{"id":11334,"date":"2024-11-26T15:10:18","date_gmt":"2024-11-26T14:10:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11334"},"modified":"2024-11-27T15:20:40","modified_gmt":"2024-11-27T14:20:40","slug":"transformation-muss-im-kopf-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/11\/26\/transformation-muss-im-kopf-beginnen\/","title":{"rendered":"\u201eTransformation muss im Kopf beginnen\u201c"},"content":{"rendered":"<h5>Welche Rolle k\u00f6nnen Kunst und Kultur bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielen? Dar\u00fcber diskutierten Birgit Huebener (Koordinationsstelle f\u00fcr Nachhaltigkeit und gr\u00fcne mdw), Tanja Obex (Lehrende am Institut f\u00fcr musikp\u00e4dagogische Forschung und Praxis) und Annie Ternstr\u00f6m (Studierende Gesang).<\/h5>\n<p>Denken Sie, dass es m\u00f6glich ist, Menschen \u00fcber das \u201eMedium\u201c Kunst und Kultur f\u00fcr die Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren?<\/p>\n<p><b>Tanja Obex (TO):<\/b> Auf jeden Fall. Kunst und vor allen Dingen Musik sind in der Lage, Geschichten zu erz\u00e4hlen. Geschichten, die es erm\u00f6glichen, die Welt, die Dinge und Relationen darin auf eine bestimmte, vielleicht auch andere Weise zu sehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11338\" aria-describedby=\"caption-attachment-11338\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11338\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-025-7560-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11338\" class=\"wp-caption-text\">Tanja Obex \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Annie Ternstr\u00f6m (AT):<\/b> Gerade bei schwierigen und komplexen Themen haben viele Menschen eine Scheu, sich damit zu befassen. Wenn man diese Themen allerdings in Verbindung mit Musik oder anderen Kunstformen bringt, kann das dazu f\u00fchren, dass sich die Leute doch trauen, dar\u00fcber nachzudenken und sich damit auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p><b>Birgit Huebener (BH):<\/b> Ich w\u00fcrde den Begriff von Kunst weiter fassen. Mir geht es vor allem um die Kreativit\u00e4t, um dieses Gef\u00fchl, dass man etwas bewirken kann, nicht nur als K\u00fcnstler_in auf der B\u00fchne stehend, auch als Publikum. In der Wissenschaft wird immer mehr ersichtlich, wie sehr das kreative Herangehen der K\u00fcnste gebraucht wird, um schwierige Inhalte vermitteln zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig denke ich, dass eine k\u00fcnstlerische Herangehensweise prinzipiell schon eine transformative Kraft besitzt.<\/p>\n<p>In welchem Zusammenhang steht Ihrer Meinung nach Ihr heutiges Tun als Musikschaffende oder Lehrende im Kunst- und Kulturbereich mit dem zuk\u00fcnftigen Zustand der Welt? Besitzt Kulturschaffen eine globale Relevanz?<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Aus meiner Sicht hat und hatte Kunst und damit auch Musik immer schon eine politische Komponente. Und wenn wir an die aktuelle Situation und die planetare Katastrophe denken, kann Kunst\/Musik ihre politische Verantwortung wahrnehmen und auf diese Krise reagieren.<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> Ich sage jetzt nicht, Musik ist die Sprache, die jede_r versteht, aber ich glaube, dass k\u00fcnstlerische Formate und Herangehensweisen eine Verbindung herstellen k\u00f6nnen, eine \u00dcbersetzung und damit Transformation. F\u00fcr mich stellt sich auch die Frage: Muss unbedingt die Sprache der Ausgangspunkt f\u00fcr jegliche \u00dcberlegungen sein? K\u00f6nnen nicht auch k\u00fcnstlerische \u00c4u\u00dferungen und Ausdrucksformen als Ausgangspunkt f\u00fcr wichtige Fragen fungieren?