Das Institut

Das Institut für Musikalische Stilforschung besitzt durch die von ihr besorgte spezielle Verbindung von Wissenschaft und Praxis eine wichtige Aufgabe im Rahmen des Gesamtspektrums Erforschung und Interpretation von Musik. Dabei ist es ihr Hauptanliegen, die Musik der verschiedensten Stilperioden unter den jeweils adäquaten historischen, kulturgeschichtlichen sowie interpretationsästhetischen Aspekten zu betrachten; und hier hat sich durch die Entwicklung der letzten Jahre neben den allgemeinen Bereichen von Alter und Neuer Musik (die zuvor von der Lehrkanzel "Musikalische Stilkunde und Aufführungspraxis" abgedeckt wurden) die Musik der Wiener Schule als spezieller Schwerpunkt (der durch das "Arnold-Schönberg-Institut" der Universität vertreten war) etabliert. Entsprechend dieser Vorgeschichte und Aufgabenstellung umfaßt das Institut zwei Abteilungen.


Abteilung für Stilkunde und Aufführungspraxis


Die "Abteilung für Stilkunde und Aufführungspraxis" führt wichtige einschlägige Lehrveranstaltungen sowohl für künstlerische als auch für musikpädagogische Studienrichtungen durch; in diesen werden die historisch-stilistischen Grundlagen für ein - im Sinne der "historischen Aufführungspraxis" -"richtiges" Interpretieren primär von älterer, aber auch von neuer und avantgardistischer Musik vermittelt. Ausgangspunkt des Fachgebietes ist dabei ein Stilbegriff, der nicht nur kompositionstechnische Parameter zu zeit- oder personaltypischen Ausprägungen zusammenfaßt, sondern diese Ergebnisse auch im direkten Zusammenhang mit jeweils anders handzuhabenden Musizierweisen sieht. Stilgeschichte wird solcherart zugleich zu einer Geschichte der Aufführungspraxis, und in dieses Spannungsfeld sind auch die Kategorien von Ausdruck und "Bedeutung", die ähnliche historische Vernetzungen aufweisen, einbezogen.
Zu den Aufgabengebieten der Abteilung zählen Vorlesungen, Seminare, Praktika und größere Projekte, welche die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die verschiedenen Stile der Musikgeschichte den Studierenden praxisnah darbieten und sie - dies auch in Zusammenarbeit mit Lehrern der zentralen künstlerischen Fächer - zur Grundlage reflektierter Interpretation werden lassen. Durch die eingehende Beschäftigung mit dieser Materie sollen die Studierenden auch zu eigener Forschung angeregt werden, welche in Dissertationen sowie Diplom- und Hausarbeiten mit aufführungspraktischer Themenstellung Eingang zu finden hat. Schließlich ist zu erwähnen, dass die "Abteilung für Stilkunde und Aufführungspraxis" die von der internationalen musikwissenschaftlichen (und aufführungspraktischen) Szene in reichem Maße dargebotene Literatur aufarbeitet und allen Interessierten zu weiterer Beschäftigung nahebringt.
Die Abteilung steht - nicht zuletzt durch von ihr ausgerichtete Symposien - mit den wichtigsten Aufführungspraxis-Lehrstätten in Europa in regelmäßiger Verbindung, u. a. mit der Schola Cantorum Basel sowie mit dem Institut für Aufführungspraxis Michaelstein/Blankenburg. Auf dem Gebiet der modernen Musik richtet sie seit 1989 die wissenschaftlichen Begleitsymposien zum Festival WIEN MODERN aus und steht somit auch in diesem Bereich im Schnittpunkt von Wissenschaft und Praxis. - Eine eigene Reihe "Wiener Schriften zur Stilkunde und Aufführungspraxis" veröffentlicht die Referate bzw. Ergebnisse der Symposien.


Abteilung "Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg"


