{"id":11260,"date":"2024-11-27T14:22:59","date_gmt":"2024-11-27T13:22:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11260"},"modified":"2024-11-27T14:26:41","modified_gmt":"2024-11-27T13:26:41","slug":"die-natur-ist-oft-nur-das-medium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/11\/27\/die-natur-ist-oft-nur-das-medium\/","title":{"rendered":"\u201eDie Natur ist oft nur das Medium\u201c"},"content":{"rendered":"Tanja Elisa Glinsner ist nicht nur erfolgreiche Komponistin, sondern auch Dirigentin und Mezzosopranistin. Oft interpretiert oder dirigiert sie ihre Werke selbst auf renommierten B\u00fchnen im In- und Ausland. Ihren Kompositionen liegen h\u00e4ufig Naturthemen zugrunde \u2013 aber nicht nur.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11262\" aria-describedby=\"caption-attachment-11262\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11262\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-14.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11262\" class=\"wp-caption-text\">Tanja Elisa Glinsner ist als Komponistin, Dirigentin und Mezzosopranistin erfolgreich. \u00a9 Theresa Pewal<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wind, der durch Baumkronen weht. Krachende, knackende \u00c4ste. Ein Wasserpl\u00e4tschern. Stimmengewirr. Sirenen. Wer genau hinh\u00f6rt, kann bei dem Orchesterwerk <i>Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere f\u00e4llt.<\/i> eine bewegende Naturgeschichte entdecken und erleben. Das St\u00fcck stammt von Tanja Elisa Glinsner. Die Komposition hat sie im Rahmen des Composer-Conductor-Workshops Ink Still Wet 2022 eingereicht und in Grafenegg uraufgef\u00fchrt. Als Inspiration f\u00fcr dieses St\u00fcck diente der 1995 in Linz geborenen Ober\u00f6sterreicherin nicht nur ein pr\u00e4gendes Erlebnis mit einem Baum in ihrer Kindheit, sondern auch die Gedichte <i>Der brennende Baum<\/i> von Bertolt Brecht sowie <i>Ebene Landschaft<\/i> von Maria Luise Weissmann. Letzteres endet mit den Worten \u201e[\u2026] Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere f\u00e4llt.\u201c \u201eDer Baum steht in meiner Komposition stellvertretend f\u00fcr Begriffe wie Zuhause und Geborgenheit, Sicherheit, Kindheit und auch Heimat. Mit der Entwurzelung, zu h\u00f6ren etwa durch einen Abbruch des Tons, wollte ich den Kontrast, also Heimatlosigkeit oder Entwurzelung und eine gewisse Leere darstellen\u201c, erkl\u00e4rt Glinsner, die Komposition an der mdw bei Wolfgang Suppan, Dietmar Schermann und Michael Jarrell studiert hat. Derzeit absolviert sie ihr Orchesterdirigat-Studium bei Mark Stringer, sowie ihre beiden Masterstudien in Musikdramatischer Darstellung und Vocal Performance bei Claudia Visca \u2013 in der Opernklasse von Christoph Ulrich Meier und Helen Malkowsky, sowie in der Liedklasse von Angelika Kirchschlager an der mdw.<\/p>\n<p>Bei ihrem Werk <i>wie eine wissenschaftsburg &#8230;<\/i>, einer Vertonung von Textfragmenten von Walter Pilar, war f\u00fcr die mehrfach ausgezeichnete K\u00fcnstlerin klar, dass sie eine humorvolle, aber naturverbundene Interpretation schaffen wollte, bei der Wasser in verschiedenen Formen im Zentrum steht. Natur ist nicht immer so selbstverst\u00e4ndlich in ihren Werken vertreten. Vielmehr stehen einzelne Aspekte stellvertretend f\u00fcr pers\u00f6nliche Erfahrungen und Empfindungen: \u201eDie Natur ist oft nur das Medium, aber nicht der urspr\u00fcngliche Grundgedanke.