<\/p>\n<p><b>AT:<\/b> Ich denke, es gibt hier viele \u00dcberschneidungen und Synergieeffekte, die dazu beitragen k\u00f6nnen, Themen zug\u00e4nglicher zu machen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11337\" aria-describedby=\"caption-attachment-11337\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11337\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-027-7644-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11337\" class=\"wp-caption-text\">Annie Ternstr\u00f6m \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>TO:<\/b> Dadurch reduziert sich auch ein bisschen der Stress, dass in der gesamtgesellschaftlichen Wissensproduktion der ganze Druck auf einzelnen Akteur_innen liegt.<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> Mir wird immer mehr bewusst, dass der Ausgangspunkt f\u00fcr viele k\u00fcnstlerische Ausdrucksformen die Umwelt oder die Natur ist. Hinter Joseph Haydns <i>Die Sch\u00f6pfung<\/i> oder Ludwig van Beethovens <i>Pastorale <\/i>stehen ja verschiedene Naturkonzepte und Vorstellungen aus dieser Zeit, aber auch das eigene Verh\u00e4ltnis der Komponist_innen dazu.<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Wenn wir \u00fcber Natur sprechen, sprechen wir aus der Perspektive unseres westlichen Denkens. Wenn wir \u00fcber die Klimakrise oder sozial\u00f6kologische Krisen nachdenken, w\u00fcrde ich sagen: Ein St\u00fcck weit ist unser westliches Denken daf\u00fcr verantwortlich &#8230;<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> &#8230; nicht nur ein St\u00fcck weit &#8230;<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> &#8230; weil wir v\u00f6llig ausbeuterisch umgehen mit der Natur, mit anderen Menschen. Wenn wir mit unserem westlichen Denken Nachhaltigkeitsinitiativen entwickeln, so tun wir das also mit genau dem Denken, das die Probleme \u00fcberhaupt erst produziert hat. Das kann nicht funktionieren, wir setzen so diese kolonialen imperialen Praktiken nur fort.<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Wenn wir tats\u00e4chlich \u00fcber Nachhaltigkeit sprechen wollen, \u00fcber eine andere Art zu denken, dann w\u00e4re es notwendig, mit g\u00e4ngigen Dualismen wie Mensch und Natur oder Natur und Kultur zu brechen. Der Mensch muss sich selbst als Teil der Natur, und nicht von dieser abgegrenzt, verstehen. Dies m\u00fcssten wir begreifen. Erst das w\u00e4re die Voraussetzung daf\u00fcr, der \u201eNatur\u201c nicht fortlaufend immer Schaden zuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> Das f\u00fchrt genau zur Frage: Wie verstehen wir Kunst? Als etwas Elit\u00e4res oder als gemeinschaftliches Tun? Mozart oder Beethoven sind nicht als Genies vom Himmel gefallen, da gibt es immer auch eine Verankerung in einer gesellschaftlichen Struktur. Mir erscheint diese In-Beziehung-Setzung sehr elementar. Dieses kollaborative Tun ist wichtig und Voraussetzung f\u00fcr ein sinnvolles Fortbestehen von Kunst.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11339\" aria-describedby=\"caption-attachment-11339\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11339\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/huebener-obex-terntroem-c-stp-print-023-7515-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11339\" class=\"wp-caption-text\">Birgit Huebener \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wenn man die mit der Klimakrise in Zusammenhang stehenden Ver\u00e4nderungen als Gestaltungsaufgabe versteht: Welche Rolle k\u00f6nnen Institutionen wie die mdw bzw. Musikschaffende bei diesem gesamtgesellschaftlichen Wandel spielen?<\/p>\n<p><b>TO: <\/b>Wenn ich an die gr\u00fcne mdw denke, sehe ich eine Reihe von Initiativen, die als nachhaltig bezeichnet werden k\u00f6nnen. Das betrifft Veranstaltungen genauso wie die t\u00e4gliche Arbeit an der Universit\u00e4t oder die damit verbundenen Bildungsbem\u00fchungen wie z.\u2009B. die Lectures for Future oder das Musikschulprojekt Wolkersdorf von Peter R\u00f6bke, Hans-Peter Manser und Dietmar Flosdorf. Ich denke, dass sowohl Institutionen als auch Musikschaffende hier eine Vorbildfunktion haben und dass viele auch diese gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Gestalten darf dabei jedoch nicht im Sinne von \u201esimple L\u00f6sungen anbieten\u201c verstanden werden, sondern eher als das Anregen von Denk- und Handlungsprozessen angesichts der gegenw\u00e4rtigen Polykrisen respektive -katastrophen.