{"id":11212,"date":"2024-11-26T14:56:02","date_gmt":"2024-11-26T13:56:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=11212"},"modified":"2024-11-26T14:56:02","modified_gmt":"2024-11-26T13:56:02","slug":"rhythm-under-the-microscope","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/11\/26\/rhythm-under-the-microscope\/","title":{"rendered":"Rhythm under the Microscope"},"content":{"rendered":"<h1>An Interdisciplinary Conference on Microrhythm and Groove in Popular Music<\/h1>\n<p>H\u00f6rt man den Song <i>My Favorite Part<\/i> von Mac Miller und Ariana Grande (2016) zum ersten Mal, wundert man sich vielleicht \u00fcber den programmierten Drum-Beat, der \u201eschr\u00e4g\u201c oder \u201ewankend\u201c erscheint. Wie in diesem Hip-Hop-Track wirken Rhythmen in vielen Stilen popul\u00e4rer Musik gerade dadurch interessant, dass sie sich nicht an ein mathematisch exaktes Raster von Puls-Unterteilungen halten, sondern minimal davon abweichen. Diesem Ph\u00e4nomen des Mikrorhythmus und dem damit verbundenen Eindruck von \u201eGroove\u201c widmete sich die Konferenz <i>Rhythm under the Microscope<\/i>, die Ende September 2024 an der mdw stattfand. Tats\u00e4chlich handelte es sich um die erste wissenschaftliche Konferenz mit Fokus auf dieses Thema und so waren die rund 70\u00a0Teilnehmer_innen sehr erfreut zu sehen, dass mehr Kolleg_innen als gedacht an diesem speziellen Thema arbeiten. \u201eIt is so great to see half of my bibliography in the audience\u201c, brachte es eine Vortragende auf den Punkt, denn es war gelungen, fast alle wichtigen Protagonist_innen dieses Forschungsfeldes an die mdw zu holen, allen voran die Keynote-Speaker Anne Danielsen (Universit\u00e4t Oslo) und Justin London (Carleton College, Minnesota).<\/p>\n<p>Dass mikrorhythmische Ph\u00e4nomene bisher oft nur subjektiv und teils widerspr\u00fcchlich als ein bestimmtes \u201eFeeling\u201c beschrieben werden konnten, stellte die Wissenschaft vor eine Herausforderung. Mit hochentwickelten Algorithmen und Methoden des Machine Learning ist es mittlerweile aber m\u00f6glich, etwa Funk-Grooves, Soli von Jazz-Saxophonist_innen oder typische Schlagzeug-Patterns der Rolling Stones auf die Millisekunde genau zu vermessen. Selbst hundert Jahre alte Player-Piano-Notenrollen lassen sich nun mithilfe hochaufl\u00f6sender Kameras untersuchen, wie Steffen Just eindrucksvoll pr\u00e4sentierte. Dabei wurde deutlich, dass deren Produzenten schon damals darauf achteten, die mechanische Musik-Wiedergabe durch nachtr\u00e4gliche Timing-Manipulationen nicht steif wirken zu lassen.<\/p>\n<p>Neben dem Austausch \u00fcber solche musikwissenschaftlichen Analysen war es ein wesentliches Ziel der Tagung, die vielen verschiedenen F\u00e4cher, f\u00fcr die mikrorhythmische Ph\u00e4nomene ebenfalls relevant sind, an einem Ort zusammenzubringen und den transdisziplin\u00e4ren Austausch zu f\u00f6rdern. So gab es z.\u2009B. auch Einsichten in die neurophysiologischen Vorg\u00e4nge beim Musikh\u00f6ren von Parkinson-Patient_innen und Menschen mit musikalischer Anhedonie (Psyche Loui), didaktische Ans\u00e4tze zur Vermittlung afro-brasilianischer Rhythmen (G\u00e9rald Guillot) oder Erkenntnisse \u00fcber kulturelle Unterschiede in der Performance von nicht-isochronen Rhythmen, wie sie f\u00fcr Musik aus Mali charakteristisch sind (Rainer Polak und Sylvie Nozaradan). Ob \u201eGroove\u201c ganz n\u00fcchtern als ein durch Musik ausgel\u00f6ster angenehmer Drang zur Bewegung (\u201epleasurable urge to move\u201c) definiert werden kann oder ob der Begriff nicht eng an afrikanische und diasporische Musizierpraxen gekn\u00fcpft sein sollte, war dann Gegenstand einer lebhaften Diskussion, die zeigte, dass auch Grundlagenforschung nicht von sozio-kulturellen Kontexten isoliert werden sollte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11214\" aria-describedby=\"caption-attachment-11214\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11214\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"478\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-2048x1152.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/rhythm-35-850x478.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11214\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Patricia Ruesch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die unmittelbare Relevanz solcher Forschung f\u00fcr die Musikpraxis wurde in nachmitt\u00e4glichen Workshops demonstriert. So leitete Kristian Wahlstr\u00f6m im Anschluss an seinen wissenschaftlichen Vortrag eine Band aus ipop-Studierenden und Tagungsteilnehmer_innen an, einen AC\/DC-Song mit den charakteristischen mikrorhythmischen Verschiebungen zu spielen, wobei er p\u00e4dagogische Konzepte, Timing-Forschung und Lehrpraxis \u00fcberaus \u00fcberzeugend miteinander verzahnte. Auf \u00e4hnliche Weise verband auch das abendliche Konzert im Klangtheater den Spa\u00df an der Musik mit der Reflexion \u00fcber ihre innere Funktionsweise: Die Band <i>We Salute You<\/i> des ipop-Alumnus Raphael Vorraber spielte Hip-Hop-Beats, bei denen sich das internationale Publikum am eigenen Leib von der ansteckenden Tanzbarkeit feinster Mikrorhythmik \u00fcberzeugen konnte.<\/p>\n<p>In der Schlussdiskussion waren sich alle Beteiligten einig, dass es in zwei Jahren eine Fortsetzung geben soll. Bis dahin k\u00f6nnen Studierende, die an der Konferenz teilgenommen haben, die vermittelten Werkzeuge nun im Rahmen eines Seminars am ipop selbst ausprobieren und sich an der Analyse mikrorhythmischer Ph\u00e4nomene versuchen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass mikrorhythmische Ph\u00e4nomene bisher oft nur subjektiv und teils widerspr\u00fcchlich als ein bestimmtes \u201eFeeling\u201c beschrieben werden konnten, stellte die Wissenschaft vor eine Herausforderung. 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