{"id":11547,"date":"2025-02-26T11:09:14","date_gmt":"2025-02-26T10:09:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11547"},"modified":"2025-02-26T11:09:14","modified_gmt":"2025-02-26T10:09:14","slug":"suedafrikanische-zeitgenoessische-cellowerke-im-einfluss-afrikanischer-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/02\/26\/suedafrikanische-zeitgenoessische-cellowerke-im-einfluss-afrikanischer-musik\/","title":{"rendered":"S\u00fcdafrikanische zeitgen\u00f6ssische Cellowerke im Einfluss afrikanischer Musik"},"content":{"rendered":"<h5>Auf Einladung des Alma Ros\u00e9 Institutes referierte Anmari van der Westhuizen am 15. November 2024 \u00fcber <i>S\u00fcdafrikanische zeitgen\u00f6ssische Cellowerke im Einfluss afrikanischer Musik<\/i>. Nach ihrem Cello-Diplomstudium in Stellenbosch, S\u00fcdafrika, setzte sie ihre Ausbildung bei Heidi Litschauer am Mozarteum Salzburg und bei Maria Kliegel an der Hochschule f\u00fcr Musik in K\u00f6ln fort. Neben ihrer solistischen T\u00e4tigkeit ist Frau van der Westhuizen Professorin f\u00fcr Violoncello an der Universit\u00e4t des Freistaates in Bloemfontein, S\u00fcdafrika, wo sie auch die k\u00fcnstlerische Leitung der Odeion School of Music Camerata innehat und dieses Ensemble auch dirigiert. Ebenso ist sie die Leiterin des Odeion String Quartets, dem einzigen Streichquartett S\u00fcdafrikas.<\/h5>\n<figure id=\"attachment_11550\" aria-describedby=\"caption-attachment-11550\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11550\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/foto-anmari-van-der-westhuizen-verbessert-sr-rgb-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11550\" class=\"wp-caption-text\">Anmari van der Westhuizen \u00a9 IFlair<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frau van der Westhuizen, ihr musikalischer Schwerpunkt als Solistin gilt der zeitgen\u00f6ssischen Cello-Sololiteratur. Wie kam es zu dieser Begeisterung?<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Als ich in \u00d6sterreich studierte, spielte ich in sehr vielen Ensembles f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik, unter anderem dem Ensemble On Line oder dem Koehne Quartett, und dabei lernte ich sehr viele zeitgen\u00f6ssische Werke kennen und lieben. Meine Begeisterung daf\u00fcr ist ungebrochen, bis heute besch\u00e4ftige ich mich mit dieser Literatur, ich vergebe Auftr\u00e4ge f\u00fcr neue Werke f\u00fcr Cello solo und in meinen Konzertprogrammen sind solche Kompositionen immer ein wichtiger Teil.<\/p>\n<p>Auf Ihrer Webseite findet sich ein Katalog mit Cello-Sololiteratur. Wann haben sie mit diesem begonnen?<\/p>\n<p><b>AvdW<\/b>: Ja, der Katalog wird laufend aktualisiert. Begonnen habe ich ihn im Rahmen meiner Dissertation \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Cello-Werke. 2024 wurde er um das Auftragswerk <i>Murmurs of Hope<\/i> erweitert, diese Komposition habe ich bei dem s\u00fcdafrikanischen Komponisten Andile Khumalo in Auftrag gegeben.<\/p>\n<p>Sie haben dieses Werk vor Kurzem in \u00d6sterreich uraufgef\u00fchrt. Wodurch zeichnet sich diese Komposition aus?<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Um diese Frage zu beantworten, m\u00f6chte ich vorerst ein wenig \u00fcber S\u00fcdafrika berichten. Das Land wird bekanntlich als Regenbogen-Nation bezeichnet. Es gibt nicht weniger als elf offizielle Sprachen. Jede dieser Sprachen ist einer eigenst\u00e4ndigen kulturellen Gruppe zugeordnet. Die politische Situation meines Landes ist gepr\u00e4gt von der komplexen Geschichte der Kolonisierung, von Apartheit und der dann doch erfolgten Transformation zur Demokratie. Seit dem Zerfall des Apartheit-Regimes in den 1990er-Jahren ist das Land wesentlichen Ver\u00e4nderungen unterworfen. Diese inkludieren leider auch Ungleichheit, Korruption und eine hohe Arbeitslosenrate. Nichtsdestotrotz ist S\u00fcdafrika das Land mit dem gr\u00f6\u00dften politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Afrika. Das unglaublich diverse Musik-Erbe spiegelt das reiche kulturelle Mosaik des Landes wider. Dieses setzt sich aus indigener Musik der verschiedenen afrikanischen ethnischen Gruppen, dem Einfluss der westlichen klassischen Musik w\u00e4hrend der Kolonialzeit sowie der Ausformung neuer popul\u00e4rer Formen, entstanden aus dem Aufeinandertreffen von afrikanischer Rhythmen mit Jazz, Gospel und Tanzmusik, zusammen. Das stimmungsvolle St\u00fcck <i>Murmurs of Hope<\/i> ist inspiriert von der alten afrikanischen Tradition der Beobachtung der sieben Sterne, einem kollektiven Zeichen, das die Ankunft des Fr\u00fchlings ank\u00fcndigt \u2013 eine Jahreszeit der Erneuerung und des Wachstums \u2013 aber auch ein Versprechen f\u00fcr einen Neuanfang und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.<\/p>\n<p>Welche anderen afrikanischen Einfl\u00fcsse bzw. Stilmittel finden sich in den Werken s\u00fcdafrikanischer Komponist_innen?