Musik der Minderheiten

Im Rahmen des „Minderheitenschwerpunktes” der 1990 am Institut eingerichtet wurde, werden wissenschaftliche Forschungsprojekte durchgeführt, wie z.B. „Musik der Roma in Österreich”(1990 - 1995), oder „Musik der Bosnier in Wien” (ab 1995); sowie „Einwanderer-Musikkulturen in Wien” (ab 2005). Die Ergebnisse, sowohl der Forschungsprojekte als auch von Symposien, werden in zahlreichen Publikationen - sowohl Büchern als auch Tonträgern - der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eines dieser Projekte ist die Erarbeitung eines Kinderliederbuches der Yoruba, das von Babatola Aloba vorgeschlagen wurde.

 

Ursula Hemetek, Eva Steinhauser und Babátóla Alóba

Dr. Ursula Hemetek, Eva Steinhauser und Babátóla Alóba (v.l.n.r.)
im Gespräch über das Yorùbá-Kinderbuch, 1999.
Photo: L. Waltner

 

Der „Minderheitenschwerpunkt” fließt auch in die Lehre ein und stößt auf großes Interesse bei den Studierenden, sodass immer mehr Diplomarbeitsthemen sowie Dissertationsthemen über verschiedene Minderheiten vergeben werden, wie z.B. „Musik der Griechen in Wien”, „Musik der Armenier in Wien”, „Romamusik”, Burgenländische Kroaten, Kärntner Slowenen, usw. In allen Tätigkeitsbereichen des Minderheitenschwerpunktes wird als unabdingbare Voraussetzung die enge Zusammenarbeit mit den Betroffenen selbst, nämlich den Angehörigen der jeweiligen Minderheit, gesucht.

Die gesellschaftspolitische Dimension einer derartigen Themenstellung wird wahrgenommen. Die Arbeit fördert den Dialog unterschiedlicher Kulturen, nämlich der Mehrheits- und der Minderheitenkulturen in Österreich. Sie dient dem Abbau von Vorurteilen durch die Weitergabe von Information. Sie dient dem Kampf gegen Xenophobie, mit den zur Verfügung stehenden kulturellen Mitteln. Dabei ist die Öffentlichkeitsarbeit ein wichtiger Teilbereich, und es wurden bereits mehrfach Präsentationen der Kultur von Minderheiten durchgeführt, und zwar in Zusammenarbeit mit der Initiative Minderheiten oder mit anderen Minderheitenorganisationen, wie z.B. „Roma - Mythos und Wirklichkeit” 1994 in Wien.
Außerdem wird die Aufgabe, wissenschaftliche Ergebnisse an die Gesellschaft weiterzugeben auch in Form von Beratungstätigkeit bei verschiedensten Projekten wahrgenommen, sowohl auf der pädagogischen als auch auf der kulturellen Ebene (z.B. bei André Hellers „Magneten” 1993 oder beim pannonischen Musical „coming home” von Christian Kolonovits 2004).

Die internationale fachliche Vernetzung ist sehr erfolgreich und führte 1997 zur Gründung einer eigenen Studiengruppe in der Weltorganisation der Ethnomusikologie, der ICTM. Bis zur Übernahme des ICTM Generalsekretariats wurde die Studiengruppe „Music and Minorities” wurde von Ursula Hemetek geleitet, seit 2017 leitet Svanibor Pettan die Study Group, Sekretärin ist Hande Sağlam. Die Study Group hat hat über 200 Mitglieder aus allen Kontinenten. Es werden im Abstand von 2 Jahren Fach-Konferenzen mit internationaler Beteiligung organisiert.

Betreut wird dieser Schwerpunkt seit 1990 durch ao. Univ. Prof. Dr.Ursula Hemetek, die ihn auch initiiert und sich 2001 zu diesem Thema im Fach Ethnomusikolgie an der Universität Wien habilitiert hat. Weiters arbeiten am Institut auch Hande Sa
ğlam, PhD und Univ.Ass. Mag. Marko Kölbl, PhD zu Musik von Minderheiten.


Bei Minderheitenkulturen handelt es sich sehr oft um bedrohte Kulturen (z.B. Romakultur, bosnische Kultur ...), deren wissenschaftliche Aufarbeitung nicht nur wichtig, sondern auch dringend ist. Mit der wissenschaftlichen Beachtung einer Kultur kann der Resignation, dem Absterben und Aufgeben ein Zeichen schöpferischer Neubesinnung entgegengesetzt werden.

Die Sammlung an AV-Dokumenten aus Feldforschungen im Minderheitenbereich seit den 1990er Jahren stellt einen wichtigen Wissensspeicher für Forschungsprojekte aber auch für die Communities selbst dar. Die Digitalisierung und Erschließung der Aufnahmen erfolgt laufend im Rahmen von Archivis Pro.