{"id":1099,"date":"2017-05-04T12:14:32","date_gmt":"2017-05-04T10:14:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1099"},"modified":"2017-05-04T12:18:48","modified_gmt":"2017-05-04T10:18:48","slug":"das-war-eparm-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/04\/das-war-eparm-2017\/","title":{"rendered":"Das war EPARM 2017"},"content":{"rendered":"<strong>Nach der Landung in Br\u00fcssel befindet man sich in einem belebten Flughafen, erf\u00fcllt mit den Kl\u00e4ngen von Franz\u00f6sisch und Fl\u00e4misch untermischt mit den \u00fcblichen internationalen Sprachen. Man arbeitet sich durch den ganzen Flughafen bis man an die Bushaltestelle kommt. Flott bringt einen der <em>Antwerp Express Bus <\/em>von der europ\u00e4ischen Hauptstadt zu der wundersch\u00f6nen fl\u00e4mischen Stadt Antwerpen.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1100\" aria-describedby=\"caption-attachment-1100\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1100\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen_beitragsbild.jpg\" alt=\"AEC Pr\u00e4sident Eirik Birkeland\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen_beitragsbild.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen_beitragsbild-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen_beitragsbild-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1100\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Speech, speech!&#8220;, bei der Gala Dinner mit AEC-Pr\u00e4sident Eirik Birkeland \u00a9Zena Van den Block<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im s\u00fcdlichen Teil der Stadt findet man den <em>Royal Conservatory of Antwerp<\/em>. Das Konservatorium ist in einem ger\u00e4umigen und hellen Geb\u00e4ude nahe der Autobahn untergebracht. Das Rauschen der Autobahn h\u00f6rt man vom Konservatorium aus nicht, aber seine st\u00e4ndig flie\u00dfende Energie reflektiert sich in der flie\u00dfenden Energie und Offenheit f\u00fcr neue Ideen am Konservatorium.<\/p>\n<p>Vom 20. bis 22. April hatte ich die Gelegenheit nach Antwerpen zu fahren, um die EPARM Konferenz, <em>European Platform for Artistic Research<\/em>, bei der <em>Royal Conservatory<\/em> in Antwerpen zu besuchen. Durch die freundliche Unterst\u00fctzung des Senats und als <em>Kick-off<\/em> f\u00fcr die an der mdw neu gegr\u00fcndete Arbeitsgruppe <em>Recherche k\u00fcnstlerisches Doktorat<\/em> hat man mich zu der Konferenz entsandt. Etwas Hintergrundinformationen zu der Konferenz: Sie wird von der AEC oder <em>Association Europ\u00e9enne des Conservatoires, Academies de Musique et Musikhochschulen<\/em> veranstaltet. Die AEC ist ein europ\u00e4isches Kultur- und Bildungsnetzwerk bestehend aus circa 300 Mitglieds-Institutionen f\u00fcr professionelle Musikausbildung aus 57 L\u00e4ndern. Die mdw ist seit vielen Jahren als Mitglied dabei. Die AEC veranstaltet seit 2013 j\u00e4hrlich die EPARM Konferenz um MusikerInnen, ForscherInnen und LehrerInnen aus der ganzen Welt f\u00fcr Pr\u00e4sentationen von Artistic Research Projekten und regen Gedankenaustausch dar\u00fcber zusammen zu bringen.<\/p>\n<p>Das Thema der Konferenz dieses Jahr war <em>Staging Research: form the laboratory to the stage and back again<\/em>. Die TeilnehmerInnen haben \u00fcber die Verbindungen zwischen Artistic Research und professionellem Musizieren reflektiert und diskutiert. Die Konferenz strotzte vor neuen Ideen; es war spannend daran teilzuhaben! Die kreative und vor allem innovative Energie die bei der Konferenz zu sp\u00fcren war, war einfach beeindruckend.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1101\" aria-describedby=\"caption-attachment-1101\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1101\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen.jpg\" alt=\"EPARM 2017\" width=\"400\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/antwerpen-257x300.jpg 257w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1101\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Lisa Herger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es gab 19 Pr\u00e4sentationen \u00fcber diverse Aspekte von Artistic Research. Die pr\u00e4sentierten Projekte waren vielf\u00e4ltig. Sie