\u201c In ihren Kompositionen befasst sich das Ausnahmetalent beinahe unabsichtlich mit dem Thema Natur und kommt \u00fcber Umwege immer wieder auf diese Thematik zur\u00fcck. Die zentralen Urspr\u00fcnge liegen h\u00e4ufig in der Mythologie und befassen sich anhand von Lyrik auch mit philosophischen Fragen. Als Beispiel nennt sie hier etwa <i>Scena di Medea<\/i>, ihre Interpretation des Medea-Mythos sowie Franz Grillparzers Drama <i>Das goldene Vlies<\/i>, in der sie den Verrat Iasons an Medea behandelt. Durch diese verwobenen und pers\u00f6nlichen Zug\u00e4nge entstehen unterschiedliche Klangwelten. Im Werk <i>Von gl\u00e4sernen Himmelsscherben, <\/i>eine szenische Meditation nach dem Gedicht <i>Der Mensch ist tot <\/i>von Claire Goll, werden Holz, Eisen oder auch Steine aufeinandergeschlagen. \u201eMan verwendet ein nat\u00fcrliches Material, um eigentlich etwas Industrielles auszudr\u00fccken\u201c, erkl\u00e4rt Glinsner ihren Schaffensprozess. Denn durch das Schlagen entsteht zu Beginn der Performance eine postapokalyptische Szene, in der die Arbeit in einer Werkstatt verdeutlicht wird. Erst nach und nach ist durch den Klang einer Klarinette etwas \u201eNat\u00fcrliches\u201c und Vertrautes zu h\u00f6ren und die Protagonistin beginnt ihre Umwelt anders wahrzunehmen. \u201eIch m\u00f6chte, dass die Idee einer Komposition etwas Fundiertes ist, erst dann suche ich mir ein Medium, das symbolisch genau ebendas am besten transportiert. H\u00e4ufig ist das Medium f\u00fcr mich dann etwas Naturverbundenes. Weil das f\u00fcr mich etwas ist, das wahrscheinlich jede_r verstehen kann.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_11263\" aria-describedby=\"caption-attachment-11263\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11263\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/tanja-glinsner-by-theresa-pewal-7.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11263\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Theresa Pewal<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie ihre Werke am Ende aber geh\u00f6rt und wahrgenommen werden, h\u00e4ngt zuletzt vom pers\u00f6nlichen Empfinden der Zuh\u00f6rer_innen ab. Behandelt <i>Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere f\u00e4llt. <\/i>etwa f\u00fcr die Komponistin selbst eine h\u00f6chstpers\u00f6nliche Thematik, l\u00f6ste das Werk beim Publikum zum Teil Assoziationen mit Umweltthemen und der Klimakrise aus. \u201eIch m\u00f6chte dem Publikum nat\u00fcrlich helfen, dass es meine Bilder versteht\u201c, aber \u201eKomposition ist f\u00fcr mich eine Auseinandersetzung mit Symbolen und den Fragen: Welche Symbole habe ich? Was sehe ich selber darin und was m\u00f6chte ich auf dem Papier sehen? Schlussendlich m\u00f6chte ich es aber dem Publikum \u00fcberlassen, ob sie diese Symbole auch so h\u00f6ren oder sp\u00fcren. Ich vertraue dabei aber immer g\u00e4nzlich der den Symbolen innewohnenden Energie\u201c.<\/p>\n<p>Das Publikum scheint zu verstehen, denn der Erfolg gibt ihr Recht. Ihre Kompositionen waren etwa in den letzten Monaten im Wiener Musikverein, in Frankfurt oder auch in Hongkong zu h\u00f6ren. F\u00fcr das <i>Short Operetta Festival <\/i>im Rahmen von <i>Salzkammergut 2024 <\/i>komponierte Glinsner die Operette <i>GOLDAUSTRUD\u2019L oder \u201eDie sch(t)rumpfende Stadt\u201c,<\/i> in der sie auf humorvolle Art und Weise Kl\u00e4nge des Donauwalzers einbaute. Oft steht sie auch selbst als S\u00e4ngerin auf der B\u00fchne. Zuletzt etwa Ende Oktober in Frankfurt bei der Urauff\u00fchrung ihrer Kammeroper <i>Schweig still, mein Stein <\/i>im Rahmen des Festaktes der Akademie Musiktheater heute (AMH) in Kooperation mit dem Ensemble Modern, ein F\u00f6rderprogramm der Deutsche Bank Stiftung f\u00fcr den Musiktheaternachwuchs.<\/p>\n<p><i>Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere f\u00e4llt.<\/i> f\u00fcr Orchester:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Tanja Elisa Glinsner,  &quot;Ein Baum. Entwurzelt. Der ins Leere f\u00e4llt...&quot; f\u00fcr Orchester (2022)\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/eOQi-891J6c?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanja Elisa Glinsner ist nicht nur erfolgreiche Komponistin, sondern auch Dirigentin und Mezzosopranistin. Oft interpretiert oder dirigiert sie ihre Werke selbst auf renommierten B\u00fchnen im In- und Ausland. 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