{"id":10657,"date":"2024-07-29T14:19:01","date_gmt":"2024-07-29T12:19:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=10657"},"modified":"2024-07-30T12:56:01","modified_gmt":"2024-07-30T10:56:01","slug":"phaenomen-taylor-swift","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/07\/29\/phaenomen-taylor-swift\/","title":{"rendered":"Ph\u00e4nomen Taylor Swift: Warum die S\u00e4ngerin so erfolgreich ist"},"content":{"rendered":"Unter der Leitung von Ralf von Appen, Leiter des ipop \u2013 Institut f\u00fcr Popularmusik, fand im vergangenen Sommersemester an der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien erstmals ein Seminar mit einem Schwerpunkt zur US-amerikanischen S\u00e4ngerin Taylor Swift statt. Gemeinsam mit Studienassistentin Mira Perusich und 23 Studierenden wurde Swift wissenschaftlich genau unter die Lupe genommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10663\" aria-describedby=\"caption-attachment-10663\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10663 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-1024x771.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"640\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-1024x771.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-300x226.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-768x578.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-1536x1156.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat-850x640.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Seminar2_c_privat.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10663\" class=\"wp-caption-text\">Die Teilnehmer_innen des Seminars. \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zus\u00e4tzlich wurde der Diskurs von vier Gastdozenten bereichert. Der Blogger Asaf Peres sprach, via Online-Meeting aus New York, \u00fcber Merkmale von aktuellen Top-40-Hits. Malte Kob vom Antonio Salieri Institut f\u00fcr Gesang und Stimmforschung in der Musikp\u00e4dagogik erm\u00f6glichte einen genaueren Einblick in die Stimmanalyse. Patrick Pulsinger, Musikproduzent und Gastdozent in diesem Sommersemester am ipop, sowie Musiker und ipop-Lehrender Josef Doblhofer, brachten ihr vielf\u00e4ltiges Wissen bei der Repertoirekunde ein. Die zentrale Forschungsfrage, die sich schlie\u00dflich \u00fcber das ganze Semester erstreckte, lautete: Warum ist Taylor Swift so erfolgreich?<\/p>\n<p><strong>Swifties<br \/>\n<\/strong>Um diese Frage zu beantworten, besch\u00e4ftigte man sich zun\u00e4chst mit den Personen, die diesen Erfolg erst m\u00f6glich gemacht haben: den Fans. Die selbsternannten \u201eSwifties\u201c sind eine Gruppe, die vor allem durch Zusammenhalt untereinander gepr\u00e4gt ist. Im Zentrum dieser Popkultur steht nicht die Ausgrenzung, sondern die Inklusion von Fans, unabh\u00e4ngig von ihren Backgrounds. Wie involviert die Fans in Bezug auf ihre Ikone sind, wird durch die sogenannten Eastereggs sichtbar. In \u00c4u\u00dferungen, Songtexten, Posts oder auch Farben und Zahlen werden versteckte Hinweise von Swift vermutet und akribisch gesucht. Ebenfalls wird die Beziehung der \u201eSwifties\u201c zu ihrem Idol durch Interaktionen auf Social Media erkennbar, bei der \u201eSwifties\u201c stets auf freundschaftlicher Ebene mit der S\u00e4ngerin kommunizieren und ihre Unterst\u00fctzung zum Ausdruck bringen.