Cornelia Axmann: Zwischen Geniemythos und Unternehmertum – Aktuelle Aspekte des Wandels des KünstlerInnenbegriffs. 2011 (Dissertation)
Eines der wesentlichsten Themen der Kunstsoziologie stellt die Frage nach der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft dar. Cornelia Axmann versucht in ihrer Dissertation dieser Frage für die aktuelle Situation – und damit ist das ausgehende 20. und das beginnende 21. Jahrhundert gemeint – nachzugehen. Sie geht von der Annahme eines tiefgreifenden Wandlungsprozesses aus, der – wie sie schon im Titel der Arbeit andeutet – die grundlegende Konzeption des KünstlerInnentums erfasst.
Axmann nähert sich ihrer Thematik von drei Seiten. Erstens aus der Warte einer sehr pragmatischen, an realen kulturpolitisch relevanten Statistiken und Definitionen orientierten „Recherche“ (so der Titel dieses Teils der Arbeit). Hier werden Definitionen nationaler und transnationaler Berufsstatistiken bzw. Berufsfelder (Kulturwirtschaft, Kreativwirtschaft), die z.T. sozioökonomisch, z.T. rechtlich, z.T. arbeitsmarkt- oder kulturpolitisch begründet sind, analysiert. Als Resümee dieses Teils der Arbeit ergibt sich die Tatsache einer Verunsicherung der Einschätzung künstlerischer Tätigkeit angesichts des Voranschreitens weitgehend ökonomisch bestimmter Zuordnungskriterien, kurz: der Kreativwirtschaft.
Mit diesem Befund wendet sich Axmann im zweiten Teil der theoretischen Analyse zu. Hier verfolgt sie Prozesse des Wandels anhand ausgesuchter, wesentlicher Kategorien, die für künstlerische Tätigkeit charakteristisch und bestimmend sind:, wie etwa „Genie“, „Medien“, „Digitalisierung“, „Anderssein“, Arbeit“ etc. um schließlich beim „Unternehmertum“ zu landen. Sie beendet diesen Abschnitt der Arbeit, in dem sie zahlreiche theoretische Ansätze kompetent ab- und verarbeitet mit der Auflistung von Spannungsfeldern, die den referierten Theorien entsprechend, die aktuelle Situation künstlerischer Tätigkeit charakterisieren, wobei als die zentrale Spannung jene zwischen Kunst und Ökonomie ausgemacht wird.
Im dritten Teil – sie benennt ihn als „qualitative Studie“ schließlich wendet sie die Ergebnisse ihrer „Recherchen“ und „theoretischen Analysen“ auf eine konkret Gruppe von KünstlerInnen an, nämlich auf SängerInnen. Axmann führte qualitative Interviews mit 15 SängerInnen aus allen Genres durch, und wertete die Ergebnisse nach einem Kodierleitfaden aus, in dem wesentliche Kategorien, die sich aus den ersten beiden Teilen ihrer Arbeit ergaben, zu finden sind: u.a. Selbstreflexion, Motivation, Ziele, Öffentlichkeit, Planung, Finanzierung, Flexibilität. Schließlich konkretisiert sie die auffindbaren Strategien im Umgang mit dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Ökonomie und entwickelt eine Typologie solcher Strategien, wobei sich u.a. folgende finden: „sich als KünstlerIn fühlen“ (Berufung), „UnternehmerIn“ bzw. „Gewerbetreibende“ sein, „Sponsoren gewinnen“, „Neue Selbstständigkeit“, „Posing“ (Arbeit am Image), „Empowerment“, „Resignation“. Sie kommt zusammenfassend zum Schluss, dass KünstlerInnen im 21. Jahrhundert neben künstlerischen Qualifikationen auch unternehmerische und technische (neue Kommunikationstechnologien betreffend) Kompetenzen besitzen müssen.
Die Arbeit von Frau Axmann besticht durch die Breite des berücksichtigten Materials und den kompetenten Umgang mit diesem. Dies ist insofern bemerkenswert, als zur gegebenen Thematik beinahe jede kunst- und kultursoziologische Theorie bzw. Studie als Referenz herangezogen werden könnte. Hier die wesentlichste Literatur zu sichten und überschaubar aufzubereiten ist eine Leistung, die einer gelungenen Dissertation entspricht. Die empirische Erhebung wurde methodisch korrekt durchgeführt und die Ergebnisse derselben in überzeugender Weise mit den theoretischen Ansätzen in Beziehung gesetzt. Die Typologie, die Axmann schließlich entwickelt, kann als innovativer, eigenständiger Beitrag zu einer Einschätzung der aktuellen gesellschaftlichen Situation von KünstlerInnen gesehen werden.
 
