Pianistin werden – als Pianistin auftreten
Die Bühnenkünstlerin
Clara Wieck_Clara Schumann

 

Mi 13. November 2019 | 10:00–13:00 Uhr

Clara Schumann-Saal, mdw
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Eintritt frei | freie Platzwahl

 

Janina Klassen (Freiburg im Breisgau)
Thermometer für das Publikum
Aspekte von Clara Wieck Schumanns Auftritten

In London nutzt Clara Schumann die Meinung ihres langjährigen Gastgebers, Arthur Burnand, um die dortigen Konzertabende zu komponieren. Burnand sei ein »guter Thermometer für das Publicum«. Er verstünde nichts von Musik, habe aber große Freude daran. Der hier offen gelegte Nutzen privater Netzwerke erlaubt Rückschlüsse auf das künstlerische Selbstverständnis Clara Wieck Schumanns. Ihre Wirkungsabsicht zielt nicht allein auf die Präsentation von Musik. Vielmehr soll jeder Auftritt auch einen sinnlichen und affektiven Kunstgenuss bieten. Das emotionale Erlebnis wirkt auf die Künstlerin zurück. Sie zieht daraus ihr Selbstverständnis als Produzentin »guter Musik«. Diesen ästhetischen und sozialen Präferenzen möchte ich nachgehen.

 

Annkatrin Babbe (Bremen)
„Best traditions of an important era“ – Überlegungen zur „Clara Schumann-Schule“

Clara Schumann wurde am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt frühzeitig zur Repräsentationsfigur des Hauses stilisiert. Noch heute wird ihr diese Position zugestanden: Ein Blick auf die Homepage des Ausbildungsinstituts zeigt, dass die Künstlerin hier auch abseits der Festivitäten zum 200. Geburtstag als zentraler Referenzpunkt aufscheint – in historischen Darstellungen ebenso wie im aktuellen Leitbild. Bis heute gilt der Name Clara Schumann als Etikett einer ‚Tradition’ des Klavierspiels, die in der zeitgenössischen Presse als „best traditions of an important era in pianoforte playing“ (Musical News 1891:103) oder schlicht als „Schumann tradition“ (Davies 1925:215) breite Beachtung fand und noch heute regelmäßig aufgerufen wird.

Anliegen dieses Beitrages ist es, die zugrundeliegenden Traditionsvorstellungen eingehender zu betrachten. Basierend auf einer Auseinandersetzung mit einem Quellenkorpus bestehend aus Konzertbesprechungen, Hochschulakten, Briefen, (Auto-)Biographien, Tagebüchern und weiteren Egodokumenten soll veranschaulicht werden, dass es sich bei der Idee der Schumann-Tradition um ein diffuses kulturelles Narrativ handelt, in dem sich diverse Sinnzusammenhänge überlagern.

 

Stefanie Hodde-Fröhlich (Porta Westfalica)
„Was schmeckt besser, ein Apfel oder eine Birne?" – Eine Annäherung an die Pianistin Marie Wieck, Halbschwester von Clara Schumann

Friedrich Wieck soll auf die Frage, welche seiner beiden Töchter besser spiele, mit der im Titel genannten Gegenfrage geantwortet haben. Sprichwörtlich ist es unmöglich, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dennoch geht es im Vortrag um eine vergleichende Perspektive auf die Pianistinnenlaufbahnen von Marie Wieck und Clara Schumann.

Im Mittelpunkt steht Marie Wieck: Welche Ähnlichkeiten, Schnittpunkte und Unterschiede lassen sich in ihrer künstlerischen Biografie gegenüber ihrer berühmten Schwester erkennen? Wie sah die Rezeption der beiden Schwestern zu Lebzeiten aus? Wie hat sich Marie Wieck als Pianistin gegenüber Clara Schumann positioniert? Anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen und Zeitungsmeldungen lassen sich spannende Antworten auf diese und weitere Fragen zu den beiden Pianistinnen und Schwestern finden.

Kontakt

Mag.a Birgit Huebener
+43 1 71155-6071
huebener@mdw.ac.at