Georg Allacher: „¡Somos los Mods!“. Mods in Spanien – Beschreibung einer Szene. 2013 (Magisterarbeit)
Herr Allacher hat sich für seine Magisterarbeit auf Forschungsreise begeben, um die musikalisch geprägte Jugendkultur der Mods in Spanien zu beobachten und zu beschreiben. Er steht damit in der Tradition der „Chicagoer Schule“ der Soziologie, die sich später in den von Birmingham aus agierenden „Cultur Studies“ fortsetzte. In einem einleitenden Kapitel legt Herr Allacher diese Forschungslinie offen und beschreibt ihre Anliegen und Vorgangsweisen. Zudem geht er auf den von ihm gewählten empirischen Zugang ein, u.a. auf die teilnehmende Beobachtung, die seiner Arbeit intensiv zu Anwendung gekommen ist.
Die Mod-Bewegung entwickelte sich in den frühen 1960er-Jahren in England, ist also eigentlich ein historisches Phänomen. Folgerichtig setzt sich der Autor nach einer Beschreibung der damaligen Ereignisse mit den Implikationen einer zeitlichen und örtlichen Versetzung ins heutige Spanien auseinander. Es gelingt ihm dabei plausibel zu machen, warum diese Forschungsreise sinnvoll und ertragreich war. Die spanische Szene entwickelte sich erst nach Ende der Franco-Diktatur, ist jedoch heute die zweitgrößte weltweit und zugleich wesentlich aktiver als jene im „Mutterland“ Großbritannien. Herr Allacher analysiert sie eingehend nach Hitzlers Szenen-Modell und beobachtet auch hier die für Spanien typische Rivalität zwischen Andalusien und dem ehemaligen Königreich.
Seine Beobachtungen und Gespräche mit zentralen Figuren der Mod-Bewegung boten ihm Einblick in das Alltagsgeschehen der Szene, und so war es möglich, ein umfassendes Bild des Geschehens zu zeichnen. Er arbeitet dabei auch heraus, wie schwierig es ist, die spanischen Mods als „Massenbewegung“ zu zeichnen, da gerade die Individualität eine der zentralen Säulen der Mod-Philosophie ist. In politischer Hinsicht ist man heute weit weg von der ursprünglichen Emanzipationsbewegung britischer Jugendlicher der Arbeiterschicht, politische Thematisierungen werden bei Zusammenkünften wohlweislich ausgespart. Tatsächlich ist es wohl die vom Soul der 1960er-Jahre geprägte Musik, die hier als Bindemittel wirkt und dem Auseinanderbrechen dieser kulturellen Bewegung entgegenwirkt.
 
Karharina Fritz: Gaga als Etüde. Das bewusste Miteinbeziehen von Schüler/innen-Musikpräferenzen im Instrumentalunterricht. 2013 (Magisterarbeit)
Frau Fritz setzt sich in ihrer Magisterarbeit mit der Frage auseinander, inwiefern es sinnvoll, angebracht und möglich sei, im Instrumentalunterricht den Musikgeschmack der Schülerinnen und Schüler zu berücksichtigen. Anlass dafür war ihre Beobachtung, dass jene Musik, die die Kinder und Jugendlichen am liebsten bzw. meisten hören (wie z.B. Lady Gaga), im Unterricht oft keine Rolle spielt.
Die Autorin untersucht zu Beginn, inwiefern der Lehrplan für Instrumentalunterricht, der eine Referenz für den Unterricht an österreichischen Musikschulen sein sollte, die Berücksichtigung des Schülergeschmacks vorsieht: Siehe da, er ermuntert durchaus dazu. Des Weiteren konsultiert die Autorin Grundlagenwerke der Instrumentalpädagogik, um zu klären, inwiefern es aus dieser Perspektive sinnvoll zu erachten ist, Mitbestimmung der Schüler/innen zuzulassen bzw. sogar anzuregen. Auch hier lautet das Fazit: Es ist sehr wohl zu empfehlen, jedoch nicht ausschließlich und nicht ohne Berücksichtigung der genretypischen Qualitätsmerkmale der ausgewählten Musikstücke. Nachdem dies geklärt ist, berichtet Frau Fritz über den „Vorsprung“ der Musikerziehung, die bereits auf einen jahrzehntelangen Fachdiskurs zu dieser Frage zurückblicken kann, während die Instrumentalpädagogik hier noch sehr „unerfahren“ zu sein scheint. Und schließlich – gleichsam als Abschluss der theoretischen Grundlagenvermittlung – macht die Autorin ihre persönliche Position klar, in der sie auch betont, die Schülermitbestimmung nicht unkritisch und undifferenziert zu beantworten.