Michael Rollenitz: Hören im Musikunterricht – Überlegungen basierend auf einer Befragung zum Hörverhalten von Jugendlichen. 2011 (Diplomarbeit)
Herr Rollenitz beschäftigt sich in seiner Diplomarbeit mit der Frage, wie sich die Entwicklung neuer Informations- und Kommunikations-Medien (Internet, Mobiltelefon, MP3-Player) auf das Musikhören Jugendlicher auswirkt, und wie man dies am besten im Musikunterricht berücksichtigt. Er geht dabei einerseits von eigenen Beobachtungen und Erfahrungen im Umgang mit jugendlichen Schülerinnen und Schülern aus, und leitet daraus eine Reihe von konkreten Hypothesen und Forschungsfragen ab. Zum Anderen orientiert er sich in der methodischen Herangehensweise an einer aktuellen repräsentativen Studie zu musikbezogenen Verhaltensweisen der österreichischen Bevölkerung und adaptiert diese für seine Fragestellung. Gleichsam als theoretische Basisrecherche sammelt er Befunde und Erkenntnisse zur Bedeutung des Hörens im Allgemeinen und zum Musikhören im Speziellen. Im Sinne einer praktischen Anwendbarkeit der Erkenntnisse erörtert Herr Rollenitz abschließend die Konsequenzen, die diese neuen Rahmenbedingungen für einen engagierten und hoffentlich erfolgreichen Musikunterreicht haben sollten.
Kernstück der Arbeit ist eine empirische Untersuchung mit quantitativen Fragebögen, die auf einem ausführlichen Fragekatalog beruht und die Hörgewohnheiten der befragten Schülerinnen und Schüler im Detail auslotet.

Walter Michael Schranz: Institutionelle Jugendarbeit im burgenländischen Chorwesen. 2011 (Diplomarbeit)
Die Diplomarbeit gliedert sich in einem Grundlagenteil und einen empirischen Forschungsteil. Zuerst wird dem Forschungsobjekt „Jugendchöre“ auf den Grund gegangen, denn weder in Theorie noch in der Praxis gibt es klare Richtlinien, was denn ein/e Jugendliche/r überhaupt sei, ab wann und bis wann jemand als solche/r zu bezeichnen ist. Danach wurden die Regeln der zu verwendenden Methode – des Experteninterviews – studiert, Hypothesen formuliert und ein Pool von 14 Auskunftspersonen identifiziert, mit denen dann eingehende Gespräche geführt wurden. Die Diplomarbeit liefert interessante Aufschlüsse über das Chorwesen und über die Rahmenbedingungen musikalischer Freizeitgestaltung der Jugend in Österreich.
 
Cornelia Rupert: Musikalische Kurswochen in Österreich – Teil der Erwachsenenbildung. Empirische Erhebung von Angebot und Nachfrage. 2011 (Magisterarbeit)
Frau Rupert beschäftigt sich in ihrer Magisterarbeit mit musikalischen Kurswochen in Österreich, einem Bereich der Erwachsenenbildung, in dem sie selbst als Mitbegründerin und organisatorische Leiterin der „Singwoche Gurk“ auf mehrjährige Erfahrung zurückblicken kann. Das Motiv der Arbeit lag also darin, die einschlägige „Szene“ intensiv zu beleuchten, auch um für das eigene Engagement nützliche Hintergrundinformation zu erhalten. Dabei ging es zum Einen darum, herauszufinden welche Personen und Institutionen welche Sommerkurse in Österreich regelmäßig anbieten. Einerseits die Bandbreite, andererseits Struktur und Anforderungen standen hier im Fokus. Zum Anderen sollte erforscht werden, wer diejenigen sind, die diese Angebote dann auch wahrnehmen: Woher kommen sie, welche Voraussetzungen bringen sie mit, warum besuchen sie diese Kurse?
Die Magisterarbeit gliedert sich in einen Grundlagenteil und einen empirischen Forschungsteil. Zuerst wird dem Wesen der Erwachsenenbildung generell und im Speziellen jenem der musischen Erwachsenenbildung auf den Grund gegangen. Ergebnis dieser Darstellung ist eine überzeugende Strukturanalyse mit übersichtlicher Kartographie nach Formen, Funktionen, Zielen und Regionen. Der wesentlich aufwändigere Teil ist jedoch die empirische Erhebung der Kurswochen-Nachfrage, die Untersuchung des Publikums aus sechs ausgewählten Kursen. Dazu wurde ein ausgefeilter Fragebogen erstellt und mit Unterstützung der jeweiligen Veranstalter/innen den Teilnehmer/innen vorgelegt. Die gute Vernetzung von Frau Rupert in der einschlägigen „Szene“ war hier wohl ausschlaggebend für die erfreulich hohe Rücklaufquote und die hohe Qualität der erhobenen Daten. Die Magisterarbeit liefert interessante Aufschlüsse über soziale Herkunft, musikalische Vorbildung und Motive der einzelnen Kurspublika.
 
