Internationales Bruno Walter Symposium Wien 2012

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien | 11. - 12. Dezember

 

 

Dr. Gerold W. Gruber
Gerold Gruber, 1958 in Wien geboren, studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien, sowie Pantomime bei Samy Molcho. Seit 1984 ist er als Musikwissenschaftler und Musikanalytiker an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien tätig. 2006 gründete er das Wissenschaftszentrum M.A.E.D. (Music Analysis and Exile Documentation Research Center) an der MDW sowie die Charity-Organisation exil.arte, welche sich mit KomponistInnen und MuiskerInnen auseinandersetzt, die von den Nationalsozialisten verfemt, ermordet und vertrieben wurden. Gerold Gruber initiierte die Gesamtausgabe der Schriften Schönbergs, welche derzeit im Schönberg Center erarbeitet wird. Zuletzt erschien das „Lexikon der musikalischen Form“ von Reinhard Amon, an dem er mitgearbeitet hat (Doblinger 2011), sowie die Übersetzung von Brendon G. Carrolls Biographie über Erich Wolfgang Korngold (Böhlau 2012). Derzeit ist eine Gesamtausgabe der Werke Korngolds in Planung.


Zur Problematik des Exils anhand ausgewählter Fallbeispiele

Der Vortrag versucht, die Thematik des Exils, insbesondere des Musiker-Exils in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen und diese anhand von Fallbeispielen zu erörtern. MusikerInnen und KomponistInnen haben auf unterschiedliche Weise auf die Vertreibung reagiert, welche vom vollkommenen Verstummen bis zu einem vordergründigen Ignorieren der zeitlichen Umstände und der persönlichen Schwierigkeiten reichen. Auch nach dem Ende des Krieges haben diese Persönlichkeiten auf verschiedene Art den Horror ihrer Vertreibung reflektiert. Es wird auch auf die Frage eingegangen, ob man in den musikalischen Schöpfungen der KomponistInnen nach 1945 die Beschäftigung mit dieser Thematik nachvollziehen kann und welche analytischen Möglichkeiten es dafür gibt. Anhand ausgewählter Beispiele der Vertreibung nach Großbritannien, nach Asien und ganz besonders in Richtung Amerika (New York, Los Angeles, etc.) wird dokumentiert, auf welche Weise der Barbarismus der Nationalsozialisten den reichen künstlerischen und kulturellen Boden ausgehöhlt und zum Verstummen gebracht hat. Schließlich wird der Fokus auch auf die Künstlerkolonie in Los Angeles gerichtet, wo KomponistInnen, DirigentInnen, MusikerInnen, RegisseurInnen, SchauspielerInnen, etc. einen neuen Wirkungsbereich fanden.

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