{"id":10806,"date":"2024-09-24T17:05:59","date_gmt":"2024-09-24T15:05:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=10806"},"modified":"2024-12-10T13:57:03","modified_gmt":"2024-12-10T12:57:03","slug":"ganz-schoen-maechtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/24\/ganz-schoen-maechtig\/","title":{"rendered":"Ganz sch\u00f6n m\u00e4chtig"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Podiumsgespr\u00e4ch \u00fcber Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Theater<\/h1>\n<p>\u201eUnsere Bestandsaufnahme nach vier Jahren Frauenquote beim Theatertreffen dokumentiert auch eine Theaterlandschaft im Umbruch, in der sich Positionen zunehmend ausdifferenzieren, intersektionale Perspektiven an Gewicht gewinnen und das Selbstbewusstsein der Protagonistinnen w\u00e4chst. Gleichwohl ist die strukturelle Diskriminierung von Frauen nicht totzukriegen: Ob sie nun in Form von sexistischen Bemerkungen, unverhohlener Misogynie, Mansplaining oder offenem Boykott auftritt\u201c<span id='easy-footnote-1-10806' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/09\/24\/ganz-schoen-maechtig\/#easy-footnote-bottom-1-10806' title='Sabine Leucht, Petra Paterno, Katrin Ullmann: (Hg.). &lt;i&gt;Status Quote. Theater im Umbruch: Regisseurinnen im Gespr\u00e4ch&lt;\/i&gt;, Leipzig, 2023'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>, halten Sabine Leucht, Petra Paterno und Katrin Ullmann in ihrem 2023 erschienen Buch <i>Status Quote. Theater im Umbruch: Regisseurinnen im Gespr\u00e4ch <\/i>fest.<\/p>\n<p>In dem hierarchisch und patriarchal gepr\u00e4gten System des Theaterbetriebs ziehen sich Geschlechterverh\u00e4ltnisse durch alle Arbeitsbereiche, sind jedoch ganz unterschiedlich verteilt und ausgepr\u00e4gt \u2013 je h\u00f6her oben auf der Hierarchieleiter und je gr\u00f6\u00dfer Macht, Einfluss, k\u00fcnstlerischer Gestaltungsspielraum und Gehalt, desto weniger Frauen sind in diesen Positionen zu finden. So gibt es auch im Theater eine \u201egl\u00e4serne Decke\u201c, die, einmal durchbrochen, schnell an die \u201egl\u00e4serne Klippe\u201c f\u00fchren kann \u2013 ein Begriff, der auf das Ph\u00e4nomen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass Frauen erst dann in F\u00fchrungspositionen kommen oder Zugang zu mehr Macht erhalten, wenn das Risiko des Scheiterns besonders gro\u00df ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10809\" aria-describedby=\"caption-attachment-10809\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10809\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/m\u00e4chtig-c-stp-print-062-7229-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10809\" class=\"wp-caption-text\">Petra Paterno, Bettina Hering, Julia Wissert &amp; Alexandra Althoff (v. l. n. r.) \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Anlass genug, um im Kontext des diesj\u00e4hrigen internationalen feministischen Frauentags an der mdw \u00fcber Macht- und Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Theater zu sprechen. Unter der Moderation von Alexandra Althoff, Institutsleiterin des Max Reinhardt Seminars, kamen die Dramaturgin, Regisseurin und ehemalige Leiterin des Schauspiel der <i>Salzburger Festspiele<\/i> Bettina Hering, Petra Paterno, Mitherausgeberin der Publikation <i>Status Quote<\/i> und Referentin f\u00fcr darstellende Kunst im Bundesministerium f\u00fcr Kunst, Kultur, \u00f6ffentlichen Dienst und Sport sowie Julia Wissert, Intendantin am Schauspiel Dortmund und mitverantwortlich f\u00fcr die Entwicklung der Anti-Rassismus-Klausel in Theatervertr\u00e4gen miteinander ins Gespr\u00e4ch. Mit einem Fokus auf die Leitungsperspektive und die Bedingungen machtkritischer, institutioneller Ver\u00e4nderungsarbeit ging es um ihre eigenen biografischen Wege, um Strategien f\u00fcr mehr Geschlechtergerechtigkeit und Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen gegen\u00fcber Machtmissbrauch bis hin zur Frage, welche Tools sie einer angehenden Generation von Theatermachenden mitgeben m\u00f6chten. Die Quotenregelung, wie sie 2020 beim <i>Berliner Theatertreffen<\/i> f\u00fcr die ausgew\u00e4hlten Regiepositionen eingef\u00fchrt wurde, stellte beispielsweise ein wirksames Begleitinstrument dar und war zugleich ein zentraler Marker f\u00fcr die Karriereentwicklung der eingeladenen Regisseurinnen, res\u00fcmierte Paterno zu Beginn des Gespr\u00e4chs.