Sigrid Strauß: In Österreich lebende und wirkende Komponistinnen und Komponisten zeitgenössischer Kunstmusik in einer digitalisierten Gesellschaft. 2011 (Magisterarbeit)
Die musiksoziologische Fragestellung in der Magisterarbeit von Sigrid Strauß war: wie man als Komponist/in in Österreich mit den Herausforderungen der „digitalen Mediamorphose“ umgeht. Daraus ergab sich die methodische Notwendigkeit von Experteninterviews, und Frau Strauß setzte sich in einem eigenen Methodenseminar mit dieser Anforderung auseinander. Schließlich wurden mit 13 in Österreich lebenden und arbeitenden Komponistinnen und Komponisten die Frage diskutiert: wie man generell zu digitalen Medien steht, wie diese die kompositorische Arbeit beeinflussen, inwiefern sie für die Öffentlichkeit verwendet werden, und nicht zuletzt: wie sich in den letzten Jahren Verdienstmöglichkeiten und Berufsbild von Komponisten und Komponistinnen geändert haben.
 
Laura Wösch: Das Musikfestival rampenfiber als Beispiel für queer-feministische Raumproduktion im kulturellen Raum. 2011 (Magisterarbeit)
Laura Wösch hat für ihre Diplomarbeit ein Thema gewählt, das zwar gesellschaftlich hoch aktuell ist, jedoch im bisherigen wissenschaftlichen Diskurs an der mdw noch nicht (ausreichend) behandelt wurde: die Frage der Konstitution von Räumen im Rahmen von Musikveranstaltungen. Besonders verdienstvoll ist dabei die Thematisierung des Gender-Aspekts mit dem Fokus auf queer-feministische Raumproduktion.
Die Thematik ist theoretisch hoch anspruchsvoll und wird von Frau Wösch in überzeugender Manier behandelt. Mit sicherer Hand führt sie die Leser/innen von machttheoretischen Ideen zu den konkreten Forderungen der internationalen Frauenbewegung und dann nach Österreich und Wien. Sie erklärt überzeugend die historischen Zusammenhänge, geht auf Spannungen zwischen unterschiedlichen theoretischen Ansätzen bzw. Protagonisten ein und ordnet sie entsprechend politisch ein.

Kolokitha, Olga: Artistic Development of Young Opera Singers. Thoughs of the Term an dDiscussion on the Process. 2011 (Dissertation)

Vorliegende Dissertation stellt eine Untersuchung der Bedeutung und Relevanz des Begriffs Artistic Development aus einer kulturpolitischen und kulturmanageriellen Perspektive dar. Der thematische Fokus liegt auf der Oper. Die zentralen Fragen, die in der Dissertation beantwortet werden, lauten: Was wird unter "Artistic Development" genau verstanden? Und wie versuchen Opernhäuser im Rahmen ihrer Young Artist’s Programme "Artistic Development", also die künstlerische und berufliche Entwicklung von jungen Opernsänger/-innen, konkret zu fördern?
Die Dissertation ist empirisch angelegt. Sie beschreibt einzelne Young Artist’s Programme sowie die Umsetzung des jeweiligen Konzeptes von Artistic Development im Sinne der postgradualen Ausbildung und Berufsentwicklung von Opernsängern/-innen. Weiter untersucht sie, ob Young Artist’s Programme das Resultat einer besonderen Förderpolitik für junge Künstler sind, oder ob sie primär konkreten, ökonomischen und personalpolitischen Interessen der Opernhäuser dienen.
Während der Untersuchung wurde folgender Gegensatz offensichtlich, nämlich zwischen Ausbildungsorganisationen mit vorgegebenen, formal strukturierten Curricula und anderen Organisationen, die individualisierte und flexible Ausbildungsangeboten anbieten. Die meisten InterviewpartnerInnen neigen dazu, Artistic Development tendenziell eher mit dem letzteren Typus von Angeboten zu verbinden. Ein möglicher Grund dafür ist, dass bei diesen eine substantiell größere Wahlfreiheit hinsichtlich Angebot und Training besteht.