<\/p>\n<p><b>AT:<\/b> Ich denke, es ist ganz wichtig, dass Nachhaltigkeits- und Umweltthemen Teil der Konversation sind. Die mdw ist eine sehr multikulturelle Institution. Das ist toll und schon allein deshalb gibt es unterschiedliche Zugangsweisen, die bei Themen wie diesen eine gro\u00dfe Bereicherung sind. Es bietet uns auch die M\u00f6glichkeit, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen. Ich f\u00e4nde es wichtig, Lehrende in noch st\u00e4rkerem Ma\u00df zu motivieren, diese Themen in die F\u00e4cher einflie\u00dfen zu lassen \u2013 vor allem auch in jene, die auf den ersten Blick nichts mit der Klimakrise zu tun zu haben scheinen und wo im Moment kein Wort dar\u00fcber gesprochen wird.<\/p>\n<p><b>BH: <\/b>Ich denke, was es braucht, sind tiefgreifende, strukturelle Ver\u00e4nderungen. Und diese brauchen Raum und Zeit. Mein Motto lautet: Weniger ist mehr. Meiner Meinung nach gelingt Nachhaltigkeit nur \u00fcber Suffizienz und aus der \u00dcberzeugung, dass wir etwas dabei gewinnen und nicht verlieren.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite misst sich Erfolg gerade in der Musikbranche oft an der Anzahl und Ferne der Tourneen. Wie k\u00f6nnte hier ein Umdenken stattfinden?<\/p>\n<p><b>AT:<\/b> Das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Wenn wir z.\u2009B. ein System haben, wo Bahnfahrten teurer sind als Flugtickets, ist es gerade f\u00fcr Studierende, die am Anfang ihrer Karriere stehen, nicht einfach zu sagen: \u201eIch werde niemals den Flug w\u00e4hlen.\u201c Auch wenn ich so oft wie m\u00f6glich versuche, mit der Bahn zu reisen, ist es manchmal, auch wenn ich daf\u00fcr die Zeit eingeplant h\u00e4tte, aus finanziellen Gr\u00fcnden einfach nicht m\u00f6glich. Das besch\u00e4ftigt mich und f\u00fchrt manchmal zu einem Machtlosigkeitsgef\u00fchl, da wir doch, solange wir diese \u00f6konomischen Begrenzungen haben, in diesem System feststecken.<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Das ist ein wichtiger Punkt: Nachhaltigkeit besitzt nicht nur eine \u00f6kologische und soziale Dimension, sondern auch eine \u00f6konomische. Eine grunds\u00e4tzliche Forderung, wenn es um Nachhaltigkeit geht, lautet, dass diese drei Dimensionen ausbalanciert werden sollen. Wenn ich mir aber verschiedene Initiativen ansehe, habe ich den Eindruck, dass die \u00f6konomische Ebene immer die entscheidende ist. Das Potenzial \u00f6kologischer und sozialer Transformationen wird dann am Ausma\u00df des wirtschaftlichen Wachstums gemessen. Das sehe ich als eines der Hauptprobleme, wenn wir \u00fcber Nachhaltigkeit und Transformation sprechen.<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> Transformation muss im Kopf beginnen. Es braucht ein Umdenken bei den gro\u00dfen Fragen \u2013 beim imperialen Lebensstil, bei der Auffassung, es g\u00e4be keine Wirtschaftlichkeit ohne Wachstum etc.<\/p>\n<p>Frau Ternstr\u00f6m, Sie sind Studienvertreterin f\u00fcr Gesang und Musiktheaterregie. Wie ist Ihr Eindruck: Ist Nachhaltigkeit bei Ihren Kolleg_innen ein Thema?<\/p>\n<p><b>AT:<\/b> Das ist sehr unterschiedlich. Viele sind auf der Schiene: \u201eIch muss so schnell wie m\u00f6glich das Studium abschlie\u00dfen und zu arbeiten beginnen, Karriere machen\u201c, weil man sehr stark in diesem Leistungssystem verankert ist. Aber es gibt auch viele, die z.B. in ihrer Ern\u00e4hrung auf Fleisch verzichten und man diskutiert \u00fcber sozial\u00f6kologische Themen. In meiner Generation gibt es auch ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein, wie wichtig mentale Gesundheit ist. Das Thema ist nicht mehr so tabu wie fr\u00fcher, denn wir m\u00fcssen ja auch mit uns selbst nachhaltig umgehen.<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Mir f\u00e4llt auf, dass junge Leute im Hinblick auf Nachhaltigkeit ganz andere Zugangsweisen haben, als wir es hatten. Beispielsweise ihr Engagement bei Fridays for Future, ihre Argumente, auch wie auf Intersektionalit\u00e4t hingewiesen wird.