Musik von Minderheiten

Im Rahmen des „Minderheitenschwerpunktes” der 1990 am Institut eingerichtet wurde, werden wissenschaftliche Forschungsprojekte durchgeführt, wie z.B. „Musik der Roma in Österreich”(1990 - 1995), oder „Musik der Bosnier in Wien” (ab 1995); sowie „Einwanderer-Musikkulturen in Wien” (ab 2005), "Musikalische Identifikationen von jugendlichen Geflüchteten" (ab 2016), "Afghanische Musik in Wien" (ab 2018). Die Ergebnisse, sowohl der Forschungsprojekte als auch von Symposien, werden in zahlreichen Publikationen - sowohl Büchern als auch Tonträgern - der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Der „Minderheitenschwerpunkt” fließt auch in die Lehre ein und stößt auf großes Interesse bei den Studierenden, sodass viele Diplomarbeitsthemen sowie Dissertationsthemen über verschiedene Minderheiten vergeben werden. Dabei werden oft kulturelle Communities vor Ort – migrantische Gruppen, aber auch autochthone Volksgruppen oder andere Minderheiten untersucht. Für alle Tätigkeitsbereiche des Minderheitenschwerpunktes ist die enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen der jeweiligen Minderheit unabdingbar.

Die gesellschaftspolitische Dimension einer derartigen Themenstellung wird wahrgenommen. Die Arbeit fördert den Dialog unterschiedlicher Kulturen, nämlich der Mehrheits- und der Minderheitenkulturen in Österreich. Sie dient dem Abbau von Vorurteilen durch die Weitergabe von Information. Sie dient dem Kampf gegen Xenophobie, mit den zur Verfügung stehenden kulturellen Mitteln, z.B. Öffentlichkeitsarbeit, kulturelle Präsentationen.

Außerdem wird die Aufgabe, wissenschaftliche Ergebnisse an die Gesellschaft weiterzugeben auch in Form von Beratungstätigkeit bei verschiedensten Projekten wahrgenommen, sowohl auf der pädagogischen als auch auf der kulturellen Ebene (z.B. bei André Hellers „Magneten” 1993 oder beim pannonischen Musical „coming home” von Christian Kolonovits 2004).

Die internationale fachliche Vernetzung ist sehr erfolgreich und führte 1997 zur Gründung einer eigenen Studiengruppe in der Weltorganisation der Ethnomusikologie, der ICTM. Bis zur Übernahme des ICTM Generalsekretariats wurde die Studiengruppe „Music and Minorities” wurde von Ursula Hemetek geleitet, seit 2017 leitet Svanibor Pettan die Study Group, Sekretärin ist Hande Sağlam. Die Study Group hat hat über 200 Mitglieder aus allen Kontinenten. Es werden im Abstand von 2 Jahren Fach-Konferenzen mit internationaler Beteiligung organisiert.

Bei Minderheitenkulturen handelt es sich sehr oft um bedrohte Kulturen (z.B. Romakultur, bosnische Kultur...), deren wissenschaftliche Aufarbeitung nicht nur wichtig, sondern auch dringend ist. Mit der wissenschaftlichen Beachtung einer Kultur kann der Resignation, dem Absterben und Aufgeben ein Zeichen schöpferischer Neubesinnung entgegengesetzt werden.

Die Sammlung an AV-Dokumenten aus Feldforschungen im Minderheitenbereich seit den 1990er Jahren stellt einen wichtigen Wissensspeicher für Forschungsprojekte aber auch für die Communities selbst dar. Die Digitalisierung und Erschließung der Aufnahmen erfolgt laufend im Rahmen von Archivis Pro.

Betreut wird dieser Schwerpunkt seit 1990 durch ao. Univ. Prof. Dr.Ursula Hemetek, die ihn auch initiiert und sich 2001 zu diesem Thema im Fach Ethnomusikolgie an der Universität Wien habilitiert hat. Weiters arbeiten am Institut auch Hande Sağlam, PhD und Univ.Ass. Mag. Marko Kölbl, PhD zu Musik von Minderheiten.

Durch die Verleihung des Wittgensteinpreises 2018 an Ursula Hemetek wurde die nationale und internationale Reputation der ethnomusikologischen Minderheitenforschung wesentlich vergrößert. Eine nachhaltige institutionelle Verankerung geschieht durch die Gründung des MMRC (Music and Minorities Reserach Center) an der mdw, das eng mit dem Institut kooperiert.