Magdalena Bork: Traumberuf Musiker? 2007 (Dissertation)
Frau Bork ist bei ihrer Dissertation vor allem von der Frage motiviert, warum „bestens ausgebildete und höchst qualifizierte Absolventen renommierter Musikuniversitäten im heutigen Arbeitsmarkt keine entsprechenden Herausforderungen für sich finden (…)“ und daher „in ihrem Berufsalltag so schnell frustriert werden“ (S. 14). Um darauf Antworten zu finden, führte sie eine empirische Erhebung durch, bei der 40 einschlägig ausgebildete MusikerInnen in ausführlichen Tiefeninterviews zu ihrer musikalischen Sozialisation, zu ihrer Studienwahl und ihren Erfahrungen beim Studium und zu ihrem Berufseintritt und ihrer Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit ihrer beruflich-künstlerischen Tätigkeit Auskunft gaben. Die empirische Erhebung wurde methodisch korrekt durchgeführt, die qualitative Inhaltsanalyse der Interviewprotokolle erfolgte auf höchst anspruchsvolle (computerunterstützte) Art und Weise und weist die Kompetenz der Autorin, die Aussagen der Befragten vorsichtig, aber doch klar und strukturiert zu deuten, aus. Was die Arbeit besonders auszeichnet ist die über weite Strecken mehr als gelungen zu bezeichnende Dramaturgie der Darstellung der Forschungsergebnisse. In jedem der drei inhaltlichen Hauptkapitel – „Sozialisation“, „Studium“ und „Beruf“ – finden sich einerseits natürlich die den Kern der Arbeit ausmachenden, jeweils themen- und problemspezifischen Aussagen der Befragten, andererseits werden aber auch entsprechende theoretische Ansätze und bisherige wissenschaftliche Forschungsergebnisse eingeflochten, sodass sich ein rundes Bild ergibt, bei dem Empirie und Theorie gleichermaßen Berücksichtigung finden. Daneben leistet sich Bork auch den Luxus, immer wieder Fallstudien einzufügen, die nicht nur die allgemeine Tendenz eines Problemkreises unterstützen, sondern die gelegentlich auch als Ausnahme, als Sonderfall relativierend wirken. Diese von der Autorin praktizierte Darstellungsweise ist die für die vorliegende Forschungsmethode  wohl anspruchsvollste Variante und die Autorin beherrscht sie in überzeugender Weise. Gelegentliche Redundanzen stören in einem so sorgfältig erarbeiteten wissenschaftlichen Text wie dem vorliegenden meines Erachtens nicht und könne im Falle einer Buchpublikation leicht gestrafft werden. Hinzuweisen ist auch die erfrischende und klare Ausdrucksweise, die auch die Lektüre von  gelegentlich doch sehr trockenen oder komplexen Fragen zu erleichtern imstande ist. Etwas kurz im Verhältnis zu den drei Hauptkapiteln fällt das abschließende Kapitel aus, in dem im Rahmen einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung auch gleichsam musikpolitische Schlussfolgerungen gezogen werden. Der diesbezügliche Stellenwert der Arbeit erschließt sich dabei allerdings nur ansatzweise. Entsprechend den sonstigen in der Arbeit ausgewiesenen Kompetenzen der Autorin hätte dieser Teil doch „pointierter“ ausfallen können. Doch dies kann ja bei einer etwaigen Buchpublikation, die zweifellos zu empfehlen wäre, noch erfolgen.
