{"id":11584,"date":"2025-02-27T11:00:30","date_gmt":"2025-02-27T10:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11584"},"modified":"2025-02-27T11:00:30","modified_gmt":"2025-02-27T10:00:30","slug":"leidenschaft-gesangspaedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/27\/leidenschaft-gesangspaedagogik\/","title":{"rendered":"Leidenschaft Gesangsp\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"\u201e\u00dcbrigens lebte Salieri sehr gesellig. Seine liebste Unterhaltung war im Kreise seiner Sch\u00fcler.\u201c Diese Feststellung, die in einem Nachruf auf Antonio Salieri im August 1825 zu lesen ist,<span id='easy-footnote-1-11584' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/27\/leidenschaft-gesangspaedagogik\/#easy-footnote-bottom-1-11584' title='F. C. Weidmann, &lt;i&gt;Nekrolog. Anton Salieri, k.k. Hof-Capellmeister&lt;\/i&gt; in &lt;i&gt;Wiener Zeitschrift f\u00fcr Kunst, Literatur, Theater und Mode&lt;\/i&gt; am 27. August 1825, S. 859.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> bezieht sich allerdings nicht nur auf Salieris Kompositionssch\u00fcler_innen wie zum Beispiel Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Giacomo Meyerbeer oder Johann Nepomuk Hummel, sondern schlie\u00dft in gleichem Ma\u00dfe jene Personen ein, um deren gesangliche Ausbildung sich Antonio Salieri zeitlebens mit gro\u00dfem Engagement bem\u00fcht hatte. W\u00e4hrend seiner gesamten langj\u00e4hrigen beruflichen T\u00e4tigkeit in Wien unterrichtete Salieri Sch\u00fcler_innen aller Altersklassen, Stimmgattungen und Ausbildungsstufen und dennoch blieb diese umfassende gesangsp\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit ein bislang wenig beachteter Aspekt im Leben des vielseitigen K\u00fcnstlers. Zu seinen Sch\u00fcler_innen z\u00e4hlten ambitionierte \u201eDilettant_innen\u201c aus der gehobenen Wiener Gesellschaft genauso wie S\u00e4nger_innen, die bereits im Engagement standen und sich stimmtechnisch perfektionieren wollten oder andere, die erst am Beginn ihrer Gesangsausbildung standen. Besonders talentierte junge Menschen d\u00fcrfte Salieri sogar unentgeltlich in ihrem Fortkommen unterst\u00fctzt haben, wie bei seinem erstem Biografen Ignaz von Mosel nachzulesen ist:<\/p>\n<p>\u201eSalieri hatte ein Gel\u00fcbde gemacht, unendgeldlich [sic!] wiederzugeben, was er von seinem zweiten Vater und Meister, Ga\u00dfmann, unentgeldlich empfangen hatte. Er unterrichtete daher nicht nur junge Talente, die von der Musik zu leben sich vorsetzten, sondern er vertheilte [sic!] auch das Honorar, welches er f\u00fcr die Unterweisung adeliger und reicher Personen erhielt, unter arme Tonk\u00fcnstler.\u201c<span id='easy-footnote-2-11584' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/27\/leidenschaft-gesangspaedagogik\/#easy-footnote-bottom-2-11584' title=' Ignaz von Mosel, &lt;i&gt;\u00dcber das Leben und die Werke des Anton Salieri.&lt;\/i&gt; Wien. J.B. Wallishausser, 1827, S. 209f.'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Antonio Salieri selbst hatte in seiner Heimatstadt Legnago bereits in sehr jungen Jahren eine umfassende musikalische Ausbildung sowie ersten Gesangsunterricht erhalten und seine stimmliche Ausbildung sp\u00e4ter bei Ferdinando Pacini, einem Tenors\u00e4nger der Capella di San Marco in Venedig, fortgesetzt.<span id='easy-footnote-3-11584' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/27\/leidenschaft-gesangspaedagogik\/#easy-footnote-bottom-3-11584' title=' Rudolph Angerm\u00fcller, &lt;i&gt;Antonio Salieri. Sein Leben und seine weltlichen Werke unter besonderer Ber\u00fccksichtigung seiner \u201agro\u00dfen\u2018 Opern. Teil II, 1. Vita und weltliche Werke.&lt;\/i&gt; M\u00fcnchen. Musikverlag Emil Katzbichler, 1974.'><sup>3<\/sup><\/a><\/span> Wann und wo Salieri seine ersten Erfahrungen als Gesangsp\u00e4dagoge sammelte, ist bislang noch wenig erforscht, aber es steht fest, dass Salieri bereits im Alter von 24 Jahren nach dem fr\u00fchem Tod seines Wiener F\u00f6rderers Florian Gassmann die stimmliche Schulung dessen junger T\u00f6chter, Anna Barbara und Therese, \u00fcbernahm und diese zu professionellen S\u00e4ngerinnen ausbildete. In der Fachliteratur werden diese beiden K\u00fcnstlerinnen als Salieris erste Sch\u00fclerinnen angef\u00fchrt, doch sollten schon bald weitere wie beispielsweise Caterina Cavalieri oder Anna Milder-Hauptmann folgen. Die Koloratursopranistin