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Wintersemester

 

ORESTE von Georg Friedrich Händel
Montag, 29. und Dienstag, 30. Jänner 2018, 19.00 Uhr
Schlosstheater Schönbrunn


Musikalische Leitung: Christoph U. Meier
Inszenierung: Sebastian Welker
Ausstattung: Christoph Gehre
Beethoven Philharmonie

Tickets: oeticket.com - +43 900 949 60 96

 

Konkurrenz und Konkurs

Händels Oreste

Im Jahr 1734 befand sich Georg Friedrich Händel in einer besonders kritischen Situation. Als Komponist und Impresario war er für den künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg seiner Opernkompanie verantwortlich, aber die Aussichten waren alles andere als gut.

Seine bisherige Spielstätte, das King´s Theater, war an die erfolgreichere Opera of the Nobility verpachtet worden und alle von Händels bisherigen Gesangsstars mit Ausnahme einer einzigen Sopranistin waren zu diesem Konkurrenzunternehmen übergelaufen. Zu allem Unglück für Händel hatte der Konkurrenzimpresario Nicolo Porpora auch noch den berühmten Kastraten Farinelli als besondere Attraktion zu bieten. Um mithalten zu können, sah Händel sich gezwungen, im Gegenzug den Kastraten Carestini, Farinellis größten Rivalen, zu engagieren.

Im provisorischen Ausweichquartier Covent Garden, einer ehemaligen Schauspielbühne, brachte Händel als erstes neues Werk ORESTE heraus. Es handelt sich um keine vollständige Neukomposition, sondern um ein im Barock gebräuchliches Pasticcio, d.h. um eine Zusammenstellung von Arien aus anderen Opern. Im Gegensatz zur gängigen Pasticcio-Praxis, die normalerweise auch Arien anderer Komponisten wiederverwertete, waren in diesem besonderen Fall aber alle Stücke von Händel selbst. Das aus massivem Konkurrenzdruck entstandene "Best of" behandelt die Geschichte der Iphigenie auf Tauris nach Euripides und ist somit eine direkte Kampfansage an die IFIGENIA IN AULIDE von Porpora auf der anderen Bühne.

Trotz des Erfolgs von Händels neuestem Coup endeten alle Anstrengungen beider Opernunternehmen, sich gegenseitig zu übertrumpfen, schon nach wenigen Spielzeiten - Ironie des Schicksals wie in der griechischen Tragödie - im beidseitigen Bankrott.

Das verzweifelte Bemühen um wirtschaftlichen und künstlerischen Erfolg brachte im Fall von ORESTE ein außergewöhnlich stringentes, dramatisch geschlossenes Libretto ohne die üblichen Nebenhandlungen hervor. Händel veredelte das Genre des sonst oft beliebig zusammengewürfelten Pasticcios durch die handverlesene Auswahl seiner besten Arien, denn nur durch höchste Qualität konnte er Nicolo Porpora überbieten.

Der Hörer erlebt eine dichte Konzentration gehaltvoller Musik, wie sie selten in anderen Barockopern anzutreffen ist. Wenn zwei sich streiten freut sich eben auch hier der Dritte.

Text von Christoph U. Meier

 

Sommerbespielung

 

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