{"id":11292,"date":"2024-11-27T12:02:08","date_gmt":"2024-11-27T11:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11292"},"modified":"2024-11-27T12:02:08","modified_gmt":"2024-11-27T11:02:08","slug":"early-stage-researchers-interpret_innen-als-auftraggeber_innen-neuer-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/11\/27\/early-stage-researchers-interpret_innen-als-auftraggeber_innen-neuer-musik\/","title":{"rendered":"Early Stage Researchers: Interpret_innen als Auftraggeber_innen neuer Musik"},"content":{"rendered":"Es begann vor einigen Jahren mit dem Klarinettenkonzert des US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900\u20131990) auf meinem Notenst\u00e4nder. Mein Blick war am Schriftzug ganz oben auf dem Notenblatt h\u00e4ngen geblieben: \u201eFor Benny Goodman\u201c. War Copland mit der Swing-Ikone befreundet gewesen? Hatten sie zusammengearbeitet? Oder hatte der Komponist Goodman (1909\u20131986) schlicht als Musiker bewundert?<\/p>\n<p>Damals befasste ich mich in meiner Forschung mit musikalischem M\u00e4zenatentum im 18. Jahrhundert und \u00fcberlegte, in welche Richtung ich mein Interesse an Formen und Strukturen von Musikfinanzierung, -f\u00f6rderung und -erm\u00f6glichung weiterentwickeln konnte. Tats\u00e4chlich erwies sich die Geschichte rund um Copland, Goodman und das besagte Klarinettenkonzert als die richtige Spur. Erste Recherchen ergaben, dass Goodman dieses St\u00fcck 1946 bei Copland in Auftrag gegeben und ein Honorar von 2.000\u00a0Dollar daf\u00fcr gezahlt hatte. Daf\u00fcr hatte er f\u00fcr zwei Jahre das alleinige Auff\u00fchrungsrecht inne. Rasch stie\u00df ich zudem auf weitere Kompositionen, etwa von B\u00e9la Bart\u00f3k, Darius Milhaud, Henry Brant, Paul Hindemith und Malcolm Arnold, die ebenfalls auf Auftrag f\u00fcr Goodman entstanden waren. Forschung, die sich bereits n\u00e4her damit auseinandergesetzt hatte, war rar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11294\" aria-describedby=\"caption-attachment-11294\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11294\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/nypl.digitalcollections.ca58a160-f879-0134-378e-03eb22da2129.001.w-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11294\" class=\"wp-caption-text\">Leonard Bernstein und Benny Goodman proben vermutlich eine von Goodman bei Alex North in Auftrag gegebene Komposition (1946). \u00a9 William P. Gottlieb, The New York Public Library\/Digital Collection, via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich begann mit einer Pilotstudie \u00fcber Auftragsvergaben durch Interpret_innen am Beispiel von Benny Goodman. Diese f\u00fchrte mich in Archive und Bibliotheken an die US-Ostk\u00fcste und als Gastforschende an die Harvard University. Dort arbeitete ich nicht nur an dem Goodman-Projekt, sondern entwickelte meinen Ansatz weiter. Daraus entstand schlie\u00dflich ein vom \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) gef\u00f6rdertes Forschungsprojekt, das ich seit Oktober 2021 an der mdw leite. Darin untersuche ich, ausgehend von einer ganzen Reihe von Fallbeispielen, das Ph\u00e4nomen der Kompositionsauftr\u00e4ge durch Interpret_innen im fr\u00fcheren 20. Jahrhundert. Warum vergaben sie diese Auftr\u00e4ge? Wie finanzierten sie sie? An welche Komponist_innen wandten sie sich? Welche Bedingungen wurden ausgehandelt? Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit im Kompositionsprozess? Was bedeutete diese besondere Konstellation f\u00fcr die Gestalt der Musikst\u00fccke und weiter f\u00fcr deren Auff\u00fchrung und Rezeption?<\/p>\n<p>Antworten auf diese Fragen finde ich in der Auseinandersetzung mit weiteren Musiker_innen, wie dem Pianisten Paul Wittgenstein (1887\u20131961), der S\u00e4ngerin Marian Anderson (1897\u20131993) sowie den Cembalistinnen Sylvia Marlowe (1908\u20131981) und Antoinette Vischer (1909\u20131973). Sie alle vergaben Auftr\u00e4ge in gro\u00dfer Zahl, strategisch und mit konkreten Vorstellungen. Sie alle zeigen die proaktive Rolle von Auff\u00fchrenden in Prozessen musikalischen Schaffens und der Repertoirebildung. Sie ins Rampenlicht der Musikgeschichte zu stellen, tr\u00e4gt zur \u00dcberwindung des Genie-Komponisten- und Meisterwerk-Paradigmas und zur Erschlie\u00dfung eines diverseren und dynamischeren Bildes der Entstehung neuer Musik bei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/ppnm.hypotheses.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zum Forschungsprojekt.<br \/>\n<\/a><\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>In der neuen Wissenschaftskolumne <i><\/i>geben Nachwuchswissenschaftler_innen der mdw Einblick in ihre spannende und abwechslungsreiche Forschungst\u00e4tigkeit.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es begann vor einigen Jahren mit dem Klarinettenkonzert des US-amerikanischen Komponisten Aaron Copland (1900\u20131990) auf meinem Notenst\u00e4nder. Mein Blick war am Schriftzug ganz oben auf dem Notenblatt h\u00e4ngen geblieben: \u201eFor Benny Goodman\u201c. 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