EUROPEAN VOICES IV

Konzert: Europäische Traditionen solistischer instrumentaler Mehrstimmigkeit
Freitag, 27. November 2015, 19:00 Uhr

Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Haydn-Saal
Anton von Webern Platz 1, 1030 Wien.
Eintritt frei. 

 

(Foto: © Christoph Huber)

Theresa Aigner

Violine

Theresa Aigner, geboren in Oberösterreich, begann sehr früh die Violine zu spielen und sowohl im klassischen als auch im volksmusikalischen Kontext zu musizieren, u. a. zu viert als „Geschwister Aigner“. 2006 fing sie das künstlerische Basisstudium der Anton Bruckner Privatuniversität bei Prof. Albert Fischer an. Seit 2012 studiert sie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien Instrumental(Gesangs)Pädagogik bei Prof. Roswitha Randacher.

Sie übte Stimmführer- bzw. Konzertmeistertätigkeiten in diversen Orchestern aus, wie z. B. oö. Jugendsinfonieorchester oder Akademisches Sinfonieorchester Wien. Seit 2015 ist sie Mitglied im Ensemble „Die Tanzgeiger“. Weitere künstlerische Impulse erfolgten durch Brian Finlayson, Klara Flieder, Rudi Pietsch, Rémy Ballot, Markus Wolf u.a.

Eine Besonderheit in der mehrstimmigen Tradition der Wiener Musik bilden die Solotänze für Violine. Die beiden Melodiestimmen werden auf einem Instrument in Doppelgriffen aufgeführt und fordern daher ein hohes technisches Können des Ausführenden. Diese besondere Aufführungspraxis erfolgt ohne Bass und Begleitung und bekommt dadurch einen starken Kadenz-Charakter.

 

Stefan Hagel

Altgriechische Musikinstrumente

Stefan Hagel arbeitet am Institut für Kulturgeschichte der Antike der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Themen rund um die antike Musik: Er erforscht erhaltene Melodien sowie die Rhythmik griechischer Dichtung, wirkt an der musikalischen Interpretation archäologischer Funde mit, rekonstruiert und spielt antike Instrumente. Daneben arbeitet er an der Weiterentwicklung seines Classical Text Editor, der weltweit führenden Software für wissenschaftliche Textausgaben.

Im Rahmen des Gesprächskonzerts stellt Stefan Hagel rekonstruierte Instrumente zum Teil mit erhaltenen Melodien vor. Auf der Kithara, der großen Leier der professionellen Sänger, begleitet er Hymnen aus der römischen Kaiserzeit, vor allem von Mesomedes, einem am Kaiserhof wirkenden Musiker aus Kreta; einige seiner Kompositionen sind, vermutlich als weit verbreitetes Schülerrepertoire, bis in byzantinische Handschriften des Mittelalters weiterkopiert worden und waren so die frühesten der europäischen Neuzeit bekannten Zeugnisse antiker Musik. Daneben erklingen mehrere Varianten des Aulos, der berühmten ‚Doppelflöte‘ der Antike, einem Doppelrohrblattinstrument, zu antiken Rhythmen. Das Spektrum reicht dabei vom einfachen diatonischen Holzinstrument bis zu den teuren Instrumenten der Virtuosen, auf denen man die Skala mit Hilfe eines Systems von drehbaren Ringen oder langen Schiebern verändern konnte.

Kithara

Louvre-Aulos

 

Rudolf Koschelu

Schrammelgitarre, Gesang

Komponist, Texter, Sänger und Kontragitarrist. Als ausgebildeter Schriftsetzer sang er in verschiedenen Popbands und wurde 1978 Berufsmusiker. Mitglied der Berg- und Tal-Schrammeln und (mit dem Akkordeonisten Alfred Gradinger) der Weaner Spatz’n (seit 1978) und der Vindobona-Schrammeln (seit 1995). Ferner war er Begleiter im Vienna Trio. Zusammenarbeit mit Karl Hodina (CD Herrgott aus Sta’) und Joesi Prokopetz.

Koschelu spielt die Kontragitarre in der traditionellen Interpretation des Wienerliedes und der Schrammelmusik. In seinem umfangreichen Gesangs- und Textrepertoire hat auch die fast vergessene Kunst des Dudelns ihren Platz, die im Wienerlied-Repertoire heute nur mehr die wenigsten männlichen Sänger beherrschen.

