INHALTLICHE AUSRICHTUNG

Das Curriculum folgt Schenkers Bemühungen um eine Theorie der Tonalität, die, vereinfacht gesagt, auf zwei tragenden Säulen ruht: (1) der Annahme, dass sämtliche Akkorde eines tonalen Musikstücks durch Über- und Unterordnung hierarchisch aufeinander bezogen sind, und (2) der Überzeugung, dass ein kontrapunktisch-lineares Denken weit in das Zeitalter der harmonischen Tonalität hineinreicht. Sofern sich Ansätze zu einer Hierarchie der Klänge vor 1700 zurückverfolgen lassen und nach 1900 erhalten haben, wird die Anwendung von Schenkers Methoden über den Zeithorizont seiner eigenen, zwischen Bach und Brahms angesiedelten Werkuntersuchungen ausgreifen.
Neben der zentralen Frage nach der Struktur tonaler Musik gehören Probleme der Interpretation, der Ornamentik, der Editionspraxis und der natürlichen Grundlagen der Tonalität zu den Gegenständen, denen sich Schenkers Schriften widmeten. Eine eingehende und kritische Lektüre dieser Schriften ist Ausgangspunkt für praktische Analyse-Übungen, die im Rahmen des Curriculums das Verständnis einzelner Werke wie historischer Entwicklungslinien der Tonalität insgesamt vertiefen sollen.



HEINRICH SCHENKER (1868–1935) LEBEN UND PUBLIKATIONEN