<\/p>\n<blockquote><p>Je mehr du versuchst die Institution zu \u00f6ffnen, desto komplexer werden Gespr\u00e4che \u00fcber Macht, weil es nat\u00fcrlich immer damit zu tun hat, wer sich mit welchem K\u00f6rper in welcher Position bewegt.<\/p>\n<p>Julia Wissert, Intendantin am Schauspiel Dortmund<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit einem Blick auf das Innere von Organisationen, pl\u00e4dierte Julia Wissert f\u00fcr die Erm\u00f6glichung und Etablierung einer machtkritischen, diversit\u00e4tssensiblen Arbeitspraxis im Theater, die in der Verantwortung der leitenden Personen liegt, um Ver\u00e4nderungen voranbringen zu k\u00f6nnen. Dabei geht es darum, strukturelle Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen m\u00f6glichst viele, m\u00f6glichst unterschiedliche Personen und Perspektiven m\u00f6glichst gut miteinander innerhalb der Institution arbeiten k\u00f6nnen und gleichzeitig ein Ort zu sein, an dem diversit\u00e4tsreflektiert programmiert und herausragende Kunst produziert wird. Eine diskriminierungskritische Arbeitspraxis bedeutet also, dass k\u00fcnstlerische, \u00e4sthetische Arbeit immer einhergeht mit einem Aufbrechen von macht- und angstvollen hierarchischen Strukturen \u2013 und das braucht Zeit, Ressourcen und Expertise.<\/p>\n<p>Welches Wissen braucht es daf\u00fcr? Was ist wichtig zu lernen und ver_lernen? Welche Tools gibt es, die Studierende als angehende Theatermachende brauchen und die sie bereits in der Ausbildung lernen und \u00fcben k\u00f6nnen? Neben der Notwendigkeit, sich ein breites Netzwerk aufzubauen, kollegial und solidarisch \u2013 auch bei sich differenzierenden Perspektiven \u2013 miteinander zu arbeiten und sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen, greift Bettina Hering zwei weitere, wesentliche Instrumente heraus: das Wissen um die Historizit\u00e4t sowie die Bedeutung der Kommunikationsf\u00e4higkeit. So ist es zentral und best\u00e4rkend f\u00fcr die eigene Positionierung einen Blick in die Theatergeschichte und auf die Entwicklungen der eigenen Disziplin zu werfen, um zu wissen, woher man selbst beruflich kommt. Ebenso grundlegend ist es, ausreichend R\u00e4ume und regelm\u00e4\u00dfige, strukturierte M\u00f6glichkeiten zu haben, um miteinander ins Sprechen zu kommen \u2013 \u00fcber potenzielle \u00c4ngste, Bedenken, Unstimmigkeiten, Konkurrenz, W\u00fcnsche etc.<\/p>\n<p>Diese vielgestaltigen R\u00e4ume des Austauschs, der Vernetzung, der gemeinsamen kritischen Reflexion sowie Safer Spaces und Empowerment-M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Personen, die marginalisiert werden, sind ein zentraler Aspekt kritischer Diversit\u00e4tsarbeit im Theater. Aber nicht nur dort, sondern auch an Orten der k\u00fcnstlerischen Ausbildung.<\/p>\n<hr \/>\n<h4><strong>Veranstaltungstipp:<br \/>\n<\/strong><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/veranstaltung\/?v=20142&amp;g=13840\">Ganz sch\u00f6n m\u00e4chtig<\/a><br \/>\n<strong>Vielfalt &amp; Repr\u00e4sentation am Theater, 1. Oktober, 19 Uhr, Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn<br \/>\n<\/strong><\/h4>\n<h1><\/h1>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Podiumsgespr\u00e4ch \u00fcber Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Theater \u201eUnsere Bestandsaufnahme nach vier Jahren Frauenquote beim Theatertreffen dokumentiert auch eine Theaterlandschaft im Umbruch, in der sich Positionen zunehmend ausdifferenzieren, intersektionale Perspektiven an Gewicht gewinnen und das Selbstbewusstsein der Protagonistinnen w\u00e4chst. 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