Nomadic Drag

Univ.-Prof. Dr. Evelyn Annuß

Cross Dressing und ethnische Maskeraden in Karneval, Volkstheater und Massenkultur sind Gegenstand dieses Buchprojekts über transkontinentale Verflechtungen performativer Praktiken in Afrika, Europa und den USA. Vor dem Hintergrund hiesiger Debatten um Formen kultureller Aneignung trägt es zur intersektionalen Männlichkeitsforschung bei. Ausgangspunkt ist der kreolisierte Karneval in Hafenstädten, die auf je spezifische Weise vom Nachleben der Sklaverei- und Segregationsgeschichte geprägt sind. In welchem Spannungsverhältnis stehen die damit verknüpften Verkleidungspraktiken zu Ansätzen der Gender Studies, die das subversive Potenzial von Auftrittsformen in Drag unterstreichen? Und wie ließe sich die Frage nach Spielräumen und Grenzen performativer Subversion reperspektivieren, indem wir unseren kulturwissenschaftlichen Horizont globalgeschichtlich erweitern? Vom kreolisierten Karneval auf das europäische Volkstheater und sein Fortleben in einer globalisierten Massenkultur blickend, fragt dieses Projekt danach, inwiefern unsere Auseinandersetzungen um Queering und Appropriation zu „provinzialisieren“ und zu historisieren wären. Das Vorhaben geht hervor aus Feldforschungen im Rahmen meines DFG-geförderten Heisenberg-Projekts Grenzziehungspraktiken und performative Transpositionen.