Studien zur Bedeutung von computerunterstützter Stimmklanganalysen für den Gesangsunterricht


 
Die Entwicklungsprozesse während einer Stimmausbildung sind von äußeren und inneren Veränderungen geprägt. Äußerlichkeiten sind im Veränderungsverlauf für den Gesangsschüler gut via Video oder Spiegel, etc. dokumentierbar. Die im Inneren des Körpers, vor allem des Stimmorgans ablaufenden Prozesse, können mittels Biofeedback (1) für den Sänger dargestellt werden. Durch diese Art der Visualisierung kann das "Gefühlte" zum Teil sichtbar gemacht werden.
Dabei  haben sich Periodizitätsanalysen, Langzeit-Spektralanalyse oder real-time Spektogramme in den letzten Jahren im Bereich des Gesangsunterrichts etabliert.
Mit Hilfe folgender Studien soll die Bedeutung von computerunterstützter 
Stimmklanganalyse verifiziert werden.
 
1. Tauglichkeitsuntersuchungen  am Beginn des Studiums "Musikerziehung"
Stimmtauglichkeitsuntersuchungen für sing- und sprechintensive Berufe werden seit Jahrzehnten von Medizinern und Logopäden gefordert. Dabei sollen im Wesentlichen Hörschäden, Sprachfehler, konstitutionelle Stimmschwächen und bestehende Stimmerkrankungen erfasst werden.
Methode: Bei den Studierenden im 1. Semester werden in den ersten beiden Unterrichtswochen Stimmfeldmessungen, Spektralanalysen, Periodizitätsanalysen, und perzeptive Beurteilungen  durchgeführt.
 
MMag. Dr. Elke Nagl 
MMAg. Amira El- Hamalawi
ao.Univ.Prof. Dr. Berit Schneider-Stickler[1]
 
 
2. Akustische Stimmklanganalyse im Vergleich am Beginn und am Ende des Studiums "Musikerziehung"
Die bei der Tauglichkeitsuntersuchung erhobenen Daten werden mit der am Ende durchführten Untersuchung verglichen. Interessante Aussagen zur Leistungs- und Entwicklungsfähigkeit der Stimme sind dabei festzustellen.
 
MMag. Dr. Elke Nagl 
MMAg. Amira El- Hamalawi
ao.Univ.Prof. Dr. Berit Schneider-Stickler
 
3. Evaluierung und Entwicklung eines standardisierten Aufnahmeprotokolls für ME- und IGP- Zulassungsprüfungen
Eine Arbeitsgruppe von GesangspädagogInnen des Institutes Antonio Salieri befasst sich seit zwei Jahren mit der Entwicklung eines standardisierten Aufnahmeprotokolls für ME, IME und IGP Zulassungsprüfungen. Ziel dieses Protokolls ist die Objektivierung der erbrachten Leistungen mittels perzeptiver gesangspädagogischer Beurteilungskriterien.
 
                                                                                     Lehrende des Institutes Antonio Salieri
 
4. Stimmklangakustische Auswirkungen vor, während und nach der Schwangerschaft
Verlaufsuntersuchungen durch akustische Stimmklanganalyse und gesangspädagogische Beurteilung
 
Die weibliche Stimme ist im Laufe des Lebens vielen hormonellen Schwankungen unterworfen, deren Auswirkungen sich im Stimmklang und der Stimmkonstitution bemerkbar machen. Besonders auffällig sind diese Veränderungen in der Schwangerschaft. Aus diesem Grund werden gemeinsam mit einem Gynäkologen Untersuchungen durchgeführt, wobei unser Teil sich auf die akustische Stimmklanganalyse und perzeptive Stimmklanganalyse konzentriert. In Form einer Datenbank werden die Ergebnisse gespeichert und nach einer ausreichenden Anzahl von Probandinnen publiziert.
 
MMag. Dr. Elke Nagl
Univ. Doz. Dr. Norbert Vavra
 
5. Der weibliche Hormonhaushalt und sein Einfluss auf die Sing- und Sprechstimme bei Musik- und Gesangspädagoginnen in Ausbildung
 
Prospektive Studie des Institutes Antonio Salieri in Kooperation mit dem Fachbereich Gynäkologie und Chronobiologie
 
Zielsetzung:
Ziel dieser prospektiv angelegten Studie ist es, die Abhängigkeit der weiblichen Sing- und Sprechstimme von den hormonellen Veränderungen und psycho-physiologischen Reaktionen im Laufe des Menstruationszyklus zu untersuchen. Mit Hilfe dieser Daten können Gesangspädagogen  möglicherweise im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit individuell angepasste Übungstools erarbeiten und anbieten. Diese können bei besonders betroffenen Studentinnen eine Einschränkung der Belastungsfähigkeit der Stimme auf Grund hormoneller Veränderungen kompensieren.
Die Ergebnisse dienen dem Gesangspädagogen als Bereicherung seiner eigenen Wahrnehmung und Sensibilisierung hinsichtlich der Stimme und des Körpers seiner Schülerin.
Da auch der Einfluss der hormonellen Kontrazeption bei Sängerinnen nicht unumstritten ist[2], wollen wir auch hier Daten zu den Auswirkungen dieser Therapie erheben. Die Erkenntnisse daraus sollen eine fundierte Beratung ermöglichen.
In weiterer Folge sollen dann bei Frauen mit  ausgebildeter Stimme die möglichen Auswirkungen einer medizinisch  indizierten Hormongabe untersucht werden. So werden heute in vielen Bereichen der Medizin Hormone eingesetzt,  wie z.B. im Zusammenhang mit Kontrazeption, Sterilität, Endometriose, PCO Syndrom, Blutungsströrungen, klimakterischem Syndrom, Mammakarzinom und anderen hormonabhängigen Neoplasien.
 
MMag. Dr. Elke Nagl
Univ. Doz. Dr. Norbert Vavra
 
 
 
 


[1] Univ.-HNO-Klinik Wien, Abteilung Phoniatrie-Logopädie
 
 [2] Ofer A, Kishon-Rabin L (2004)  Association Between Birth Control 
 Pills and Voice Quality. The Laryngoscope 2004, 114, 1021 - 1026.