 
Katharina Ehrenfreund-Huemer: Komponistinnen in Niederösterreich – Ein Überblick. 2007 (Ergänzungsarbeit)
Die Autorin stellt 31 Komponistinnen vor, die in Niederösterreich geboren wurden  oder ihren Lebensmittelpunkt  in  diesem Bundesland hatten bzw. haben. Grundlage dieser Arbeit war das mittlerweile zum Standardwerk avancierte  Lexikon von Eva Marx und Gerlinde Haas „210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart“. Verdienst der Autorin ist es, zahlreiche neue Informationen zum Leben und Wirken dieser 31 Musikerinnen zusammengestellt, Bildmaterial beigefügt und  Werkverzeichnisse  ergänzt zu haben. Die Zusammenfassung zahlreich geführter persönlicher Gespräche mit zeitgenössischen Komponistinnen  gibt zudem einen Einblick in die  individuellen Arbeitsbedingungen von Komponistinnen in Österreich.
 
Julia Höllerl: Hausmusik – eine Studie zur aktuellen Situation der Amateur-Kammermusik in Wien mit einem historischen Exkurs. 2007 (Diplomarbeit)
Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile: Der erste Abschnitt gibt nach Klärung der grundlegenden Begriffe einen historischen Überblick über die Entwicklung der Hausmusik vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im zweiten Teil werden die Ergebnisse einer empirischen Erhebung unter AmateurmusikerInnen in Wien und Umgebung präsentiert. Es entsteht ein sehr lebendiges Profil der Amateur-KammermusikerInnen, wie z.B. hinsichtlich der Motivation, der Lebensdauer der Ensembles, des professionellen Hintergrundes der Mitglieder, der Literaturauswahl, der Häufigkeit der Proben und Auftritte. Überraschend hoch ist die Dichte der Ensembles in der untersuchten Region, woraus sich ein Hinweis auf den Stellenwert der privaten Kammermusik im Musikleben ergibt.
 
Eduardo Valdés Vivas: Heavy Metal. Die Musik im Kontext von soziologischen und psychologischen Forschungsergebnissen. 2007 (Dissertation)
Ob und wie weit hat Heavy Metal mit Gewalt zu tun? Dieser Frage geht Eduardo Valdés Vivas in seiner Dissertation nach, und er nähert sich diesem Thema von verschiedensten Gesichtspunkten und unter Hinzuziehung unterschiedlichster theoretischer Konzepte und Fallbeispiele. Er geht auf Ergebnisse der Medienwirkungsforschung ein und demonstriert an Hand einiger konkreter Fallbeispiele, bei denen öffentliche Diskussionen zu Medienwirkungen im Mittelpunkt stehen (Wirkung von Hollywood-Filmen auf das moralische Verhalten, Verbot gewalthaltiger Computerspiele, Darstellung von Frauen in HipHop-Videos), dass öffentliche Diskussionen zu Medienwirkungen zumeist auf dem sehr einfachen, wissenschaftlich-theoretisch schon längst überholten, Stimulus-Response-Modell basieren. Er behandelt soziologische und psychologische Konzepte zur Aggression, stellt sie in Beziehung zu Heavy Metal, nimmt auf die Frage Bezug, ob und wieweit künstlerische Aussagen im Allgemeinen und in Heavy Metal-Musikstücke im Besonderen, als Ursache für Selbstmord angesehen werden können. Dabei wird hier einerseits die Komplexität der Motive zum Selbstmord recht klar herausgestellt, der Bezug zu den Fallbeispielen fällt allerdings etwas verkürzt und daher unbefriedigend aus. Weiters setzt sich Valdés mit Kriegspropaganda, später auch mit Miltär- und Marschmusik auseinander, wobei die genauere Analyse der Wirkung von Kriegspropaganda ergibt, dass auch diese sehr komplexen Funktionsmechanismen unterworfen ist und von einer eindeutigen Wirkung (zum Leidwesen der Propaganda-Betreiber) nicht gesprochen werden kann. Im nächsten Abschnitt wird auf das Beispiel von Computerspielen eingegangen, wobei der Autor auch ausführlich subjektive Erfahrungsberichte