{"id":10827,"date":"2024-09-25T10:14:18","date_gmt":"2024-09-25T08:14:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=10827"},"modified":"2024-09-27T16:00:41","modified_gmt":"2024-09-27T14:00:41","slug":"spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/","title":{"rendered":"Spirits in Complexity: Making Kin with Experimental Music Systems"},"content":{"rendered":"Das neue k\u00fcnstlerische Forschungsprojekt \u201eSpirits in Complexity\u201c<span id='easy-footnote-1-10827' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/#easy-footnote-bottom-1-10827' title='&lt;a&gt;mdw.ac.at\/spirits-in-complexity&lt;\/a&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> ist eine Kooperation der mdw mit der Johannes Kepler Universit\u00e4t (JKU) in Linz, dem KTH Royal Institute of Technology in Stockholm, der University of the Arts in Reykjav\u00edk sowie weiterer k\u00fcnstlerischer und wissenschaftlicher Expert_innen. Es wird vom \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds FWF durch die Programme PEEK und der AI Mission Austria gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Hier an der mdw sind wir uns der durch musikalische Praxis erzeugten funktionalen und affektiven Beziehung mit beteiligten Objekten sehr bewusst, seien es akustische Instrumente oder anderes technisches Equipment. Mit der Zeit werden diese Objekte zu zuverl\u00e4ssigen professionellen Partnern, die physische und intellektuelle Interaktionen fordern, aber auch infrage stellen. Solchen <i>nicht-menschlichen Entit\u00e4ten<\/i> wird eine sogenannte <i>Thing Power <\/i>zugeschrieben, mit der F\u00e4higkeit, den Status blo\u00dfen Objekt-Seins zu \u00fcberwinden und Begegnungen mit einem <i>Au\u00dfer-halb<\/i> unserer t\u00e4glichen Erfahrung zu erwirken. Arbeitsbeziehungen mit ihnen k\u00f6nnen eine reziproke <i>Partnerschaft<\/i> sein, aber auch von einer mehr verhandelnden oder sogar konfrontativen Natur, sie k\u00f6nnen aber auch rituelle und spirituelle Formen annehmen. In unserem Projekt wird die Idee der <i>Spirits<\/i> (Geister) als Metapher f\u00fcr eine undurchsichtige Komplexit\u00e4t verwendet, sie steht f\u00fcr den Eigenwillen von technologischen Systemen. Solche Werkzeuge sind auf eine Art von Messbarkeit angewiesen, welche oft im Kontrast zur Motivation und Praxis k\u00fcnstlerischen Ausdrucks steht, vor allem in der Musik. Wie kann sich also der Einsatz von Technologie in der k\u00fcnstlerischen Praxis \u00e4ndern, wenn er von einer analytischen Perspektive zu einer Wechselbeziehung zwischen Aushandlung, Konfrontation oder T\u00e4uschung wechselt? Welche Wissensformen sind hier impliziert? Was ist die praktische und theoretische Auswirkung der Black-Box-Systeme zeitgen\u00f6ssischer Technologien? Wie kann sich k\u00fcnstlerische Praxis an die unbekannte Komplexit\u00e4t und ihren dazugeh\u00f6rigen Kontext ann\u00e4hern, wie sie steuern und beleben? Das Projekt begann im April mit einem Symposium an der mdw, wo sich alle Projektpartner f\u00fcr interne Sessions, aber auch \u00f6ffentlichen Diskussionen und Kunstperformances trafen. Als Artistic-Research-Projekt wird das Forschungsthema innerhalb der K\u00fcnste und vor allem mittels und durch die K\u00fcnste untersucht, anhand eines vielf\u00e4ltigen Methodensets, oft interdisziplin\u00e4r und von einer experimentellen oder spekulativen Natur.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11003\" aria-describedby=\"caption-attachment-11003\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11003\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-2048x1365.jpeg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05295-850x567.jpeg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11003\" class=\"wp-caption-text\">Ang\u00e9lica Castell\u00f3 \u00a9 Thomas Grill<\/figcaption><\/figure>\n<p>An der mdw wird das Projekt von Thomas Grill vom Artistic Research Center geleitet, mit den k\u00fcnstlerischen Forscher_innen Ang\u00e9lica Castell\u00f3, Marco D\u00f6ttlinger, Patrik Lechner and Hui Ye, dem Soziologen Tasos Zembylas und der studentischen Mitarbeiterin Miriam Jochmann. Unser Partner an der JKU ist Arthur Flexer, Experte im Machine Learning. Alle beteiligten Forscher_innen erweitern und beleuchten das Forschungsthema um eine eigene und eigenst\u00e4ndige Perspektive bzw. Facette:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/setzkastenwien.at\/2024\/07\/03\/totem-evolving-installation-angelica-castello\/\">Ang\u00e9lica Castell\u00f3<\/a> erforscht das individuelle Leben von Musikmaschinen wie Kassettenrekordern und Synthesizern: Wie sie durch ihre Verwendung geformt wurden, Patina und besondere Eigenschaften erhielten, ob voll funktionsf\u00e4hig oder \u201eau\u00dfer Betrieb\u201c. Zerfallsprozesse scheinen besonders enth\u00fcllend, da dadurch eine Maschine ihre Materialit\u00e4t und Struktur offenbart.<\/p>\n<p>Patrik Lechner stellt die K\u00f6rperlichkeit der Materialit\u00e4t und der Umgebung auf die Probe, indem er sie in Virtualisierungen modelliert, wobei grundlegende Parameter ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen. <i>Procedural Modeling<\/i> erm\u00f6glicht die Einbindung von unnat\u00fcrlichen \u00c4nderungen in die Eigenschaften von Musiksystemen und deren Umgebungen, wobei neue Erkenntnisse und kreative M\u00f6glichkeiten generiert werden.