For 1, 2 or 3 People von Christian Wolff „Codierung, Übersetzung, Aktion“

Konzeption eines künstlerisch-performativen Projekts zum Thema Performing Translation anhand der Komposition For 1, 2 or 3 People von Christian Wolff (1964)

Konzept und Organisation:

Elisabeth Aigner-Monarth, Manon Liu Winter, Karin Wagner

Institut Ludwig van Beethoven (Tasteninstrumente für Musikpädagogik)

Konzertpräsentation: 1.‒3. Juni 2015

Das Projekt For 1, 2, or 3 People von Christian Wolff „Codierung, Übersetzung, Aktion“ wird an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien – durchgeführt. Gedanken zur Konzeption, die Umsetzungsmöglichkeiten und letztlich Fragen, die sich in der Auseinandersetzung mit dem Konzept der Translation ergeben, werden vorab hier präsentiert.

Mit Christian Wolffs Komposition For 1, 2 or 3 People liegt ein Werk vor, das sich durch seine spezielle Notationsform und die Freiheit, die den InterpretInnen beim Ausführen zugestanden wird, ganz besonders eignet, Fragen nach der „Mittlerfunktion“ des Notentextes zwischen den Intentionen des Komponisten und der Interpretation durch die Ausführenden zu stellen. Erst durch die Kreation des Werkes wird der individuelle Prozess der Übersetzung des Notentextes sichtbar und hörbar. Alleine die theoretische Auseinandersetzung mit dem Notentext könnte nicht genug Aufschluss zu solchen Fragestellungen geben. Aus diesen Überlegungen heraus erscheint für eine künstlerische Auseinandersetzung mit Wolffs Werk ein Ansatz vielversprechend, bei dem im Rahmen eines Konzertes die Annäherung und Aneignung des Werkes durch unterschiedliche InterpretInnen veranschaulicht wird und parallel dazu dieser Prozess wissenschaftlich dokumentiert und begleitet wird.

In einer ersten Phase ist geplant, eine Auswahl an InterpretInnen zu treffen, bei der gezielt unterschiedlichste Konstellationen angestrebt werden:

  1. In Bezug auf die musikalische Sozialisation: MusikerInnen sowohl aus dem Bereich der E-Musik, als auch aus dem Popularmusik-Bereich nehmen an der Projektdurchführung teil.
  2. In Bezug auf die Anzahl der Mitwirkenden: Die von Wolff bereits im Titel anklingende Freiheit betreffend der Anzahl der MusikerInnen soll bei der Auswahl der Ausführenden berücksichtigt werden.
  3. In Bezug auf die Vorerfahrung: Um die Bandbreite der Übersetzungsmöglichkeiten des Notentextes von Wolff zu verdeutlichen, sollen professionelle, im Bereich der zeitgenössischen Musik beheimatete Ensembles nicht professionellen InterpretInnen mit nur geringer Vorerfahrung im Umgang mit modernen Notationsformen gegenübergestellt werden.

In einer zweiten Phase der Projektdurchführung findet die Erarbeitung der Interpretationen durch die einzelnen InterpretInnen bzw. InterpretInnen-Gruppen statt. Dabei werden die Ausführenden angehalten, ihre Entscheidungsprozesse, die zu den jeweiligen Interpretationen geführt haben, zu dokumentieren bzw. in Interviews zu beschreiben. Interessante Fragestellungen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, könnten zum Beispiel sein: Wie erfolgt das erste Vertrautmachen mit der Partitur? Welche Veränderungen in der Arbeit des Übersetzens des Notentextes sind im Laufe des Aneignungsprozesses zu beobachten? Inwieweit entwickeln die Ausführenden ein Bewusstsein für eine „Mit-Autorenschaft“ an Wolffs Komposition im Moment der Kreation?

In einer letzten Phase präsentieren alle beteiligten Ausführenden in einer Konzertsituation ihre individuellen Interpretationsergebnisse. Durch das Gegenüberstellen der unterschiedlichen Fassungen wird die Vielfalt an Übersetzungsmöglichkeiten des Notentextes von Wolff dem Publikum und den Mitwirkenden einen erweiterten Blick auf die Thematik von Translationsprozessen von notierten Kompositionen in Klang geben. Eine Option wäre die Einbindung des Komponisten in das Live-Event, was zusätzliche spannende Fragestellungen ermöglicht. So könnte etwa der Komponist zu seiner Notationsweise aus den 1960er-Jahren befragt werden. Haben sich die Übersetzungsprozesse seines Stückes durch veränderte Hör- bzw. Interpretationsgewohnheiten im Laufe der letzten 50 Jahre verändert? Würde er heute zur Umsetzung der gleichen musikalischen Vorstellung ähnliche oder andere Notationsformen wählen? Das in der Erarbeitungsphase gewonnene Dokumentationsmaterial kann in die Konzertpräsentation in verschiedenen Formen einfließen, so etwa als Programmtext oder in Form einer lecture performance.

Text: Elisabeth Aigner-Monarth