Die Abteilung "Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg" trat im März 2002 die Nachfolge des damals seit sechs Jahren bestehenden Arnold-Schönberg-Institutes an. Wie dieses besitzt es die Aufgabe, Leben und Wirken des großen österreichischen Komponisten - aufbauend auf den im "Arnold Schönberg Center" von der Wiener "Arnold Schönberg Center Privatstiftung" archivierten Materialien aus dem Schönberg-Nachlass sowie auf den im Mödlinger Schönberg-Haus von der Internationalen Schönberg-Gesellschaft gesammelten Dokumenten - unter einer Reihe von Gesichtspunkten möglichst umfassend zu dokumentieren. Einerseits soll Schönbergs eigene Tätigkeit im Wien des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere jene im Rahmen der verschiedenen Vereinigungen und Gesellschaften, denen er angehörte oder mit denen er sympathisierte, weiter aufgearbeitet werden (unter anderem durch eine vollständige Erfassung sämtlicher Meldungen in Tageszeitungen und anderen Periodika, welches Vorhaben auch die Kenntnis der frühen Wiener Schönberg-Rezeption ergänzen wird), andererseits soll die Wirkung seiner Lehre auf die Musik aller Richtungen und Stile (insbesondere auch der österreichischen Gegenwart) intensive Untersuchungen erfahren. Außerdem richtet das "Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg" (bzw. zuvor das "Arnold-Schönberg-Institut") seit Bestehen des "Arnold Schönberg Centers" gemeinsam mit diesem die alljährlichen großen internationalen Schönberg-Symposion aus, die sich sowohl verschiedenen Lebensabschnitten, Schaffensperioden und Werkgattungen des Komponisten als auch seinen ästhetischen, gesellschaftlichen oder politischen Standpunkten bzw. Äußerungen widmen. Der Institutsleiter war in dieser Eigenschaft zudem Leiter des vom FWF (Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung) unterstützten Projektes "Arnold Schönberg: Schriften (Kritische Gesamtausgabe)", das vom 1. April 2003 bis 21. März 2006 lief, sowie Leiter des vom FWF geförderten, vom 1. Mai 2006 bis 30. April 2008 laufenden Projekts "Arnold Schönberg. Kommentiertes Werkverzeichnis". Derzeit leitet er das vom FWF geförderte, seit 1. Juni 2008 laufende Projekt "Arnold Schönberg: Zeittafel - Kalendarium - Chronologischer Index". In diesen Projekten waren und sind jeweils
drei hauptamtliche wissenschaftliche Mitarbeiter/innen beschäftigt.

Das Projekt "Arnold Schönberg: Schriften (Kritische Gesamtausgabe)" wird zudem mit freundlicher Unterstützung

der Logo durchgeführt.

Einen weiteren Forschungsschwerpunkt stellt die Aufführungslehre der Komponisten sowie der Interpreten der "Wiener Schule" dar; hier waren u. a. Rudolf Kolisch, Peter Stadlen und Karl Steiner, der Juni 1997 und noch einmal Juni 2000 im Rahmen des Arnold-Schönberg-Institutes Interpretationskurse an unserer Universität gehalten hat und mit dem gemeinsam 1999 und 2001 einschlägige Veranstaltungen an Universitäten in Kanada und den USA bestritten wurden, bedeutende Vertreter. - Diese "Aufführungslehre" ist nicht nur für die Musik des 20. Jahrhunderts von Relevanz, sondern besitzt auch eine grundsätzliche Bedeutung für die frühen Bemühungen um eine wissenschaftlich fundierte Aufführungspraxis der klassisch-romantischen Musik (und hier vor allem Ludwig van Beethovens).
Ein wichtiges Thema ist naturgemäß auch die Exilforschung, die im Rahmen unseres Institutes insbesondere Schicksal, Rezeption und künstlerisches Weiterleben der Vertreter bzw. der Musik der Wiener Schule nach 1933 bzw. 1938 betrifft, zusätzlich aber auch die "Zweite Generation" der Wiener Schule sowie ganz allgemein österreichische Komponisten aller Stilrichtungen im Auge hat. Seit Herbst 1997 haben sich sieben große Symposien, die das Arnold-Schönberg-Institut in Wien (eines davon in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum der Stadt Wien), New York (in Kooperation mit der Mannes School of Music), New Orleans, Mexico City sowie Jalapa (in Zusammenarbeit mit den dortigen Universitäten) veranstaltete, mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Schließlich sind Schönbergs mannigfaltige pädagogische Tätigkeiten bzw. pädagogische Konzeptionen Gegenstand von Betrachtungen, die diese Ansätze unter den Blickwinkel einer allgemeinen Ästhetik der Moderne stellen und ihre Universalität nicht zuletzt einschlägigen didaktischen überlegungen zu Grunde legen. Veranstaltungen mannigfacher Art (Vorlesungen, Vorträge, Seminare, Symposien, Konzerte etc.) und umfangreiche Publikationsreihen sollen die Forschungsergebnisse sowohl Lehrern und Studierenden der Universität als auch der Öffentlichkeit zugänglich machen und dadurch die Bedeutung Schönbergs für die Musik des 20. und jetzt auch 21. Jahrhunderts noch mehr im allgemeinen Bewußtsein verankern.


 

Personal:

Institutsleiter: o. Univ.-Prof. MMag. Dr. Hartmut Krones

Stellvertreterin: Univ.-Ass. Mag. Mag. Dr. Maria Helfgott

Sekretariat: Brigitte Grünauer

Abteilung "Wissenschaftszentrum Arnold Schönberg"
Gastprofessor em. o. Univ.-Prof. Dr. Gernot Gruber

Mag. Therese Muxeneder

Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs
Mag. Dr. Eike Rathgeber
Julia Bungardt M. A.

Mitarbeiterin:
Mag. Mag. Katharina Bleier

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