Im zweiten Hauptteil der Arbeit zeichnet sie nun ein Bild der Praxis des Instrumentalunterrichts in Österreich, eben unter dem Blickpunkt der Berücksichtigung der Schüler/innen/präferenzen. Eine repräsentative Befragung würde den Rahmen der Arbeit sprengen, daher wird versucht, das gesamte Spektrum der Unterrichtspraxis in dieser Frage zu zeichnen. Dafür wurden acht Experteninterviews mit Instrumentalpädagog/inn/en geführt, deren Auswahl so erfolgte, dass möglichst heterogene Ergebnisse zu erwarten waren. Die Verteilung erfolgte nach Alter, Geschlechtern, Musikgenres und Instrumentengruppen. Die Strategie ist gelungen, es zeigen sic tatsächlich bereits bei dieser kleinen Zielgruppe bemerkenswerte Unterschiede mit ganz verschiedenen Hintergründen. Deutlich wurde jedoch, dass die Berücksichtigung der Schülerwünsche kaum stattfindet, auch weil dies nach Meinung der Pädagog/inn/en einen erheblichen Mehraufwand bedeuten würde. Frau Fritz nimmt dies zum Anlass, um aufzulisten, was an Voraussetzungen gegeben sein müsste, um die Musikpräferenzen der Lehrenden fruchtbringend aufgreifen zu können.
 
Julia Kauper: Instrumentalistinnen in einer männerdominierten Popwelt in Österreich. Eine empirische Untersuchung. 2013 (Magisterarbeit)
Frau Kauper hat sich in ihrer Magisterarbeit mit den beiden zentralen musiksoziologischen Themenfeldern soziale Ungleichheit und sozialer Wandel beschäftigt. Ihr Anliegen ist die Klärung der Hintergründe für die geringe Anzahl von Frauen im Berufsfeld Instrumentalmusik im Bereich der populären Musik in Österreich.
Nach der obligaten Klärung der Arbeitsbegriffe und des Forschungsstandpunktes legt Frau Kauper ausführlich den theoretischen Rahmen ihres Zugangs dar, die in den USA entwickelte „Production of Culture“-Perspektive, aus der eine theoriegeleitete Sicht auf fördernde und hemmende Rahmenbedingungen des Kulturschaffens möglich ist. In einem weiteren Grundlagenkapitel bietet sie einen historischen Überblick zur Entwicklung der Frauenrolle(n) im Pop/Rock-Bereich. Bedingt durch die Quellenlage muss sie sich hier auf den angloamerikanischen Bereich beschränken, spannt dafür zeitlich den Bogen vom frühen zwanzigsten Jahrhundert bis heute. So gelingt es ihr, die doch sehr langsame Entwicklung des Frauenbildes im sonst so dynamischen Feld der populären Musik überzeugend darzustellen. Der theoretische Teil der Arbeit wird mit einem Zwischen-Resümee abgeschlossen, das zugleich jene Hypothesen vorstellt, die zum zweiten Teil der Arbeit, der empirischen Untersuchung überleiten.
Hier werden die Ergebnisse aus Expertinnen-Interviews präsentiert, die mit acht in Österreich lebenden und arbeitenden Instrumentalistinnen zur Klärung der Arbeitshypothesen geführt wurden. Die Gesprächspartnerinnen wurden so ausgewählt, dass einerseits mehrere „Generationen“ zu Wort kommen und andererseits alle Instrumentengruppen Berücksichtigung finden. So gelingt eine anschauliche Darstellung der Ausbildungs- und Berufspraxis der Musikerinnen und vor allem der (strukturellen und institutionalisierten) Hürden und Probleme, die jenen entgegentreten, die sich in Österreich für den Beruf der Pop-Instrumentalistin entscheiden.

