„Fair in Wort und Bild“ Ein Leitfaden für die mdw

„Die mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien steht für Gleichbehandlung, Fairness und Respekt gegenüber allen Universitätsangehörigen. Daher sollte gendergerechtes Formulieren an der mdw Standard sein.“ (Rektorin Ulrike Sych)

Die mdw ist ein Ort, der allen Angehörigen (Studierenden, Lehrenden, Verwaltung) die bestmöglichen Rahmenbedingungen für das Lernen, Lehren und Forschen bieten möchte. Deshalb ist es wichtig, dass ein respektvoller Umgang miteinander gepflegt wird. Dieser zeigt sich auch in der Sprache.

Der nun vorliegende Leitfaden über gendergerechte Sprache soll die Verwendung von fairer und inklusiver Kommunikation an der mdw fördern.

Die Broschüre „Fair in Wort und Bild“ fasst die wichtigsten Grundlagen geschlechtergerechter Sprache zusammen.

Leitfaden Stand Mai 2017: Download
Die gedruckte Version der Broschüre ist über die Stabstelle für Gleichstellung, Gender Studies und Diversität zu beziehen.
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Mit besonderem Dank an die Wirtschaftsuniversität Wien – Stabstelle für Gender & Diversity Policy, Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG) der WU und Christoph Hofbauer – sowie an die Akademie der bildenden Künste Wien für die freundliche Genehmigung der Adaptierung ihrer Broschüre bzw. ihres Leitfadens für gendergerechte Sprache.

Geschlechtergerechte Sprache

„Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt – frei nach Ludwig Wittgenstein können wir festhalten, dass die sprachliche Benennungspraxis, d.h. die Sprache, die wir sprechen, die Namen, die Worte, die wir wählen, viel über unser Denken aussagen.

Es macht einen Unterschied ob ich – wenn ich eine Frau bin – und Musizieren mein Beruf ist – mich selbst als Musikerin oder – wie es im Musikbereich gang und gäbe ist – als Musiker bezeichne.

Warum?
Sprache bildet Welt ab und wenn Welt in männlicher Form benannt (abgebildet) wird, dann wird Welt auch (meist) so gedacht. Das passiert mehrheitlich unbewusst.

Machen Sie selbst ein Experiment!

Sie arbeiten mit einer Gruppe und möchten herausfinden, wie die Personen der Gruppe das generische Maskulinum in ihrem Denken realisieren. Generisches Makulinum heißt – sie sprechen immer nur in männlichen Pluralformen (wie es in der deutschen Sprache nach wie vor meist üblich ist), sprechen von den Kollegen, den Musikern, den Mitarbeitern, den Schaupielern und Theatermachern etc... es kommen weibliche Formen nur dann vor, wenn es absolut notwendig ist... sonst findet sich alles durch das generische Maskulinum repräsentiert.

Es hat oft wenig Sinn, einem Menschen, einer Person, einer Freundin, einem Freund, zu sagen, wie wichtig geschlechtergerechte Sprache für eine geschlechtergerechte Gesellschaft ist. Weiterführender ist da, wenn wir selbst gendergerechte Sprache verwenden, diese Sprache selbst leben, sie selbst aktiv anwenden.

Wie gehen Sie nun weiter vor bei diesem Experiment?

Sie stellen jeder Person der Gruppe schriftlich eine von den folgenden drei Fragen. Achten Sie darauf, dass die Fragen gleichmäßig unter den Teilnehmenden verteilt sind. Die Teilnehmenden sollen dann ihre Antworten auf ein Kärtchen (das Sie den teilnehmenden Personen austeilen) schreiben.

Die drei Fragen lauten:

  • Nennen Sie mir bitte 3 Komponisten
  • Nennen Sie mir bitte 3 Komponisten und Komponistinnen
  • Nennen Sie mir bitte drei KomponistInnen

Danach sammeln Sie die beschriebenen Antwortkärtchen der Teilnehmenden wieder ein und machen eine gemeinsame Besprechung der Antworten. Bei dieser Nachbesprechung soll dann freilich nicht im Zentrum stehen (im Vorhinein nicht erwähnen), welche MusikerInnen resp. Komponistinnen konkret genannt wurden, sondern ob und wann Musikerinnen bzw. Komponistinnen auftauchen, wenn "nur" Komponisten oder Musiker genannt werden. 

Sie werden sehen, dass Sie auf die unterschiedlich formulierten Fragen auch tatsächlich verschiedene Antworten erhalten!

Das war jetzt so etwas wie ein Lackmustest für geschlechtergerechte Sprache.

Denn nur, wenn auf die Fragen „Nennen Sie mir drei Komponisten auch Frauen, nicht nur Männer genannt werden, werden diese auch "mit" gemeint sein.

Sprache steht nicht still, die Sprechenden selbst bestimmen wie sie sich ausdrücken möchten und wie sie es dann auch tatsächlich tun.

 

Wir vom Vizerektorat für Organisationsentwicklung, Gender & Diversity der mdw verstehen geschlechtergerechte Sprache als

  • ein Werkzeug für eine erfolgreiche und wertschätzende Kommunikation
  • ein Werkzeug für eine geschlechterpolitisch exakte Registrierung davon, wer was wann warum wie weshalb macht
  • ein Werkzeug dafür, dass durch die Nennung beider Geschlechter – von Studentinnen und Studenten – die Sichtbarmachung der handelnden Personen gesteigert wird.

So ist es heute zeitgemäß und an der Zeit, wenn auch von Künstlerinnen und nicht nur von Künstlern gesprochen wird, wenn bei einem Projekt eben nicht nur Künstler sondern auch Künstlerinnen, Musikerinnen beteiligt sind.

Es wäre gut, wenn von Professorinnen und nicht nur von Professoren die Rede ist, wenn unter den Professoren auch Professorinnen sind::: damit gezeigt wird, was da ist und was nicht.

Durch die Verwendung von geschlechtergerechter Sprache werden aktuell "herr"schende Verhältnisse – ohne es als solches auszusprechen – gewissermaßen kritisch analysiert.


Stellungnahme zum ÖNORM-Entwurf A 1080:2014-02-15


 
weitere Leitfäden

- Fair und inklusiv in Sprache und Bild. Ein Leitfaden für die WU
Sonja Lydtin, Stabstelle für Gender & Diversity Policy der Wirtschaftsuniversität (WU), in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKG) der WU und Christoph Hofbauer, Wien 2015

 
- Geschlechtergerechtes Formulieren
hg. v. Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (bmukk), 3. aktualisierte Auflage Wien 2012

- Leitfaden geschlechtergerechtes Formulieren
erstellt in der AG Antidiskriminierung vom Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (Alexander Fleischmann) mit Unterstützung durch den Verein Diskursiv (Vlatka Fretić und Persson Perry Baumgartinger) in Erweiterung des Leitfadens des BMBWK, veröffentlicht im Mitteilungsblatt Nr. 4 der Akademie der bildenden Künste Wien, Studienjahr  2010/11, ausgegeben am 20.10.2010

 
hg. v. Stabsabteilung für Gleichstellungspolitik, Universität Linz, Linz 2009