{"id":11553,"date":"2025-02-26T10:57:02","date_gmt":"2025-02-26T09:57:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11553"},"modified":"2025-02-26T10:57:02","modified_gmt":"2025-02-26T09:57:02","slug":"musik-emotionen-und-pandemien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/26\/musik-emotionen-und-pandemien\/","title":{"rendered":"Musik, Emotionen und Pandemien"},"content":{"rendered":"<h1>Einblicke in das Symposium GOING VIRAL<\/h1>\n<p>Am 8. November 2024 \u00f6ffnete das European-Research-Council-Projekt <a href=\"https:\/\/goingviral.hypotheses.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i>GOING VIRAL: Music and Emotions during Pandemics (1679\u20131919) <\/i><\/a>mit dem Symposium <i>Music \u2013 Emotions \u2013 Pandemics: Interdisciplinary Perspectives <\/i>seine Pforten f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit. Wissenschaftler_innen aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie z.\u2009B. politischer Soziologie, Krankenhausarchitektur, Popmusikforschung, (Musik-)Geschichte, Musiktherapie und Vakzinologie diskutierten die Zusammenh\u00e4nge zwischen Musik, Emotionen und Pandemien. Die Aktualit\u00e4t des Themas war von Anfang an sp\u00fcrbar, denn eine Vortragende musste aufgrund eines positiven Covid-Tests absagen \u2013 ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Pandemie noch immer nicht vollst\u00e4ndig abgeklungen ist. Trotz dieser Absage brachte der interdisziplin\u00e4re Geist des Symposiums eine bemerkenswerte Synergie hervor, wobei sich zwei \u00fcbergreifende Themen als besonders zentral herausstellten: die zeitliche Dimension von Pandemien und die Rolle von Technologien in der Vermittlung von Pandemieerfahrungen<span id='easy-footnote-1-11553' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/26\/musik-emotionen-und-pandemien\/#easy-footnote-bottom-1-11553' title='Die in diesem Beitrag genannten Vortr\u00e4ge stellen nur einen Ausschnitt des gesamten Programms dar. Weitere Informationen zu allen Vortr\u00e4gen des Symposiums finden sich unter: &lt;a&gt;goingviral.hypotheses.org\/our-own-events&lt;\/a&gt;. Diese Veranstaltung war Teil des GOING-VIRAL-Projekts, das vom European Research Council (ERC) im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe der Europ\u00e4ischen Union finanziert wird (Grant agreement No. 101040297).'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>.<\/p>\n<h5>Zeitlichkeit: Vielschichtigkeit von Pandemie-Erfahrungen<\/h5>\n<p>In seinem anschaulichen Vortrag \u00fcber Pandemievorsorge untersuchte der bekannte Pandemieexperte Florian Krammer die Zukunft: Was zu erwarten ist und wann und wie man sich am besten vorbereitet. Dabei zeigte er \u00fcberzeugend, dass Pandemien f\u00fcr verschiedene Menschen zu unterschiedlichen Zeiten enden (und beginnen) k\u00f6nnen. Die Dreiteilung in Pr\u00e4-Covid, Covid-19 und Post-Covid erwies sich als ein zu einfacher Ansatz, um die Zeitlichkeit von Pandemieerfahrungen zu erfassen. Krammers Erkenntnisse unterstrichen die Notwendigkeit eines nuancierteren Verst\u00e4ndnisses der zeitlichen Entwicklung von Pandemien, das die Vielfalt individueller und gemeinschaftlicher Erfahrungen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Diese Komplexit\u00e4t spiegelte sich in Scott Edwards\u2019 Beitrag zum Wien des sp\u00e4ten 17. und fr\u00fchen 18. Jahrhunderts wider, wo j\u00e4hrliche Gedenkfeiern zur Erinnerung an die Gro\u00dfe Pest von 1679 noch lange nach ihrem Ende stattfanden. Diese Rituale demonstrierten die St\u00e4rkung der Pandemiezeit durch Akte der Erinnerung und des Musizierens, die sowohl als eine Form der kollektiven Heilung dienten als auch als Mittel, um die Erinnerung an die Krise in die kulturelle Praxis einzugliedern.