Doris Pamer: Chancen und Risiken in der Kooperation zwischen Ganztagesschule und Musikschule. 2013 (Magisterarbeit)
Eine der ersten Personalentscheidungen nach der Nationalratswahl2013 war die Verlautbarung der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, diese Funktion nicht mehr ausüben zu wollen. Eines ihrer zentralen Reformprogramme, deren Scheitern sie wohl zum Rücktritt motiviert hat, war die Installation von verpflichtenden ganztägigen Schulformen. Warum es dagegen massiven Widerstand gab, das lässt sich unter anderem an der Magisterarbeit gut rekonstruieren. Der Ruf von Österreich als Musikland beruht nicht nur auf den genialen Werken der Wiener Klassik, er verdankt sich sehr stark auch der hervorragenden Instrumentalpädagogik die im heimischen Musikschulbetrieb gepflegt wird und weltweit Vorbildcharakter genießt. Dieser Musikschulbetrieb scheint jedoch durch eine ganztätige Schulform in seiner Existenz gefährdet, besuchen doch die Schüler/innen in der Regel den Instrumentalunterricht nach der Pflichtschule, also am Nachmittag. Einerseits. Andererseits sind heute IGP-Absolvent/inn/en mit einer schwierigen Arbeitsmarktsituation konfrontiert, die Nachfrage nach Musikschulpädagog/inn/en ist de facto gesättigt. Könnte da nicht die Ganztagesschule rettend eingreifen, indem sie im Rahmen ihres Nachmittagsunterrichts die Möglichkeit anbietet, ein Musikinstrument zu erlernen?
Doris Pamer zeigt in ihrer Arbeit anschaulich, warum es bis dahin noch ein weiter und hürdenreicher Weg ist. Um den Leser vorzubereiten zeichnet sie zuerst die gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die nach ganztägigen Schulformen verlangen. Dann beschreibt sie Wesen und Ziel sowohl von Ganztagesschulen als auch der Musikschulen in Österreich. Und schließlich präsentiert sie die Ergebnisse aus Gesprächen mit neun Expert/inn/en zur Frage, wie Musikschulen und Ganztagesschulen zum Vorteil beider Institutionen kooperieren könnten. Dabei gelingt es ihr, erhellende Einblicke in den verwirrenden und hochpolitischen Diskussionsprozess zu gewähren, den die Ministerin mit ihrer Initiative in Gang gesetzt hat. Wir dürfen hier erfahren, wie engagierte Kräfte in zähen Verhandlungen und unermüdlichen Anstrengungen versuchen, Wege zum Abbauch von Irrationalitäten und bürokratischer Willkür aufzuzeigen. So gelten z.B. IGP­ Absolventen in Regelschulen als „schulfremde Person“ und dürfen nur dann in den Nachmittagsunterricht integriert werden, wenn sie eine Zusatzausbildung absolvieren. Höchste Qualifikation und Expertenstatus werden hier vom Gesetzgeber schlicht ignoriert. Gleichzeitig jedoch gibt es Sachzwänge, die auch durch Gesetzesänderungen nicht zu lösen sind. So gibt es derzeit praktisch nirgends geeignete Räumlichkeiten, um an den Pflichtschulen einen Instrumentalunterricht abhalten zu können, der den Qualitätsansprüchen einer Musikschule gerecht wird. Diese und viele andere Aspekte werden von Frau Pamer anschaulich aufbereitet, und ergänzt durch Best Practise Beispiele aus Deutschland und der Schweiz. Nach Lektüre dieser Arbeit weiß man alles, was man derzeit zum Thema Kooperation von Musikschulen und Pflichtschulen wissen kann und soll.
 
Silvester Triebnig: Der Musikkonsum der Digital Natives. Eine empirische Untersuchung im „Klassik“-Bereich. 2013 (Magisterarbeit)
Die digitale Wende in den 1990er Jahren hat dem Musikleben neue Rahmenbedingungen beschert, mit denen manche Branchen noch heute schwer zu kämpfen haben. Kurt Blaukopf und Alfred Smudits haben dies schon ab den 1980er Jahren als „digitale Mediamorphose“ beschrieben und deren Folgewirkungen erstaunlich treffsicher vorhergesagt. Die Möglichkeit- und inzwischen sogar die Notwendigkeit - visuelle und auditive „Zeichen“ in einen digitalen Code zu verwandeln, haben ihren Transport über Datenleitungen ermöglicht. Mit der rasant steigenden Leistungsfähigkeit des internationalen Datennetzwerks „Internet‘‘ ist die Verbreitung von Schrift, Bild und Ton unkontrollierbar geworden. Was bedeuten diese neuen Möglichkeiten für die musikalische Praxis, für die Musikrezeption. Hat sich da etwas Grundlegendes geändert?
