In den erfassten Dokumenten tauchen Musik(en) und AkteurInnen in Kontexten auf, welche die bisher in Betracht gezogenen Primärquellen und Dokumente der historischen Musikwissenschaft nicht zu vermitteln imstande waren. Diese Kontexte aus dem Alltag – wie etwa eine Nachrichtensendung oder eine Erinnerung einer/s Zeitzeugin/en – zeigen auf, auf welch vielschichtige Weise Musik in der Gesellschaft eine Rolle spielen kann und wie diese von Brüchen und Kontinuitäten gekennzeichnet ist. Die Analyse der verschiedenen Ebenen (wie z. B. der Entstehung und Wiedergabe, der Akteure und Musiken) führt zu Querverweisen über Personen, Orte, Zeiten, Ereignisse, Repertoires, die der Linearität verpflichtete historische Erzählungen in Frage stellen. Eine der Aufgaben des Projektes ist es daher, ein neues Konzept der Geschichtsschreibung zu entwerfen, die der den postmodernen Diskursen innewohnenden Heterogenität und Pluralität gerecht wird und die hegemoniale Stellung der Schriftlichkeit – und des Kunstwerkbegriffes – hinterfragt.