{"id":1005,"date":"2017-05-02T11:15:26","date_gmt":"2017-05-02T09:15:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1005"},"modified":"2018-09-26T15:35:39","modified_gmt":"2018-09-26T13:35:39","slug":"jubel-ja-aber-mit-augenmass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/02\/jubel-ja-aber-mit-augenmass\/","title":{"rendered":"Jubel? Ja, aber mit Augenma\u00df"},"content":{"rendered":"<strong>Am 8. M\u00e4rz ist die aktuelle Ausgabe des vom Medienunternehmen QS herausgegebenen <em>World University Rankings by Subject<\/em> erschienen. Diese Bestenliste wird anhand eines Vergleichs vieler an den Universit\u00e4ten verorteten wissenschaftlichen Fachgebiete erstellt. Seit 2016 ber\u00fccksichtigt sie auch die darstellenden K\u00fcnste.<\/strong><\/p>\n<p>2016 konnte sich die mdw auf dem beeindruckenden zweiten Platz von weltweit hundert Kunsthochschulen positionieren, dieses Jahr auf Platz f\u00fcnf. Damit ist dieser Fachbereich der bestgereihte aller \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten. Nat\u00fcrlich ist man stolz, dass es eine \u00f6sterreichische Universit\u00e4t im Wettbewerb mit vielen internationalen Mitbewerbern so weit nach oben geschafft hat, und man w\u00fcnscht der mdw von Herzen weitere Ranking-Erfolge. Aber bei aller Freude \u00fcber das gute Ergebnis sollte man ein paar relativierende Fakten \u00fcber Rankings nicht au\u00dfer Acht lassen.<\/p>\n<p>Internationale Hochschulrankings erzeugen hohe Medienresonanz, weil sie eine einfache Antwort auf die eigentlich recht komplizierte Frage zu geben scheinen, welche Universit\u00e4ten die \u201ebesten\u201c der Welt sind. Die Ergebnisse werden allzu gern als verl\u00e4ssliche Vergleichszahl f\u00fcr die akademische Leistung von Hochschulen und deren internationales Standing angesehen. Eine gute Positionierung gilt als Qualit\u00e4tssiegel f\u00fcr Abschl\u00fcsse sowie Forschungsleistung. Zwar ist ihre Bedeutung bei der Studienwahl im Vergleich zum angloamerikanischen Raum und Asien hierzulande noch relativ gering, doch zeigt etwa der Plan A des Bundeskanzlers, der zumindest drei \u00f6sterreichische Universit\u00e4ten unter den weltweiten Top 100 positionieren m\u00f6chte, dass Rankings auf h\u00f6chster politischer Ebene angekommen sind.<\/p>\n<p>Sie bilden jedoch nur einen sehr kleinen Ausschnitt des Spektrums einer Universit\u00e4t ab. Die HerausgeberInnen versuchen komplexe Einrichtungen\u00a0mithilfe einiger weniger quantitativer Indikatoren abzubilden. Im Fall von QS zu einem gro\u00dfen Teil basierend auf Umfragen unter WissenschaftlerInnen und ArbeitgeberInnen. Dabei geht viel an Information verloren. Unter anderem die Lehrdimension, aber auch die Wirkung einer Hochschule in der Gesellschaft. Die kommt bei den meisten Rankings, auch beim QS-Ranking, systematisch zu kurz.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der oft angebrachten Kritik an der Methodik, messen Rankings nicht vergleichbare Einrichtungen. So werden kleine spezialisierte Universit\u00e4ten mit gro\u00dfen, fachlich breit aufgestellten Hochschulen verglichen. Genauso wie private Universit\u00e4ten, die sich vor allem \u00fcber Studiengeb\u00fchren erhalten, mit \u00f6ffentlich finanzierten Einrichtungen. Auch nationale Rahmenbedingungen wie der offene Hochschulzugang in \u00d6sterreich werden nicht ber\u00fccksichtigt. Das resultiert in einem Kampf um die besten Platzierungen unter ungleichen Voraussetzungen. Als ob sich ein Sportwagen aus einem gut finanzierten privaten Rennstall und ein Postbus am selben Autorennen beteiligen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Ranking-Ersteller reagieren teilweise auf die Kritik. Der Trend geht in Richtung kleinteiligerer Rankings, die Fachbereiche, Hochschulen geografischer Regionen und j\u00fcngere Universit\u00e4ten reihen. Bei Fachrankings wie dem QS-Ranking by Subject ist die Unsch\u00e4rfe ein wenig geringer. Es wirft nicht alle Fachbereiche einer Universit\u00e4t mit allen ihren St\u00e4rken und Schw\u00e4chen in einen Topf. Eine kritische Haltung gegen\u00fcber internationalen Rankings und ihrer oft fehleranf\u00e4lligen Methodik ist aber grunds\u00e4tzlich angebracht. Die HerausgeberInnen \u00e4ndern immer wieder die Art der Berechnung der Indikatoren, oft auch ohne dies zu kommunizieren. Man sollte daher immer nur die aktuellsten Rankingergebnisse ber\u00fccksichtigen und keine Vergleiche mit vergangenen Leistungen anstellen. Verursacht von der Methodik treten h\u00e4ufig Schwankungen der j\u00e4hrlichen Resultate auf, die nichts mit der akademischen Leistung einer Hochschule zu tun haben. In diesem Lichte sollte man auch die diesj\u00e4hrige Platzierung der mdw betrachten.<\/p>\n<p>Worauf es jedenfalls ankommt, ist Vorsicht und Augenma\u00df bei der Interpretation der Ergebnisse. Hier bekommen die Universit\u00e4ten Unterst\u00fctzung. Eine von der uniko eingerichtete Arbeitsgruppe besch\u00e4ftigt sich eingehend mit diesem Thema. Ein von ihr herausgegebenes Handbuch zum richtigen Umgang mit Rankings und eine Webpage wurden unl\u00e4ngst ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Johannes Sorz<\/strong><\/p>\n<p>Johannes Sorz ist im B\u00fcro des Rektorats der Universit\u00e4t Wien t\u00e4tig und ist Autor eines Handbuchs der <em>uniko<\/em> zum richtigen Umgang mit Hochschulrankings. Mehr Informationen zu dem Thema unter <a href=\"http:\/\/www.universityrankings.at\" target=\"_blank\">www.universityrankings.at<\/a>.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. 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