2002-2005

 

Mit der Berufung Werner Hasitschka zum Rektor der Universität und seiner Karenzierung als Institutsleiter im Frühjahr 2002 übernahm Franz-Otto Hofecker, der bereits seit Mitte der 80er Jahre die Aktivitäten des IKM maßgeblich mitgestaltete, die Leitung des Instituts. Die Vollrechtsfähigkeit der Universitäten ab 2004 stellte auch das IKM vor eine neue Situation und gab Anlass zu Repositionierung und Erweiterung seiner Aktivitäten in Forschung und Lehre. Für die Organisation und Durchführung des Aufbaustudiums bedeuteten die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen eine vollständige (organisatorische, dienstrechtliche und budgetäre) Ausgliederung.


Aufbaustudium Kulturmanagement
Unter der wissenschaftlichen Leitung von Tasos Zembylas wurde im Zuge der Universitätsreform auf aktuell gegebene Herausforderungen reagiert und neue curricularische Akzente gesetzt (Verschiebung einzelner Lehrveranstaltungen, Erweiterung der Lehre im Bereich Recht, Streichung des EDV-Angebots, u.a.). Die Straffung des Lehrplans (35 Semesterwochenstunden) gewährt den Studierenden mehr Zeit und Energie zur Vertiefung ihres Wissens und führt zu höherer Lerneffektivität. Mit einem Lehrplan, der äquivalent mit anderen vergleichbaren internationalen Ausbildungen ist und allen Anforderungen der Bologna- Deklaration entspricht, konnte die Weiterführung des MAS-Titels gesichert werden.

Die proaktive Haltung der Lehrgangsleitung garantiert das hohe Niveau und die Qualität der Ausbildung. Sparsamer Umgang mit den vorhandenen Ressourcen ermöglicht eine moderate Preispolitik, welche die soziale Exklusion, die durch die „Privatisierung“ des postgradualen Sektors eingesetzt hat, nicht mitvollzieht.


Lehrveranstaltungen im Rahmen ordentlicher Studien
Das IKM bietet für StudentInnen der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien aber auch für Studierende anderer in- und ausländischer Universitäten Lehrveranstaltungen im Rahmen von Backalaureats-, Magister- und Doktoratsstudien an (teilweise als Pflichtlehrveranstaltungen bzw. als Wahlpflichtfächer). Das IKM Angebot an Lehrveranstaltungen im Rahmen ordentlicher Studien hat während der letzten fünf Jahre deutlich zugenommen, seit 2000 um 70 %. Im Studienjahr 2003/04 wurden beispielsweise 17 Lehrveranstaltungen angeboten. Ein Teil dieses reichhaltigen Angebotes ist der Frauen- und Geschlechterforschung gewidmet. Es ist gelungen, diesen Forschungsschwerpunkt auch in der Lehre zu verankern. Seit WS 2003 werden auch verstärkt Lehrveranstaltungen für StudentInnen angeboten, die sich in der Phase der Diplomarbeits- und Dissertationserstellung befinden.


Forschung
Die Forschungstätigkeit am IKM wurde in den letzten Jahren deutlich intensiviert und zeichnet sich durch eine Vielfalt der wissenschaftlichen Ansätze aus. Die aktuellen Aktivitäten der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen lassen sich folgenden Bereichen zuordnen:


Die Berufsfeldforschung befasst sich mit der Untersuchung der Berufsbedingungen im Kulturbereich insbesondere auf Ebene des Kulturmanagements. Neben diversen wissenschaftlichen Beiträgen in Fachpublikationen und Vorträgen auf facheinschlägigen Konferenzen und Tagungen, wurde 2003 eine zweitägige Tagung zur Ausbildungssituation im AV-Medienbereich mitveranstaltet und eine Studie über die Karriereverläufe der AbsolventInnen des „Aufbaustudium Kulturmanagement“ durchgeführt.

Der Forschungsschwerpunkt Filmwissenschaft – gewissermaßen als Teil der Kulturwissenschaft - befasst sich mit Geschichte, Theorie und Ästhetik filmischer (auch medialer) Darstellungsformen sowie deren institutionellen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Neben einer Tagung zur Ausbildungssituation im AV-Medienbereich in Österreich (2003), fand im Rahmen dieses Schwerpunkts die internationale Konferenz „Screenwise. Standorte und Szenarien der zeitgenössischen feministischen Film- und TV-Wissenschaften“ (2003) statt, die vom IKM wesentlich mitkonzipiert und mitorganisiert wurde. Der Konferenzband
erschien 2004.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Frauen– und Geschlechterforschung. Hierbei geht es um soziokulturelle Bedingungen von „Identitätskategorien“, von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen in Kunst und Kultur. Feministische Theorien und Praxen bilden die Basis für diesen Forschungsschwerpunkt.