 

Daniela Mayrlechner

Zither, Raffele

Der musikalische Werdegang beginnt in der Küche der Großmutter – im gemeinsamen Singen. Das erste Instrument, das sie erlernte, war dann die Zither. Es folgten weitere – autodidaktisch erschlossen oder in der Begegnung mit prägenden Lehrmeistern erlernt. Studium der Instrumental- und Gesangspädagogik mit Hauptinstrument Querflöte an der Universität Mozarteum Salzburg und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Schwerpunkt Volksmusik). Derzeit ist Daniela Mayrlechner als Querflötenlehrerin, Referentin im Rahmen diverser Aus- und Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Musikvermittlung sowie als Lehrende am Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie und am Institut für Musikpädagogik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien tätig.

Künstlerische, pädagogische und wissenschaftliche Beschäftigung mit traditionellen Musiksprachen. 

 

Albin Paulus

Historische Doppelrohrpfeifen, Maultrommel

Albin Paulus stürzt sich mit Begeisterung auf alles, was ungewöhnlich ist. Nach einer klassischen Klarinettenausbildung und einem Studium der Musikwissenschaft in Wien und Cremona machte er sich einen Namen als Maultrommelvirtuose, Dudelsackpfeifer und Jodler. Zu seinen vielen Projekten zählt auch das Ensemble „Schikaneders Jugend“ – Popmusik des 18. Jahrhunderts, und „Cantlon“ – Musik der keltischen Eisenzeit auf selbstgebauten Instrumentenrekonstruktionen. Außerdem wird er von zahlreichen Ensembles eingeladen, wenn es um seltene Instrumente geht, u. a. Unicorn (A), Ensemble baroque de Limoges (F) u. a. Nebenbei ist er auch erster offizieller Dudelsacklehrer Österreichs an der Wiener Musikschule.

 

Răzvan Roşu

rumänische Flöten, Gesang

Răzvan Roşu wurde 1990 in Satu Mare, Siebenbürgen, Rumänien geboren. Er absolviert zur Zeit in Jena ein Masterstudium der Südosteuropastudien und in Cluj (Klausenburg) ein Doktorat in Anthropologie. Gleichzeitig spielt und singt er traditionelle Musik aus dem Motzenland, im Apuseni-Gebirge. Regelmäßig tritt er in zahlreichen Ländern Europas auf, mit Flöten, Dudelsack und tulnic (Alphorn) aus Siebenbürgen.

Răzvan Roşu wird in diesem Konzert unter anderem Flöte und Dudelsack spielen. Die Stücke hat er von seiner Familie und auch aus Feldforschungen im Motzenland gelernt. 

Flöte - 15.08.2015, Satu Mare (Sathmar), Rumänien

 

Nicola Scaldaferri mit Steven Feld, 2005 während des Maibaumfestes in Accettura (Foto: © Lorenzo Ferrarini).

Nicola Scaldaferri

Italienische Dudelsäcke

Nicola Scaldaferri ist Ass. Prof. an der Universität von Mailand, wo er Ethnomusikologie und Anthropologie der Musik unterrichtet und das LEAV – Ethnomusicology and Visual Anthropology Laboratory leitet.

Er wurde in dem Arbëresh-Dorf San Costantino Albanese in Süditalien in einer musikalischen Familie albanischer Herkunft geboren und spielt seit seiner Kindheit mehrere Musikinstrumenten aus seinem Geburtsdorf und der Region Monte Pollino, besonders Dudelsäcke, Rohrblatt- und Streichinstrumente. Scaldaferri arbeitet zusammen mit Komponisten, Interpreten und Musikfestivals (wie MiTo-Settembremusica, und Festival di Portogruaro), um den musikalischen Dialog zwischen Instrumenten und Musik aus unterschiedlichen kulturellen Regionen zu fördern.

Er wird in diesem Konzert zwei unterschiedliche Typen von Dudelsäcken präsentieren. Der erste ist der kleine italienische Dudelsack surdulina, mit zwei Bordun- und zwei Melodiepfeifen derselben Länge, auf denen einige Töne in derselben Oktave gespielt werden können. Somit spielt jede Hand auf einer anderen Pfeife. Der zweite ist die berühmte zampogna a chiave, mit zwei Bordun- und zwei Melodiepfeifen verschiedener Länge, die auf zwei unterschiedliche Oktaven gestimmt sind. Scaldaferri wird schnelle Musik zum Tanzen (pastorale; tarantella) und langsame Musik „zum Gehen” (sonata appresso al santo), aus religiösen Umzüge und Hirtenweisen (sonata appresso le pecore) zum Besten geben.

