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Symposium „Ist Musiktheorie praktisch?“

Zeitplan:

Donnerstag 12.4.2018

14:00 Begrüßung Rektorin Prof. Ulrike Sych und Matthias Giesen - Fanny Hensel Saal

14:30 „Erkennen - Hören - Spielen: Musiktheoretische Erfordernisse im Kammermusikunterricht“ (Johannes Meissl, Wien) - Fanny Hensel Saal

15:15 „Historische Satzlehre als Handwerkslehre zwischen „Theorie“ und „Praxis“ (Felix Diergarten, Freiburg) - Fanny Hensel Saal

16:30 „Analyse, Performance, Wahrnehmung – Interpretationen der zyklischen Makroform von Arnold Schönbergs Sechs kleinen Klavierstücken op. 19“ (Christian Utz, Thomas Glaser, Laurence Willis/Graz) - Fanny Hensel Saal

17:30-18:30 Roundtable I mit Studierenden und Lehrenden “Wie wichtig ist die Musiktheorie für die Interpretation” - Fanny Hensel Saal

19:30 „Analysekonzert“ zur Klavierliteratur mit Till A. Körber (Linz) und Matthias Giesen (Wien/Linz) - Fanny Hensel Saal

Freitag 13.4.2018

09:00-11:00 workshop Theorie/Interpretation A: Streicherkammermusik (Johannes Meissl/Matthias Giesen) – Zubin Mehta-Saal

10:00-12:00 workshop Theorie/Interpretation B: Bläserkammermusik (Gerald Resch/Barbara Strack-Hanisch) – K0201

11:00-13:00 workshop Theorie/Interpretation C: Klavierkammermusik (Christoph Eggner/Michael Meixner) – Fanny-Hensel-Saal


14:30: „Problemorientierter Musik(theorie)unterricht? Kontexte, Herausforderungen und Chancen einer didaktischen Perspektive (Verena Weidner, Erfurt) - Fanny Hensel Saal

15:15-16:00 „J. S. Bachs Inventionen und Sinfonien als pädagogischer Ansatz für Analyse und Interpretation“ (Gerda Struhal, Wien) - Fanny Hensel Saal

16:15-17:15: „Komponieren im Unterricht – Eine Unterrichtsstunde“ (Johannes Kretz/Veronika Simor, Wien) - Fanny Hensel Saal

17:30-18:30: Roundtable II mit Studierenden und Lehrenden „Mehrere Lehrende – ein(e) Studierende(r)!? Co-Teaching und andere Unterrichtsformen“ - Fanny Hensel Saal

19:30 Kammerkonzert - Fanny Hensel Saal
Marc Aurel Quartett
Aureum Saxophonquartett
Duo Kim


Samstag 14.4.2018

09:00-11:00 workshop Improvisation und Theorie (Michael Meixner, Wien) - Fanny Hensel Saal

11:15-12:00 „Vom Nutzen und Nachteil metrischer Analysen für die musikalische Interpretation“ (Gesine Schröder, Wien/Leipzig) - Fanny Hensel Saal

12:00-12:30 Schlussrunde - Fanny Hensel Saal

Abstracts

Abstract: Johannes Meissl:

"Erkennen - Hören - Spielen: Musiktheoretische Erfordernisse im Kammermusikunterricht“ (Johannes Meissl, Wien) - Fanny Hensel Saal

Ziel des Kammermusikunterrichts ist die eigenständige Interpretations- und Kommunikationsfähigkeit – aus dem dialogischen Prozess mit dem Text und untereinander können wir erfolgreich mit dem Publikum kommunizieren.

Wir brauchen dafür neben den instrumental- und ensembletechnischen Fähigkeiten auch die „klassischen“ musiktheoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten, um die harmonischen, satztechnischen, formalen und semantischer Sachverhalte erkennen und im jeweiligen stilistischen und musikhistorischen Kontext sinnvoll umsetzen zu können.

Hören, Aufmerksamkeit und Entdeckungsbereitschaft ermöglichen uns in der kammermusikalischen Arbeit die in der Partitur erkannten und letztlich für unsere eigene  Interpretationsentscheidung bewerteten strukturellen und semantischen „Daten“ in eine sinnliche und emotionale Spielerfahrung zu bringen.