<\/p>\n<p><strong>Songtexte &amp; \u00c4sthetik<br \/>\n<\/strong>Bei der Analyse ihrer Songs kamen die Studierenden zu einem wenig \u00fcberraschenden, aber dennoch aufschlussreichen Ergebnis \u00fcber die von Taylor Swift verwendeten Akkordfolgen. In fast der H\u00e4lfte der \u00fcber 60 analysierten Songs wird die gleiche Akkordfolge I\/IV\/V\/vi benutzt und auch \u00fcberwiegend mit leitereigenen Akkorden komponiert. Auch Swifts Spitzname als \u201eQueen of Bridges\u201c lie\u00df sich best\u00e4tigen \u2013 in 85 Prozent der analysierten Songs kommt ein solch \u00fcberleitender Teil vor.<\/p>\n<p>Ein Blick auf die Produktion brachte hingegen \u00dcberraschendes zu Tage. Zum einen wird mit einer Vielzahl an Klangquellen und Sounds gearbeitet, zum anderen folgt jedes ihrer Alben einer \u2013 sich stetig \u00e4ndernden \u2013 klaren \u00c4sthetik, welche sich auch durch den Einsatz unterschiedlicher Instrumentengruppen feststellen l\u00e4sst. W\u00e4hrend sie auf ihrem Deb\u00fctalbum <em>Taylor Swift<\/em> etwa noch vorwiegend akustische Instrumente verwendete, finden sich auf <em>1989<\/em> haupts\u00e4chlich Synthesizer und Drum Machines. Mit Ausnahme der Indie-Folk-Alben <em>Folklore<\/em> und <em>Evermore<\/em> zieht sich dieser Wechsel hin zum Synthpop bis zu ihrem zuletzt ver\u00f6ffentlichten Album <em>The Tortured Poets Department<\/em> durch.<\/p>\n<figure id=\"attachment_10668\" aria-describedby=\"caption-attachment-10668\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-10668 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-1024x587.png\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-1024x587.png 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-300x172.png 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-768x440.png 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-1536x880.png 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-384x220.png 384w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin-850x487.png 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Bracelets_Magazin.png 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10668\" class=\"wp-caption-text\">Eine Songzeile aus \u201eYou\u2019re On Your Own Kid\u201c inspirierte Fans weltweit dazu, Freundschaftsarmb\u00e4nder zu kn\u00fcpfen und zu tauschen. \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine \u00c4sthetik war auch bei der Analyse ihrer Lyrics zu erkennen. Das Thema Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Songtexte. Das sorgt daf\u00fcr, dass sich f\u00fcr praktisch jede Phase der Liebe und des Verliebtseins ein passender Song finden l\u00e4sst. Andere Themen stellen bei ihren Texten eher die Ausnahme dar. Wie manche Texte aufgefasst werden, zeigt sich auch am Ph\u00e4nomen der Friendship Bracelets: Die Songzeile \u201eMake the friendship bracelets, take the moment and taste it\u201c aus dem Song <em>You\u2019re On Your Own Kid<\/em> inspirierte Fans weltweit dazu, Freundschaftsarmb\u00e4nder zu kn\u00fcpfen und bei Konzerten untereinander zu tauschen.<\/p>\n<p>Nicht nur Taylor Swifts Texte bieten die M\u00f6glichkeit, sich mit ihr zu identifizieren: Auch mit ihrem Stimmeinsatz und gesanglichen K\u00fcnsten vermittelt Taylor Swift einen nat\u00fcrlichen Stil. Ihre Stimme ist klar und weist kaum Rauheiten auf, was diese vermeintliche Nat\u00fcrlichkeit hervorhebt. Swift hat ihre ersten Alben neu ver\u00f6ffentlicht, um, nach einem langen Streit mit ihrer ehemaligen Plattenfirma, selbst die Rechte dieser Albenzu erhalten, wobei die Produktion auf Reproduktion setzt und nur ihre Stimme als gro\u00dfer Unterschied wahrgenommen werden kann.