reichten von tiefgehenden Analysen des eigenen kreativen Prozesses durchgef\u00fchrt von KomponistInnen, DirigentInnen, InterpretInnen und auch RegisseurInnen, \u00fcber MusikerInnen die mit der Gestaltung ihrer eigenen Auff\u00fchrungen sowohl auf der B\u00fchne als auch online experimentierten, zu MusikerInnen die Experimente dazu machten, wie man die Grenzen der Interpretation bis ins Extreme dehnen kann, um zu sehen was mit dem Musiker\/der Musikerin und dem Zuh\u00f6rer\/der Zuh\u00f6rerin passiert, wenn man zu der traditionellen Interpretation zur\u00fcckkehrt. Nach jeder Pr\u00e4sentation der verschiedenen Projekte gab es Zeit f\u00fcr rege Diskussionen und Ideenaustausch der KonferenzteilnehmerInnen. Die Konferenz wurde so richtig lebendig bei den <em>Networking Sessions<\/em> zwischen den Pr\u00e4sentationen, die ein lebhafter intellektueller Austausch waren. Dadurch entstand f\u00fcr mich ein klares Bild, dass Artistic Research auf dem Doktorat Niveau, auch <em>3rd cycle level<\/em> genannt, in vielen heterogenen Formen existiert, die aber alle eines gemeinsam haben: die Erzeugung von neuem Wissen und von neuen Ans\u00e4tzen und Rollen f\u00fcr MusikerInnen, Musik und das Musizieren, kurz gesagt, die Erschlie\u00dfung der K\u00fcnste.<\/p>\n<p>Bei den <em>Networking Sessions<\/em> hatte ich die Gelegenheit, vielen Menschen von verschiedenen Institutionen weltweit, die erfolgreiche Doktoratstudien (<em>3rd cycle studies<\/em>) in Artistic Research leiten, kennen zu lernen. Unter denen waren Peter Dejans vom Orpheus Institut in Ghent, Peter Tornquist und Darla Crispin von der Norwegian Academy of Music, Georg Schulz, Deniz Peters, und Michael Kahr von der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik in Graz, Anu Vehvil\u00e4onen und Kristiina Ilmonen von der Sibelius Academy in Finnland, Denise Neary von der Royal Irish Academy of Music, um nur einige namentlich zu erw\u00e4hnen. Obwohl jede Institution ihren eigenen Ansatz zu Doktoratstudien in Artistic Research hat, haben sie alle gemeinsam ihre Bereitschaft miteinander und mit Neulingen f\u00fcr die Entwicklung von Artistic Research zusammen zu arbeiten und ihre Offenheit f\u00fcr neue und innovative Ideen.<\/p>\n<p>Eine Pr\u00e4sentation, die ich besonders spannend fand, war <em>Schubert Revisited<\/em>, pr\u00e4sentiert von dem S\u00e4nger Frank Havroy und dem Pianisten Gunnar Flagstad, die beide Associate Professors an der norwegischen Musikakademie in Oslo sind. Bei ihrer Pr\u00e4sentation haben sie die Grenzen der traditionellen Schubert Lied-Interpretation auf den Kopf gestellt, indem sie faszinierende Experimente mit verschiedenen Stilrichtungen gemacht haben. Die daraus entstandene Musik hat das Publikum gebannt am Rande des Sitzes gehalten! Mit den Experimenten gingen sie auf Fragestellungen ein, wie z.B.: \u201e<em>What is tradition, and should we see ourselves as being at the end or at the beginning of a tradition?<\/em>\u201c und \u201c<em>How obliged are we to be a part of a performance practice, or should we be obliged to seek to challenge the performance practice?<\/em>\u201d Die k\u00fcnstlerische und Artistic Research <em>outcomes<\/em> von diesen Experimenten kamen beim Publikum ausgezeichnet an und die Publikumsdiskussion anschlie\u00dfend sprengte, \u00e4hnlich wie die Experimente, den vorgegebenen Rahmen und sind lange und enthusiastisch im Foyer bei der Pause weitergef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>Die vielen exzellenten Pr\u00e4sentationen kann ich nicht alle hier detailliert auflisten, aber eine letzte m\u00f6chte ich noch erw\u00e4hnen. Die <em>Vocal Artist<\/em>, Charulatha Mani ist eine <em>Doctoral Studies<\/em> Forscherin vom Queensland Conservatorium of Music bei Griffith University in Brisbane, Australien. Ihr Forschungsprojekt war zum Thema: <em>Using the lens of South Indian Carnatic tradition<\/em> (eine vokale Improvisations- und Erz\u00e4hltradition aus S\u00fcd-Indien) <em>to re-imagine Claudio Monteverdi\u2019s writings for the voice in his musical dramas<\/em>. Charulatha Mani hat auch bei der Academy of Music in Norwegen k\u00fcnstlerische Forschung zu ihrem Thema durchgef\u00fchrt. Und es war