Kulturbetriebslehre verknüpft als Inter-Disziplin Fragen der Entstehung und Auswirkung kultureller Werte und Praktiken vor dem Hintergrund der institutionellen Ausgestaltung des Kulturbetriebs. 2003 wurde erstmals die Venia docendi für Kulturbetriebslehre an drei Mitarbeiter des IKM verliehen. Die Habilitationsschriften stellen erste Ergebnisse der Forschungsarbeiten in diesem Bereich dar. Das Grundlagenwerk „Kulturbetriebslehre. Grundlagen einer Inter- Diszplin“ ist 2004 in Buchform erschienen. Da dieses Fach noch im Aufbau begriffen ist, gibt es ein hohes Innovationspotenzial, das durch wissenschaftliche Publikationen, Forschungsprojekte und wissenschaftliche Veranstaltungen noch zu erschließen sein wird.

Kulturmarketing und –sponsoringforschung analysiert bestehende Marketingkonzeptionen mit dem Ziel, diese auf Kulturbetriebe zu übertragen und befasst sich mit der Analyse des rechtlichen Bedingungsrahmens und der Situation des Sponsoring in Österreich. Eine Reihe von Abschlussarbeiten und Diplomarbeiten der letzten Jahre widmete sich Fragen des Kulturmarketings und des Kultursponsorings.

Kulturpolitikevaluation, Kulturökonomik und Kulturstatistik arbeitet auf Basis der theoretischen und empirischen Erkenntnisse der Kulturökonomik an der Vereinheitlichung des kulturstatistischen Analyserasters auf österreichischer, EUund internationaler Ebene, um kultur(förderungs)politische Maßnahmen auf einer vergleichbaren Basis evaluieren zu können. Die Mitwirkung bei internationalen Gremien der Kulturstatistik und Kulturpolitikforschung (Compendium-Projekt, The European Research Institute for Comparative Cultural Policy and the Arts, EU-Task Force on Cultural Expenditure and Financing) und zahlreiche Publikationen wie z.B. die Herausgabe eines Sammelbands mit dem Titel „Kulturpolitik, Kulturforschung und Kulturstatistik“ und die regelmäßige Veröffentlichung der „Österreichischen Musikschulstatistik“ und des „Berichts zur Kulturfinanzierung des Bundes“ (bislang für 2002 und 2003) belegen die intensiven Aktivitäten in diesem Forschungsbereich. Zudem wird das auf dem LIKUS-(LänderInitiative KUlturStatistik)-Schema beruhende Datawarehouse für öffentliche Kulturfinanzierung vom IKM gewartet und zur Berichtserstellung eingesetzt. Dadurch ist das Potenzial vorhanden, das IKM als Kompetenzzentrum und Ansprechstation für nationale und internationale Kulturpolitikevaluation zu positionieren.
Das IKM-Datawarehouse Musikschulstatistik ist ein anderes Beispiel des modularen Aufbaus von Kulturstatistik und ebenfalls am IKM bereits etabliert. Über mehrere Jahre wurde in direkter Kooperation für die LIKUS-Kategorie Aus- und Weiterbildung zielgruppennahe (einzelne Musikschulen) ein leistungsstarkes Analyseschema entwickelt. Mit dem IKM-Datawarehouse Musikschulstatistik hat das IKM in Österreich auf dem Gebiet der Musikschulstatistik wie -forschung die unbestritten dominierende Stellung erlangt. Betriebsberatungsfirmen wie Rechnungshöfe beziehen sich zur empirischen Untermauerung ihrer Untersuchungen nahezu ausschließlich auf die Ergebnisse des IKM-Datawarehouse Musikschulstatistik. Das „Statistische Jahrbuch der Musikschulen in Österreich“ ist ein konkretes
Produkt daraus.

Durch die definitorische und deskriptive Abgrenzung der Kulturwirtschaft bzw. Kulturindustrie werden Prozesse und Strukturen der Kulturwirtschaft im Allgemeinen und in den verschiedenen Kulturindustrien im Besonderen analysiert. Die Mitherausgabe des „Ersten Österreichischen Kreativwirtschaftsberichts“ dokumentiert genauso wie die Veröffentlichung des Buches „Kreativität und Innovation in der Musikindustrie“ im Jahr 2003 ein hohes Leistungsniveau in diesem Forschungsbereich. Die kulturstatistische Kompetenz des IKM, die im
LIKUS-Projekt erworben wurde, kann verstärkt in den wissenschaftlichen Diskurs über die Abgrenzung und den Umfang der Kulturindustrie eingebracht werden. Die Musikwirtschafts- und -industrieforschung kann für die Musikuniversität wichtige Erkenntnisse über das wirtschaftliche Umfeld musikalischen Schaffens liefern und wird durch zukünftige Forschungsprojekte und Publikationen vorangetrieben.