Nur wenn wir Musik auch „denken“ können, werden wir sie eigenständig fühlen, ausdrücken und spielen können!

Abstract: Felix Diergarten

›Historische Satzlehre‹ ist ein Fach, das von Wulf Arlt bei der Neuorganisation der Schola Cantorum Basiliensis in den 1970er-Jahren begründet wurde. Der ›Historischen Satzlehre‹ geht es um die Rekonstruktion und handwerkliche Vermittlung von Konventionen eines ›Denkens in Tönen‹ vergangener Zeiten. Vom bekannten Anfertigen von ›Stilkopien‹ unterscheidet sich die Historische Satzlehre darin, dass sie historische Aspekte des Anfertigens, Notierens und Aufführens von Musik einbezieht, insbesondere Techniken der stilgebundenen ›Improvisation‹, etwa mithilfe von Satzmodellen. ›Historische Satzlehre‹ vermeidet eine Aufteilung in ›Theorie‹ und ›Praxis‹, weil sie immer in einem Verbund von Fächern und als Grundlage der Interpretation zu sehen ist.

Abstract: Christian Utz, Thomas Glaser, Laurence Willis

Analyse, Performance, Wahrnehmung – Interpretationen der zyklischen Makroform von Arnold Schönbergs Sechs kleinen Klavierstücken op. 19

 

Der Vortrag wird erste Resultate des durch den FWF geförderten Forschungsprojekts PETAL (Performing, Experiencing and Theorizing Augmented Listening, Kunstuniversität Graz, 2017–2020), präsentieren. Das Projekt setzt sich ausgehend von einem Konzept praktischer Interpretation als „analysis in real time“ (Robert Hill) mit Formen der Interaktion zwischen Analyse und Aufführung anhand von zyklischen Werken des Klavier- und Liedrepertoires auseinander. Im vorliegenden Fall bildet eine Korpusstudie zu Schönbergs Sechs kleinen Klavierstücken op. 19 (1911) den Schwerpunkt. Ziel ist es, Strategien von musikalischer Analyse und praktischer Interpretation zu verzahnen und interagieren zu lassen, um so der Idee eines performativen Hörens und einer ‚Analyse in Echtzeit‘ Gestalt geben zu können.

 

Drei mit dem Projekt assoziierte PianistInnen (Till Alexander Körber, Han-Gyeol Lie, Håkon Skogstad) haben für das Projekt je zwei Einspielungen von op. 19 gemacht, eine vor und eine während eines Workshops im März 2018. Vor dem Workshop wurde den PianistInnen eine annotierte Partitur des Zyklus übermittelt, in der u.a. analytische Dimensionen (Phrasengliederung, Harmonik, Form, Zyklizität) und Tempo- und Dynamikgestaltung historischer Aufnahmen (zum Teil zusammengefasst in paradigmatische Interpretationsmodelle) dokumentiert sind. Ziel ist es, so im Rahmen des Workshops einen offenen dialogischen Prozess in Gang zu setzen, der wiederum im Sinne der grounded theory in neue analytische/theoretische Perspektiven einfließt. Die Beziehung zwischen Analyse und Aufführung, die im Zentrum der Aufführungsästhetik der Wiener Schule steht (Schönberg, Kolisch, Leibowitz, Steuermann), wird damit im Spannungsfeld der gesamten bis in die Gegenwart reichenden Interpretationsgeschichte erfahrbar.

Abstract: Verena Weidner:

Problemorientierter Musik(theorie)unterricht –
Kontexte, Herausforderungen und Chancen einer didaktischen Perspektive

Denken in Musik ermöglichen – auf diese gemeinsame Leitidee einigen sich Musiktheoretiker_innen und Musikpädagog_innen, wenn man sie nach ihren Vorstellungen von gelungenem Musik(theorie)unterricht fragt. Offen ist bislang die Frage, wie ein solches Denken in musiktheoretischen Lehr- und Unterrichtszusammenhängen am besten zu erreichen ist.