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend ein Blick in die Zukunft: Wie k\u00f6nnte eine positive Zukunftsvision Ihres T\u00e4tigkeitsbereichs aussehen? Welche Ziele k\u00f6nnten oder sollten in den n\u00e4chsten Jahren erreicht werden?<\/p>\n<p><b>AT:<\/b> Sch\u00f6n w\u00e4re es, R\u00e4ume zu schaffen, wo Leute aufeinandertreffen und in Ruhe diskutieren k\u00f6nnen. \u2013 Das w\u00fcrde ich gerne anregen. Dann hoffe ich, dass sich die Musiker_innenbranche so ver\u00e4ndert, dass man f\u00fcr die Anreise mehr Zeit bekommt, um zumindest innerhalb von Europa nicht mit dem Flugzeug unterwegs sein zu m\u00fcssen. Es stellen sich auch Fragen wie: Muss man bei jedem Konzert ein anderes oder neues Kleid tragen? Nein, man kann sehr gut vintage oder secondhand kaufen, was ich pers\u00f6nlich auch originell finde, und auch dieselben Outfits mehrmals tragen.<\/p>\n<p><b>BH:<\/b> Ich tr\u00e4ume auch von einem Raum, wo es Dialog und Austausch gibt, egal ob dieser dann real oder digital ist. Was mir ganz wichtig ist, ist das Vernetzen, das Suchen und Finden von Synergien, Dinge, die ohnehin schon irgendwo sind, zu unterst\u00fctzen und nicht zus\u00e4tzlich etwas Neues zu erfinden. F\u00fcr mich w\u00e4re es eine positive Version der Zukunft, die Hektik, das Tempo aus unserem Arbeitsalltag rauszunehmen. Ich habe ganz bewusst auf 25 Stunden reduziert, versuche ein bisschen dieses \u201eweniger ist mehr\u201c vorzuleben, weil ich davon \u00fcberzeugt bin, dass es ein Beitrag zur Nachhaltigkeit ist. Au\u00dferdem f\u00e4nde ich es wichtig, das Verh\u00e4ltnis zur Arbeit ganz neu zu denken.<\/p>\n<p><b>TO:<\/b> Ich glaube, mit diesem bewusst langsamer Schalten und Reduzieren kann ich gut mitgehen, das kennzeichnet auch meine Arbeitsweise. Noch ein Aspekt, der mir wichtig erscheint: Ich sehe es als meine Aufgabe, sowohl in meinem wissenschaftlichen Tun als auch in meiner Lehrt\u00e4tigkeit anstelle des Gef\u00fchls der Ohnmacht \u2013 im Sinne von \u201ees ist ohnehin schon alles zu sp\u00e4t\u201c \u2013 Aspekte wie Hoffnung zu thematisieren. Hoffnung so verstanden, sich der gegenw\u00e4rtigen Gefahren bewusst zu sein und zugleich eine Vorstellungskraft \u00fcber ein gutes Leben zu entwickeln. Das f\u00fchrt uns wieder zum Beginn dieses Gespr\u00e4chs: F\u00fcr mich w\u00e4re es wichtig, Studierende terrestrisch zu bilden, und ich meine damit eine Bildung, die es den Einzelnen erm\u00f6glicht, sich verbunden mit der Welt zu erfahren, als untrennbaren Teil der Natur zu begreifen. Erst wenn das in uns angekommen ist, kann es zu einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit werden, die Ausbeutung von Natur, von anderen Existenzen zu beenden \u2013 und dann k\u00f6nnten wir tats\u00e4chlich von einer sozial-\u00f6kologischen Transformation sprechen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Rolle k\u00f6nnen Kunst und Kultur bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft spielen? Dar\u00fcber diskutierten Birgit Huebener (Koordinationsstelle f\u00fcr Nachhaltigkeit und gr\u00fcne mdw), Tanja Obex (Lehrende am Institut f\u00fcr musikp\u00e4dagogische Forschung und Praxis) und Annie Ternstr\u00f6m (Studierende Gesang).<\/p>\n","protected":false},"author":367,"featured_media":11336,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1510,1541,1540,854],"class_list":["post-11334","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2024-4","tag-diskussionsrunde","tag-kunstundoekologie","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/367"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11334"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11334\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11493,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11334\/revisions\/11493"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/11336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}