<\/p>\n<p>Beim Vergleich der beiden Versionen wird durchaus eine Stimmentwicklung sichtbar \u2013 sie klingt auf den sogenannten <em>Taylor\u2019s Versions<\/em> ihrer bisherigen Alben erwachsener und ist sicherer in Intonation und Stimmf\u00fchrung, w\u00e4hrend auf den \u201eOriginal Releases\u201c ihre Stimme kindlicher und unreifer klingt. Auffallend ist, dass bei den ersten Versionen der Alben Backing Vocals mit Autotune bearbeitet wurden, w\u00e4hrend ihre Stimme unbearbeitet einen authentischen Charakter aufweist.<\/p>\n<p><strong>Image<br \/>\n<\/strong>Dies k\u00f6nnte man als Inszenierung oder Hervorhebung ihrer Authentizit\u00e4t verstehen, die Taylor Swift auch in anderen Bereichen vermittelt. Ihr Image und ihre Persona \u2013 also zum einen die Art und Weise, wie sie von der Gesellschaft wahrgenommen wird, und zum anderen die Facetten, die sie von sich selbst darstellt und dem Publikum vermittelt \u2013 weisen einen hohen Grad an Nahbarkeit auf.<\/p>\n<p>Sie schafft es, private Einblicke in ihren Alltag\u00a0zu geben und zugleich als riesiger Popstar aufzutreten. Im Konzertfilm <em>The Eras Tour<\/em> bekommt das Publikum eine perfekt choreografierte und durchdachte Show zu sehen, w\u00e4hrend sie bei Formaten wie beispielsweise dem Tiny Desk Concert auf gro\u00dfe Inszenierungen verzichtet, als Solok\u00fcnstlerin eine Auswahl an Liedern alleine pr\u00e4sentiert und dar\u00fcber hinaus auch Einblicke in Schreibprozesse erm\u00f6glicht sowie Hintergr\u00fcnde der Songs preisgibt. In der Dokumentation <em>Miss Americana<\/em> werden ebenfalls pers\u00f6nliche Aspekte an Zuseher_innen herangetragen, wie beispielsweise Swifts erste gro\u00dfe \u2013 aber sp\u00e4te \u2013 politische Positionierung, bei der sie sich gegen eine konservative Senatorin ausgesprochen hat. Diese allerdings selten vorkommende klare politische Haltung Swifts k\u00f6nnte man aber auch als Vorsichtsma\u00dfnahme betrachten, Fans nicht aufgrund von politischen Ausrichtungen zu vertreiben.<\/p>\n<p><strong>Feminismus<br \/>\n<\/strong>Die Frage, ob Taylor Swift als Feministin gesehen werden kann, ist nicht allgemeing\u00fcltig zu beantworten: W\u00e4hrend sie sich als Feministin pr\u00e4sentiert und auch selbst behauptet eine zu sein, repr\u00e4sentiert sie dennoch sehr heteronormative und konservative Wertvorstellungen von Weiblichkeit. W\u00e4hrend die Ver\u00f6ffentlichungen der <em>Taylor\u2019s Versions<\/em> als feministischer Akt verstanden werden kann, steht auf der anderen Seite die Frage, wie inklusiv dieser von Swift verk\u00f6rperte Feminismus tats\u00e4chlich ist. Ob Swifts politische Positionierung und ihr gelebter Feminismus als ausreichend gelten, muss letztendlich jede_r f\u00fcr sich selbst entscheiden.<\/p>\n<p><strong>Social Media &amp; Fazit<br \/>\n<\/strong>Taylor Swift und ihr Erfolg lassen sich nicht auf eine einzige Formel zur\u00fcckf\u00fchren, weil viele verschiedene Aspekte zusammenwirken. Von Bedeutung ist auch die Tatsache, dass Kommunikation und Interaktion via Internet und vor allem Social Media neue M\u00f6glichkeiten darstellen, Reichweite zu generieren. Bei den gro\u00dfen Popstars fr\u00fcherer Jahrzehnte existierten diese Plattformen noch nicht. F\u00fcr Swift ist das wohl auch einer der Gr\u00fcnde, warum ihre Pr\u00e4senz und Relevanz in den vergangenen Jahren so bedeutend und breitenwirksam werden konnten.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der Leitung von Ralf von Appen, Leiter des ipop \u2013 Institut f\u00fcr Popularmusik, fand im vergangenen Sommersemester an der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien erstmals ein Seminar mit einem Schwerpunkt zur US-amerikanischen S\u00e4ngerin Taylor Swift statt. 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