<\/p>\n<p>Thomas Grill untersucht Audiotechnologie und ihr Umfeld innerhalb eines Rahmens an Feedbackstrategien, wo die anf\u00e4ngliche Audioinformation zugunsten von systemischen Eigenschaften immer weiter in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wird, abh\u00e4ngig von der Beziehung von materiellen\/strukturellen und kontextuellen Komponenten \u2013 mit nur einem kleinen Hauch an menschlichem Einfluss.<\/p>\n<p>KI-(Musik-)Systeme abstrahieren am meisten von physischen und sinnlichen Ph\u00e4nomenen, versprechen jedoch einen gewissen Realismus, den sie mithilfe riesiger musikalischer Korpora gewinnen. Das komplexe Wesen dieser Technologie und die Tatsache, dass ihre Funktionsweise nicht ganz verstanden und erfasst werden kann, machen sie zu einem guten Beispiel f\u00fcr eine Black Box. In diesem Kontext untersucht Hui Ye die Mechanismen von KI-Sprachsynthese mittels Untersuchung nicht-menschlicher \u201eVokalisation\u201c der Maschine, w\u00e4hrend Arthur Flexer generative Musiksysteme mit sogenannten Adversarial Attacks unterwandert. Marco D\u00f6ttlinger arbeitet wiederum an KI-basierten Kompositionen, die menschliche und nicht-menschliche Teilnehmer_innen als Co-Autor_innen miteinbeziehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_11002\" aria-describedby=\"caption-attachment-11002\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-11002\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-1024x683.jpeg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-2048x1365.jpeg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/DSC05288-850x567.jpeg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11002\" class=\"wp-caption-text\">\u201eDirty Space&#8220; von Thomas Grill \u00a9 Thomas Grill<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zembylas und Jochmann beobachten, dokumentieren, kommentieren und analysieren die umfassenden Forschungsprozesse, die oft nichtlinear oder miteinander verwoben sind, reflektieren diese und lassen die gewonnenen Beobachtungen dann in unsere Teamarbeit zur\u00fcckflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Insgesamt sind wir der Meinung, dass ein Schritt weg von der Kontrollperspektive gegen\u00fcber Technologie in den K\u00fcnsten und hin zu einer diskursiven, erforschenden Praxis von \u201eMaking Kin\u201c bzw. dem Erschlie\u00dfen von Verwandtschaftsverh\u00e4ltnissen und Partnerschaftsbeziehungen entscheidende und ansonsten unzug\u00e4ngliche Potenziale er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten waren Marco D\u00f6ttlingers Projekt \u201epoints of no return\u201c bei den Klangspuren Schwaz am 10. September<span id='easy-footnote-2-10827' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/#easy-footnote-bottom-2-10827' title='&lt;a&gt;klangspuren.at\/festival\/festival-programm\/festival-detail\/names-ensemble&lt;\/a&gt;'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>, Marino Formentis, Thomas Grills und Irena Toma\u017eins Auftritt \u201eMy voice my void\u201c bei den Musiktheatertagen Wien am 18. September<span id='easy-footnote-3-10827' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/#easy-footnote-bottom-3-10827' title='&lt;a&gt;mttw.at\/my-voice-my-void&lt;\/a&gt;'><sup>3<\/sup><\/a><\/span> und eine Quartett-Auff\u00fchrung von Castell\u00f3, D\u00f6ttlinger, Grill und Lechner beim Speculative Synthesis Symposium am 27. September in Graz<span id='easy-footnote-4-10827' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/#easy-footnote-bottom-4-10827' title='&lt;a&gt;speculativesoundsynthesis.iem.sh\/symposium&lt;\/a&gt;'><sup>4<\/sup><\/a><\/span>. KI-basierte Kompositionen von D\u00f6ttlinger f\u00fcr \u201eThe Morricone Project\u201c mit dem Black Page Orchestra werden im Wiener Musikverein am 8. Mai 2025<span id='easy-footnote-5-10827' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/25\/spirits-in-complexity-making-kin-with-experimental-music-systems\/#easy-footnote-bottom-5-10827' title='&lt;a&gt;musikverein.at\/konzert\/?id=0005f7da&lt;\/a&gt;'><sup>5<\/sup><\/a><\/span> vorgestellt.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue k\u00fcnstlerische Forschungsprojekt \u201eSpirits in Complexity\u201c ist eine Kooperation der mdw mit der Johannes Kepler Universit\u00e4t (JKU) in Linz, dem KTH Royal Institute of Technology in Stockholm, der University of the Arts in Reykjav\u00edk sowie weiterer k\u00fcnstlerischer und wissenschaftlicher Expert_innen.<\/p>\n","protected":false},"author":139,"featured_media":10829,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1501,989,33,854],"class_list":["post-10827","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2024-3","tag-artisticresearch","tag-research","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/139"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10827"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10827\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11161,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10827\/revisions\/11161"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}