 

Zampogna solo

Lied mit surdulina

 

(Foto: © Stephan Mussil)

Marie-Theres Stickler

Harmonika, Concertina

1988 geboren, aufgewachsen im niederösterreichischen Schneebergebiet, begann Marie-Theres Stickler im Alter von sechs Jahren autodidaktisch das Harmonikaspiel. Es folgen Jahre mit vielen Musikveranstaltungen und Harmonikatreffen – die ersten Lehrmeister waren im Wirtshaus zu finden. 2006-2013 studierte sie Instrumentalpädagogik/­Volksmusik­­instru­mente, Hauptfach Diatonische Harmonika am Mozarteum Salzburg. Seit einigen Jahren beschäftigt sich Marie-Theres mit Akkordeons diatonischer (Steirische Harmonika) und chromatischer Stimmung (Wiener Schrammelharmonika) oder auch mit der Chemnitzer Konzertina, der Vorläuferin des Bandoneons.

Neben dem Ensemble ALMA, in dem Eigenes, Neuartiges, aber auch Traditionelles vermischt werden, spielt Marie-Theres traditionelle (alpenländische) Musik im Ensemble „Die Tanzgeiger“ und in vielen weiteren Projekten.

Almschroa

 

Andor Végh

gajde, dude, samica, und andere Blasinstrumente

Fanjo Dervár

tambura kontra, Gesang

Zsombor Horváth

Geige, samica

Die drei Musiker präsentieren Bordunmusik auf traditionellen Dudelsäcken Südwestungarns und Kroatiens. Solistisch-mehrstimmiges Spiel auf dude und gajde, Dudelsackimitationen auf der Zupflaute samica und der Geige rufen die musikalische Atmosphäre einer Zeit wach, als der Dudelsackmusik noch eine dominante Rolle im sozialen Leben hatte, jedoch Dudelsackmelodien auch auf anderen Borduninstrumenten gespielt wurden.

Die meisten der auf dem Konzert zu hörenden Instrumente entstammen direkt der lokalen Tradition oder der Werkstatt von Andor Végh, der die Herstellung und Spielweise des Dudelsacks auf ausgedehnten Feldforschungen in der Baranya und in Nordkroatien erlernt hat.

Sitne bole

 

Simon Wascher

Drehleier

Simon Wascher lebt in Wien als freischaffender Musiker seit 1995. Die Drehleier ist sein Instrument seit 1987. Er tritt solistisch in vielen europäischen Festivals sowie mit verschiedenen Ensembles auf: Schikaneders Jugend, Bilwesz, Hotel Palindrone, Rundgeiger, Alpenland meets Ostseestrand, L'Orfeo Barockorchester, Januzs Prusinowski Kompania, Capella de la Torre.

Simon Wascher spielt im heutigen Konzert traditionelle alpenländische Musik. Sein Repertoire umfasst Ländler, Schleunige, Steirische und Jodler. Er interpretiert diese Musik im Hier und Jetzt, nicht weil sie so alt ist, sondern trotz ihres ‚Alters‘, als zeitgemäße improvisierte Musik.

Die Drehleier, die oft einfach „Leier“ genannt wird, tritt von Mitte des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts dann und wann regelmäßig in Erscheinung. Eine bis heute ununterbrochene Tradition ist in Tirol belegt. In Wien sind die „Leirertänze“, als Teil des Repertoires vieler zeitgenössischer Wiener Musikanten, Zeugnisse dieser Tradition.

 

Laurens Weinhold

Hardangerfiedel

Laurens Weinhold ist ein vielfach ausgezeichneter, klassisch ausgebildeter Geiger aus Norwegen. Er studiert seit 2010 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seit einigen Jahren studiert er bei Professor Rudolf Pietsch unterschiedliche Gattungen der Volksmusik mit Schwerpunkt Hardangerfidel. Die norwegische Musik hat er von Gunnar Stubseid (Setesdal) gelernt.

Für das heutige Konzert wird Laurens Weinhold unterschiedliche traditionelle Stücke aus der Region Setesdal darbieten. Diese Musik wird in der Regel solistisch gespielt. Der flache Steg des Instruments dient dazu, mehrere Saiten gleichzeitig mit wenig Mühe anstreichen zu können, während die Aliquotsaiten, die unter dem Griffbrett laufen, ein reiches Klangbild ermöglichen.