Caterina Cavalieri avancierte im Laufe ihrer Karriere zu einer der Lieblingss\u00e4ngerinnen von Wolfgang Amad\u00e9 Mozart, der ihr die Partie der Konstanze in seiner <i>Entf\u00fchrung aus dem Serail<\/i> auf den Leib schrieb, w\u00e4hrend Anna Milder-Hauptmann als die erste Leonore in allen drei Fassungen von Ludwig van Beethovens <i>Fidelio<\/i> nachdr\u00fccklich in Erinnerung blieb. Zu Salieris erfolgreichen m\u00e4nnlichen Sch\u00fclern geh\u00f6rten unter anderem die Ten\u00f6re Julius Cornet und Anton Haizinger sowie der Bassist Joseph Seipelt. Diese und andere S\u00e4nger_innen konnten dank der von Antonio Salieri erhaltenen qualit\u00e4tsvollen Ausbildung sowie seiner guten k\u00fcnstlerischen Verbindungen Karrieren im In- und Ausland begr\u00fcnden und auf den Opern- und Konzertb\u00fchnen Europas oftmals gro\u00dfe Erfolge feiern.<\/p>\n<p>Folgt man den zeitgen\u00f6ssischen Rezensionen, so scheint die Heranbildung von klangvollen, beweglichen, modulationsf\u00e4higen und in allen Lagen ausgeglichenen Stimmen sowie die Schulung von Deklamation, Wortdeutlichkeit und darstellerischem Ausdruck Salieris \u00fcbergeordnetes gesangsp\u00e4dagogisches Ziel gewesen zu sein. Ein interessanter methodischer Aspekt ist au\u00dferdem, dass Salieri f\u00fcr seine erwachsenen Sch\u00fcler_innen zus\u00e4tzlich zu den Gesangsstunden regelm\u00e4\u00dfig Auftrittsm\u00f6glichkeiten im Rahmen der damals sehr beliebten musikalischen Abendgesellschaften in H\u00e4usern der ersten Wiener Gesellschaft organisierte und diese Konzerte auch selbst leitete.<\/p>\n<p>Insgesamt d\u00fcrfte Antonio Salieri auf eine musikalisch umfassende Bildung Wert gelegt haben, die den Sch\u00fcler_innen sp\u00e4ter ein breites berufliches Spektrum er\u00f6ffnen sollte, nicht zuletzt als erfolgreiche Gesangsp\u00e4dagog_innen. So machte sich der Bariton Joseph Mozatti als Lehrer von Caroline Unger und Wilhelmine Schr\u00f6der-Devrient, die beide zu einflussreichen S\u00e4ngerinnen ihrer Zeit werden sollten, einen Namen. Joseph Seipelt wiederum etablierte in Wien eine Sing- und Musikschule f\u00fcr junge Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, wohl damit dem Vorbild Antonio Salieris folgend. Dieser hatte gegen Ende seines k\u00fcnstlerisch und p\u00e4dagogisch erf\u00fcllten Lebens mit der Initiierung und Etablierung einer Chorschule im Rahmen der Gesellschaft der Musikfreunde einen nachhaltigen p\u00e4dagogischen Impuls gesetzt und damit im weitesten Sinne die Vorl\u00e4uferinstitution der heutigen mdw ins Leben gerufen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund veranstaltet das Antonio Salieri Institut f\u00fcr Gesang und Stimmforschung in der Musikp\u00e4dagogik anl\u00e4sslich des 200.\u00a0Todesjahres seines Namensgebers am <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/veranstaltung\/?v=35309&amp;g=10452\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Freitag, 9. Mai\u00a02025<\/b> ein halbt\u00e4giges <b>Symposium<\/b><\/a><a>,<\/a> bei welchem dem Gesangsp\u00e4dagogen Salieri nachgesp\u00fcrt, dessen Gesangsmethode historisch kontextualisiert sowie ihr Einfluss auf gesangsp\u00e4dagogische \u00dcberlegungen und Vorgangsweisen der Gegenwart analysiert werden soll.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u00dcbrigens lebte Salieri sehr gesellig. Seine liebste Unterhaltung war im Kreise seiner Sch\u00fcler.\u201c Diese Feststellung, die in einem Nachruf auf Antonio Salieri im August 1825 zu lesen ist, bezieht sich allerdings nicht nur auf Salieris Kompositionssch\u00fcler_innen wie zum Beispiel Franz Schubert, Ludwig van Beethoven, Giacomo Meyerbeer oder Johann Nepomuk Hummel, sondern schlie\u00dft in gleichem Ma\u00dfe jene Personen ein, um deren gesangliche Ausbildung sich Antonio Salieri zeitlebens mit gro\u00dfem Engagement bem\u00fcht hatte.<\/p>\n","protected":false},"author":112,"featured_media":11579,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1543,1564,1566,854],"class_list":["post-11584","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2025-1","tag-antoniosalieri","tag-gesangpaedagogik","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/112"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11584"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11769,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11584\/revisions\/11769"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}