<\/p>\n<p>Marie Louise Herzfeld-Schild, Leiterin des Projekts GOING VIRAL, erweiterte die Diskussion durch ihre Darstellung der komplexen Rolle des Glockenl\u00e4utens w\u00e4hrend fr\u00fchneuzeitlicher Pestausbr\u00fcche. Das Glockenl\u00e4uten hatte unterschiedliche Funktionen, von Zeitstrukturierung und Gefahrenmeldung \u00fcber Totenanzeige bis hin zu Kommunikation mit Gott. Dar\u00fcber hinaus war es Teil der medizinisch-spirituell-b\u00fcrgerlichen Ma\u00dfnahmen, um die Pest zu vertreiben, indem es die giftige Luft \u00fcber der Stadt auflockern sollte.<\/p>\n<h5>Technologie: Vermittlung von Pandemie-Erfahrungen<\/h5>\n<p>Ein weiteres zentrales Thema des Symposiums war die Bedeutung von Technologien f\u00fcr die Gestaltung von Pandemieerfahrungen. In einer gemeinsamen Pr\u00e4sentation erkundeten die Mitglieder des GOING-VIRAL-Teams Sara Ebrahimi, Emma Schrott, Mark Seow und Aria Torkanbouri verschiedene Technologien, von K\u00fcchenutensilien bis hin zum eigenen K\u00f6rper \u2013 wie z.\u2009B. H\u00e4ndeklatschen \u2013 w\u00e4hrend der Lockdowns 2020 in Gro\u00dfbritannien. Schrott zeigte in ihrem Beitrag, wie das Grammophon w\u00e4hrend der Spanischen Grippe im fr\u00fchen 20. Jahrhunderts die H\u00f6rgewohnheiten und die Erfahrung von \u201eInnerlichkeit\u201c ver\u00e4nderte, und schlug damit ein spannendes Umdenken der fr\u00fchen Geschichte von Tontr\u00e4gern vor.<\/p>\n<p>Auch w\u00e4hrend der Corona-Pandemie konnte das isolierte Musikh\u00f6ren w\u00e4hrend des Lockdowns zu Erfahrungen von Zusammengeh\u00f6rigkeit und Gemeinschaft f\u00fchren: Hannah Riedl teilte ihre vielschichtigen Erfahrungen mit dem musiktherapeutischen Online-Angebot \u201eMy Favourite Song\u201c w\u00e4hrend der Corona-Pandemie, w\u00e4hrend Ralf von Appen und Jonas Kastenhuber Taylor Swifts \u201ePandemie-Alben\u201c <i>Folklore<\/i> und <i>Evermore<\/i> untersuchten. Ihre Analyse von Swifts komplexen und unvorhersehbaren musikalischen Strukturen zeigte, wie diese Elemente die Aufmerksamkeit der Fans fesseln und ein Gef\u00fchl der Gemeinschaft durch Musikh\u00f6ren in Isolation f\u00f6rdern konnten.<\/p>\n<h5>Schlussbemerkung: Ein Dialog \u00fcber F\u00e4chergrenzen hinweg<\/h5>\n<p>Das Symposium war ein voller Erfolg und f\u00f6rderte einen fruchtbaren Dialog zwischen Wissenschaftler_innen und Institutionen. Es zeigte, dass Pandemien nicht nur medizinische Ph\u00e4nomene sind, sondern tief in soziale, historische und emotionale Kontexte eingebettet. Die interdisziplin\u00e4ren Erkenntnisse k\u00f6nnen sowohl unser Verst\u00e4ndnis historischer als auch aktueller Pandemien bereichern, und sie bieten auch der Musikwissenschaft neue Perspektiven.<\/p>\n<p>Beim abschlie\u00dfenden Abendessen wurden die Gespr\u00e4che angeregt weitergef\u00fchrt, was die nachhaltige Resonanz der diskutierten Fragen verdeutlichte. Damit unterstrich das Symposium nicht nur die anhaltenden Auswirkungen von Pandemien auf die Erfahrungen der Menschen, sondern auch die Kraft kollektiver wissenschaftlicher Forschung, die Komplexit\u00e4t gemeinsamer Geschichte(n) zu beleuchten.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. November 2024 \u00f6ffnete das European-Research-Council-Projekt GOING VIRAL: Music and Emotions during Pandemics (1679\u20131919) mit dem Symposium Music \u2013 Emotions \u2013 Pandemics: Interdisciplinary Perspectives seine Pforten f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":11555,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1543,1551,1550],"class_list":["post-11553","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2025-1","tag-goingviral","tag-symposiom"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11553","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11553"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11553\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11736,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11553\/revisions\/11736"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11555"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11553"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11553"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11553"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}