einfließen lässt. Insofern als diese deutlich als solche erkennbar sind, und gleichzeitig mit theoretischen Konzepten und empirischen Befunden verknüpft sind, ist diese Art der Darstellung durchaus akzeptabel. Die zum Teil sehr kritischen Aussagen verschiedener Studien gegenüber Computerspielen mit Gewaltanteilen werden von Valdés wiederum den eben sehr komplexen Medienwirkungstheorien, gegenübergestellt. Der Abschnitt zum Heavy Metal umfasst die Behandlung dieses Genres in der Popularmusikforschung, die jugendkulturelle Bedeutung und schließlich – in einem wieder sehr mit subjektiven Erfahrungen angereicherten, aber nie ins rein subjektive abdriftenden Teil – die Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Ästhetik von Heavy Metal. Nach diesen, sehr kenntnisreichen und umfassenden, eher deskriptiv gehaltenen Ausführungen wendet sich Valdés wieder seinem eigentlichen Thema, dem Verhältnis von Heavy Metal und Gewalt zu, geht auf einige einschlägige Gerichtsverfahren, auf das Verhältnis von Heavy Metal zu Krieg, zu Religion ein, vergleicht Heavy Metal mit HipHop und behandelt abschließend noch die Rolle der Frauen in der Pop- und Rockmusik allgemein und im Heavy Metal im Besonderen. In einem resümierenden Teil wird Heavy Metal nochmals von einigen  (musik)soziologischen Gesichtspunkten aus behandelt (‚E’- und’U’-Musik, Zensur, Musikindustrie), wobei hier nun allerdings keine geschlossene Darstellung gelingt und das Fragmentarische der Herangehensweise, das an manchen Stellen der Arbeit durchaus angebracht war, als Defizit sich auftut. Die Arbeit hat den Charakter einer ‚Sammeldissertation’ insofern als der Autor sich einer sehr komplexen Problemstellung aus verschiedenen Perspektiven annähert, ohne den Anspruch zu stellen, ein endgültiges Ergebnis vorlegen zu können. Anders gesagt: Valdés gelingt es, ein sehr komplexes Thema, nämlich das Verhältnis von Medien bzw. von künstlerisch-medialen Repräsentationsformen und Gewalt einigermaßen kompetent darzustellen und einschlägige wissenschaftlich-theoretische aber auch politisch-ideologisch motivierte Positionen mit der notwendigen distanzierten Haltung des Sozialwissenschaftlers zu behandeln. Das ist insofern hervorzustreichen, als Valdés seine eigen biografische Nähe zum eigentlichen Kernphänomen, um das es in der Arbeit geht – das Musikgenre Heavy Metal – klar deklariert. Die Gratwanderung zwischen subjektiver Betroffenheit, die Valdés immer spüren lässt und dem Bemühen um eine wissenschaftlich-distanzierte Haltung ist m.E. als durchaus gelungen zu bezeichnen. Der Überblick über die für das Thema relevante Literatur ist als gegeben anzusehen, die Darstellung derselben entspricht weitgehend den Kriterien einer kompetenten wissenschaftlichen Arbeitsweise. Die Arbeit ist daher vom formalen Standpunkt her als den Ansprüchen, die an eine Doktorarbeit zu stellen sind, entsprechend einzustufen. Zu beachten ist, dass der Autor akademisch ausgebildeter Konzertgitarrist und als solcher m.E. durchaus legitimiert ist, Urteile über musiktechnische Kompetenzen (von Heavy Metal-Musikern) abzugeben, ohne dies mit Referenzen belegen zu müssen. (Weiters möchte ich doch anmerken, dass der Autor keine wissenschaftliche Ausbildung vor Beginn seines Doktorstudiums hatte. Dies hat zwar keinen Einfluss bei der Beurteilung der Arbeit, soll aber dennoch nicht unerwähnt bleiben). Dass manchmal die Fülle der theoretischen Literatur das eigentliche Thema ein wenig aus dem Blick geraten lässt, und dass manche empirische Befunde nicht einer ausreichenden Interpretation unterzogen werden, ist bei einer derart komplexen Materie zuzugestehen.