Für den Popularmusikbereich - der ja traditionell dasmusikalische Kerninteresse der Jugendlichen darstellt - sind diese Fragen schon einigermaßen gut erforscht. Herr Triebnig jedoch hat in seiner Arbeit jene „Digital Natives“ unter die Lupe genommen, die eine klare Affinität für Klassik aufweisen, die Teilnehmer/innen der internationalen Sommerakademie PragWienBudapest. Als langjähriger isa-Mitarbeiter hatte er Zugang zu dieser „Population“ und war somit in der Lage aufschlussreiche neue Ergebnisse zu erzielen. In einer extensiven empirischen Studie hat Herr Triebnig die Teilnehmer/innen der isa 2012 zu ihrem Musikrezeptionsverhalten befragt und die Antworten mit Forschungsergebnissen zur allgemeinen musikalischen Praxis im Internet-Zeitalter verglichen. Gehen die jungen Musiker/innen anders mit Musik um, oder zeigen auch sie die typischen Merkmale der „Digital Natives“?

Christina Wippel: Wie Jugendliche das Smartphone nutzen. Eine empirische Untersuchung neuer musikalischer Verhaltensweisen. 2013 (Magisterarbeit)
Frau Wippel beschäftigt sich in ihrer Magisterarbeit mit einem sehr aktuellen Problem des Musiklebens, der veränderten Musiknutzung durch Jugendliche, ermöglicht durch die Entwicklung und Marktdurchdringung internetfähiger Mobiltelefone.
Da sie hier unweigerlich ein Bild der „Jugend von heute“ zeichnen muss, informiert die Autorin einleitend darüber, was diese „Jugend“ ausmacht, wer sie überhaupt ist und was die aktuelle Jugendforschung über sie zu berichten weiß. Als zweites Standbein ihrer Forschungsbasis erläutert sie die aktuelle technologische Entwicklung von musikempfangs- und -abspielgeräten, um die völlig veränderten Rahmenbedingungen zu klären, mit denen musikinteressierte Jugendliche heute konfrontiert sind. Der theoretische Teil der Arbeit wird mit einem Zischen-Resümee abgeschlossen, das zugleich jene Hypothesen vorstellt, die zum zweiten Teil der Arbeit, der empirischen Untersuchung überleiten.
Methodisch beschritt Frau Wippel einen in Abschlussarbeiten selten gewählten, weil methodisch sehr anspruchsvollen Weg, den der Fokusgruppen-Interviews. Sie erläutert dies in einem eigenen Kapitel ausführlich und macht so die Herausforderungen und die besonderen Qualitäten der zu erwartenden Ergebnisse dieser Herangehensweise nachvollziehbar. Sie hat zwei Gruppendiskussionen organisiert und durch geschickte Wahl der Expert/inn/en interessante Erkenntnisse ermöglicht.
Die Auswertung weiß tatsächlich mit einigen unterwarteten Ergebnissen aufzuwarten. So gelingt es ihr z.B., die oft reproduzierte Zeitdiagnose zu widerlegen, dass Jugendliche kein Interesse mehr am Besitz von Musik hätten und ohnehin nur mehr kurzfristigen Konsumimpulsen folgten. Außerdem erfahren wir, das das Smartphone von den Jugendlichen als eine Art elektronischer Visitenkarte benutzt und verstanden wird, ähnlich den Bücherregalen in bürgerlichen Wohnungen. Und die Zeit vor Internet und Smartphone – als noch Briefe geschrieben wurden – scheint von manchen Jugendlichen nostalgisch verklärt zu werden, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Interessanterweise haben sich hinsichtlich der Schicht- und Bildungsunterschiede der Befragten keine nennenswerten Unterscheide in der Bedeutung und Verwendung von Smartphones als Musikabspielgeräten gezeigt. Das Smartphone ist die Schnittstelle zur Umwelt, permanenter Alltagsbegleiter und nicht selten rund um die Uhr auf Empfang gestellt. Die aus Sicht von Musikschaffenden und Musikpädagogen erschütterndste Erkenntnis ist jene, dass die Idee, für aufgenommene Musik Geld auszugeben, lediglich noch als Schrulle der Elterngeneration im Bewusstsein ist, wenn überhaupt.