<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Die s\u00fcdafrikanische Musik entwickelte sich in einem Kontext, in dem Kulturen \u2013 afrikanische, europ\u00e4ische und asiatische \u2013 aufeinandertrafen, oft unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen. Diese Verschmelzung schuf eine einzigartige musikalische Landschaft und f\u00fchrte zu einer \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltigen Musikszene. Nach der Apartheid l\u00e4utete S\u00fcdafrika eine neue \u00c4ra der Meinungsfreiheit ein. Die klassische Musik, obwohl historisch an die europ\u00e4ische Tradition gebunden, begann, die verschiedenen Stimmen und die unterschiedlichen Geschichten der Nation widerzuspiegeln. Durch die Verschmelzung afrikanischer Folkloreelemente mit europ\u00e4ischen klassischen Strukturen und manchmal auch mit Jazz oder elektronischen Elementen entsteht ein unverwechselbarer s\u00fcdafrikanischer Klang, der nichtsdestotrotz auf einer westlichen, klassischen Musiktradition basiert. Meiner Meinung nach gibt es zwei Hauptrichtungen, die s\u00fcdafrikanische Komponist_innen w\u00e4hlen, um die Interkulturalit\u00e4t ihrer Musik zum Ausdruck zu bringen: Einerseits ist es die Fusion traditioneller afrikanischer Melodien, Rhythmen und Instrumenten mit modernen Musikstr\u00f6mungen, andererseits, wie am Beispiel des Werkes von Andile Khumalo gezeigt, bilden die afrikanische Mythologie und Natur den Hintergrund.<\/p>\n<p>In Ihrem Repertoire sind auch die Kompositionen <i>Mamela Mamela Mamela<\/i> der in Den Haag lebenden s\u00fcdafrikanischen Komponistin Lise Morrison und <i>Ugubhu<\/i> von Hans Huyssen. Welche Geschichten verbergen sich hinter den Titeln?<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Das St\u00fcck <i>Mamela Mamela Mamela <\/i>wurde 2017 urspr\u00fcnglich f\u00fcr Violine geschrieben und diese Version f\u00fcr Cello wurde speziell f\u00fcr mich von der Komponistin arrangiert. Lise Morrison ist bekannt f\u00fcr ihren minimalistischen Ansatz, der afrikanische Rhythmusmuster mit sparsamen, meditativen Texturen verbindet. \u201eMamela\u201c bedeutet \u201ezuh\u00f6ren\u201c in isiXhosa, einer der offiziellen Amtssprachen in S\u00fcdafrika. Das St\u00fcck beginnt im Rhythmus des gesprochenen Wortes. <i>Ugubhu<\/i> wiederum ist ein einsaitiges Instrument in Form eines Bogens, welches in der isiZulu-Musik verwendet wird. Es k\u00f6nnen bis zu drei T\u00f6ne und dazu drei Obert\u00f6ne erzeugt werden, damit werden Melodien und Begleitungen gespielt. Hans Huyssen versucht mit seinem Solocellowerk <i>Ugubhu<\/i> die kulturellen Grenzen zwischen Afrika und Europa zu \u00fcberschreiten, indem er ein modernes Cello mit dem traditionellen afrikanischen Bogen, dem Ugubhu, in Beziehung setzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11551\" aria-describedby=\"caption-attachment-11551\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11551\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-1024x670.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"556\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-1024x670.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-768x503.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-1536x1006.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-2048x1341.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/mamela-mamela-mamela-rgb-850x557.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11551\" class=\"wp-caption-text\">Notenbeispiel Mamela Mamela Mamela von Lise Morrison mit Widmung an Anmari van der Westhuizen \u00a9 Lise Morrison<\/figcaption><\/figure>\n<p>Welchen Stellenwert nimmt Ihrer Ansicht nach das Violoncello in der s\u00fcdafrikanischen Musiklandschaft ein?<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Das Violoncello, das traditionell mit westlichem Musikrepertoire assoziiert wird, hat in der s\u00fcdafrikanischen Musiklandschaft eine einzigartige, sich immer weiter entwickelnde Stimme gefunden. Die besondere F\u00e4higkeit des Violoncellos eine breite Palette von Texturen zu erzeugen, erm\u00f6glicht es, ganz neue Klangwelten zu erforschen. Pentatonische Skalen und melodische Wiederholungen, die in der indigenen afrikanischen Musik \u00fcblich sind, werden durch die tonale Bandbreite des Cellos wirkungsvoll ausgedr\u00fcckt. Komponistinnen und Komponisten haben dieses Instrument eingesetzt, um kulturelle Grenzen zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich haben sie zwei Konzerte und einen Vortrag gehalten und dadurch die Musik Ihres Landes als Botschafterin zu uns gebracht.<\/p>\n<p><b>AvdW:<\/b> Wenn Musiker_innen und Komponist_innen Werke austauschen, die von ihrem kulturellen Hintergrund beeinflusst sind, er\u00f6ffnen sie einen Dialog, der \u00fcber die Sprache hinausgeht und Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rern aus verschiedenen Teilen der Welt neue Perspektiven er\u00f6ffnet. Dieser Austausch st\u00e4rkt nicht nur das klassische Genre, sondern auch die Verbindungen zwischen K\u00fcnstlern und K\u00fcnstlerinnen und dem Publikum auf der ganzen Welt. Auf diese Weise dient die s\u00fcdafrikanische Solo-Cellomusik als Br\u00fccke, die das kulturelle Verst\u00e4ndnis und eine tiefere Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die k\u00fcnstlerischen Beitr\u00e4ge des Landes auf der Weltb\u00fchne f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Ugubhu: Steigen und fallen - Anmari van der Westhuizen, Violloncello\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/VGj6iigH6ak?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><\/h5>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Einladung des Alma Ros\u00e9 Institutes referierte Anmari van der Westhuizen am 15. 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