{"id":1126,"date":"2017-09-29T14:05:46","date_gmt":"2017-09-29T12:05:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1126"},"modified":"2017-09-29T14:05:46","modified_gmt":"2017-09-29T12:05:46","slug":"der-bass-der-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/der-bass-der-strasse\/","title":{"rendered":"Der Bass der Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"Die Stimme ist das sch\u00f6nste Instrument des Menschen, hei\u00dft es, und ihre Sch\u00f6nheit ist ungerecht verteilt. Wie oft h\u00f6rt man nur mit halbem Ohr zu, wenn jemand leise spricht? Wie stark beeinflusst die Stimme das Gesagte, erh\u00f6ht es sogar, wertet es auf, nur weil sie besonders angenehm ist? Wie gerne lauscht man Menschen, selbst wenn es nur am Telefon ist, weil sie eine warme, sch\u00f6ne Stimme haben? Wie leicht l\u00e4sst man sich von sanften Stimmen verf\u00fchren? Sehr leicht, zumindest in meinem Fall.<\/p>\n<p>Ich liebe tiefe Stimmen. Sie haben etwas Einlullendes, Vertrautes, Warmes, f\u00fchlen sich an wie eine Umarmung, als w\u00fcrde man eingewickelt in eine dicke Decke, die noch genug Platz l\u00e4sst f\u00fcr das Ich. Sie klingen nicht neugierig oder suchend wie die hellen Stimmen in den\u00a0Radioreportagen, nicht sachlich wie die neutralen der Nachrichtensprecher, sie stellen keine Fragen, sie scheinen bereits alle Antworten zu kennen. Man kann sich in ihnen suhlen, die Augen schlie\u00dfen und sich sanft von ihrem Brummen in den Schlaf wiegen lassen. Ich glaube, das ist die Magie des Basses. Der Bass ist ein mystisches Instrument, \u00e4hnlich wie eine tiefe Stimme. Er ist nicht hektisch oder schnell, er wirkt aus dem Hintergrund, zieht einen mit, gibt das Tempo vor, ohne dass man es merken w\u00fcrde. Der Bass trifft einen mitten ins Herz.<\/p>\n<p>Als Studentin lebte ich einen Sommer lang in einer Substandardwohnung am Wiener G\u00fcrtel. Vor dem Fenster eine dreispurige Stra\u00dfe, \u00fcber die LKWs und Autokolonnen donnerten, Tag und Nacht. \u201eSchau, dass du dort bald wegkommst\u201c, sagten meine Freunde. \u201eDie ganzen Abgase und der L\u00e4rm! Vor allem der L\u00e4rm! Der wird dich verr\u00fcckt machen.\u201c Tags\u00fcber musste ich arbeiten, aber nachts lag ich zu Hause. Ersch\u00f6pft von der Arbeit, m\u00fcde vom Denken, aber ich litt nicht. Ich k\u00e4mpfte nicht, ich schloss nicht einmal die Fenster, wenn die Nacht kam. Im Gegenteil. Ich schlief gut. Besser als je zuvor. Das regelm\u00e4\u00dfige Brummen der Autos wiegte mich in den Schlaf. Und erst am Morgen, wenn sich dazu das Quietschen der Stra\u00dfenbahn gesellte, die schrillen Hupt\u00f6ne der Pendler, erst dann schrak ich auf und schloss die Fenster. Bis zur n\u00e4chsten Nacht, wenn der Bass der Stra\u00dfe mich wieder in den Schlaf sang.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimme ist das sch\u00f6nste Instrument des Menschen, hei\u00dft es, und ihre Sch\u00f6nheit ist ungerecht verteilt. Wie oft h\u00f6rt man nur mit halbem Ohr zu, wenn jemand leise spricht? Wie stark beeinflusst die Stimme das Gesagte, erh\u00f6ht es sogar, wertet es auf, nur weil sie besonders angenehm ist? Wie gerne lauscht man Menschen, selbst wenn &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[229,88,233,41],"class_list":["post-1126","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-column","tag-2017-3","tag-gesang","tag-stimme","tag-voice"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1126"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1127,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1126\/revisions\/1127"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}