die Direktorin des Arne Nordheim Center f\u00fcr Artistic Research, Dr. Darla Crispin, die die Relevanz dieser Forschung insbesondere und<\/p>\n<p>Artistic Research im Allgemeinen wundersch\u00f6n in Worte gekleidet hat, ich zitiere sinngem\u00e4\u00df, \u201e\u2026<em>through her research, Charulatha Mani finds meaningful parallels and common ground between the Eastern and Western musical traditions. <\/em><em>In a world where cultural and politcal Nationalism threatens to re-emerge, this project illustrates perfectly the important role Artistic Research plays in enabling and promoting artistic and cultural Pluralism and interdisciplinary work in the Arts and Sciences, building bridges, not walls<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Der pr\u00e4gendste Eindruck den ich von der Konferenz mitgenommen habe ist, dass Artistic Research f\u00fcr Musiker <em>empowering<\/em> ist. Ich verwende hier bewusst den englischen Ausdruck, denn ich finde keinen perfekt passenden deutschen Ausdruck. Empowering hei\u00dft so viel wie mit <em>power<\/em> erf\u00fcllend, oder mit Lebensenergie und sch\u00f6pferischer Kraft erf\u00fcllend. In diesem Zusammenhang besteht das <em>Empowerment<\/em> darin, dass der Musiker\/die Musikerin, anstatt in der passiven Rolle des <em>zu-erforschenden-Objekts<\/em> gefangen zu bleiben, er oder sie, mitsamt seinem oder ihrem eigenen musischen Tun, in die aktive Rolle des Forschers\/der Forscherin gebracht wird. Die Resultate oder <em>outcomes<\/em> von dieser aktiven Forschung des eigenen Tuns erzeugen neues Wissen, bessere musikalische Auff\u00fchrungen und Interpretationen, die sonst nie erreichbar gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Bei der Konferenz wurde deutlich gemacht, dass Artistic Research ein Weg ist, das schon vorhandene Talent und akademische Potential der Studierenden und Lehrenden zu nutzen, um neue und innovative k\u00fcnstlerische und intellektuelle Leistungen zu produzieren. Die Resultate von Artistic Research sind oft unerwartet und gerade dadurch inspirierend und faszinierend. An den diversen Pr\u00e4sentationen von <em>outcomes<\/em> bei der Konferenz hat man merken k\u00f6nnen, dass ein Gro\u00dfteil der Ressourcen an den Musikuniversit\u00e4ten und \u00e4hnlichen Institutionen schon vorhanden ist. Man m\u00fcsste sie nur einsetzen, um an diesen spannenden Forschungsprozessen teilzunehmen. Ein weiterer wichtiger Eindruck, den ich von der EPARM Konferenz mitgenommen habe ist, dass in Europa Artistic Research keineswegs in einem Vakuum stattfinden muss. Man ist nicht gezwungen das Rad neu zu erfinden. Man hat durch die EPARM die M\u00f6glichkeit, Teil einer aktiven und produktiven internationalen <em>Community<\/em> zu sein. Dieses Netzwerk unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert Artistic Research und forschende MusikerInnen weltweit.<\/p>\n<p>Bei faszinierenden, spannenden Diskussionen mit Artistic Researchers aus aller Welt wurde mit klar, dass Artistic Research auf dem Doktorat Niveau eine wesentliche und f\u00fcr die Kunst und Musik unerl\u00e4ssliche Methode der neuen Wissenserzeugung sowie der Erschlie\u00dfung der K\u00fcnste ist. Bedenkt man, dass Kunstuniversit\u00e4ten nicht nur f\u00fcr die Berufsvorbereitung und das Erwerben von Berufsqualifikationen da sind, sondern auch um neue Rollen und Relevanz f\u00fcr Kunst und K\u00fcnstlerInnen in der Gesellschaft zu etablieren und vor allem auch um neues Wissen zu erzeugen, so kann Artistic Research eine Rechtfertigung und Verst\u00e4rkung der Bedeutung und Notwendigkeit von Kunstuniversit\u00e4ten f\u00fcr die Gesellschaft sein.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.aec-music.eu\/events\/european-platform-for-artistic-research-in-music-eparm-2017\" target=\"_blank\">http:\/\/www.aec-music.eu\/events\/european-platform-for-artistic-research-in-music-eparm-2017<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Landung in Br\u00fcssel befindet man sich in einem belebten Flughafen, erf\u00fcllt mit den Kl\u00e4ngen von Franz\u00f6sisch und Fl\u00e4misch untermischt mit den \u00fcblichen internationalen Sprachen. 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