"featured_media":11641,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1543,1553,153,55],"class_list":["post-11637","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2025-1","tag-openaccess","tag-review","tag-rezension"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/394"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11637"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11747,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11637\/revisions\/11747"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11641"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}