Der Beitrag klärt Hintergründe der bisweilen problematischen Fächerbeziehung von Musikpädagogik und Musiktheorie und entwickelt im Rückgriff auf die Forschung zur Unterrichtssprache eine Perspektive auf Musik(theorie)unterricht, die von ‚Problemen’ als didaktischen Anreizen einer möglichst eigenständigen Auseinandersetzung mit Musik ausgeht.  

Abstract: Gerda Strouhal

„Johann Sebastian Bachs Inventionen und Sinfonien als pädagogischer Ansatz zu Analyse und Interpretation“

„Auffrichtige Anleitung,

Wormit denen Liebhabern des Clavires,

besonders aber denen Lehrbegierigen, eine deütliche Art gezeiget wird, […] anbey auch zugleich gute inventiones  nicht alleine zu bekommen, sondern auch selbige wohl durchzuführen, am allermeisten aber eine cantable  Art im Spielen zu erlangen, und darneben einen starcken Vorschmack von der Composition  zu überkommen.“

Im Klavierunterricht sind Bachs didaktische Stücke, die nach seiner Absicht sowohl die handwerklichen Fähigkeiten des digitalen Spiels als auch die der Komposition entwickeln sollten, Standardwerke, die Bach selbst für die Unterweisung seiner Schüler, unter anderem auch seiner Söhne, heranzog.

 

Die Bauart der streng zweistimmigen Inventionen und dreistimmigen Sinfonien zeigen, wie eine Idee in eine musikalische Form gebracht wird bzw., reziprok gelesen, welche Art von Idee eine Form verlangt.

 

Das Erkennen kompositorischer Techniken, der harmonischen Entwicklung bzw des formalen Aufbaus und damit des Spannungsbogens eines Werkes sind für Interpreten entscheidende Parameter in der Entwicklung der Interpretation eines Musikstückes. Robert Schumann sieht eine gelungene Interpretation einer Fuge „[…] wo das künstliche Wurzelwerk wie das einer Blume überdeckt ist, dass wir nur die Blume sehen.“, und J. S. Bach sucht „am allermeisten aber eine cantable Art im Spielen“.

 

(Aus Gründen der Lesbarkeit wurde im Text die männliche Form gewählt, nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige beider Geschlechter.)

Abstract: Johannes Kretz, Veronika Simor:

Komponieren im Unterricht – eine Unterrichtsstunde

Komponieren wird meistens als höchst individuelle, autonome, ja einsame Tätigkeit betrachtet. Kann man in einer Gruppe Komponieren unterrichten? Welche Modelle und Denkansätze können wir verwenden. Anhand zweier Modelle – einmal mehr Noten-bezogen, einmal mithilfe graphischer Partituren wird versucht, Anregungen zu geben. 

Abstract: Michael Meixner:

Workshop Improvisation und Theorie

In diesem Workshop werden Übungen aus dem entsprechenden Unterricht vorgestellt, ausprobiert und erläutert. Die Übungen bestehen aus dem Erlernen übersichtlicher zwei- und dreistimmiger Satzmodelle, die sich leicht kombinieren lassen. Der Begriff Theorie erweist sich in diesem Zusammenhang zuerst als vor allem praktisch motiviert: als minimal nötige Anweisung, um das entsprechende Modell zu realisieren und mit anderen zu verknüpfen. Die Ausführenden entwickeln auf dem Weg ein intuitives Verständnis für typische musikalische Gestalten und deren Eigengesetzlichkeiten.

Abstract: Gesine Schröder

Als wäre mit der Anspielung auf Nietzsches unzeitgemäße Betrachtung nicht alles entschieden: „Deine Art zu gehen, nämlich als Wissender zu klettern, ist dein Verhängnis […]; für dein Leben gibt es keine Stützen mehr, nur noch Spinnefäden, die jeder neue Griff deiner Erkenntnis auseinanderreißt.“

Welche Fragen stellen metrische Analysen? Schadet oder nützt es, sie als Spieler_in zu kennen? Hier eine Shortlist:

• Wo fangen Taktgruppen an, wo enden sie?

• Gibt es Großtakte? Ergeben sich Hypermetren? Soll man Taktgewichte beim Spiel hervorheben?

• Stehen die Taktstriche an der richtigen Stelle?

• Dreiertakte, auch Fünfertakte: Es gibt mindestens sieben Möglichkeiten, wie sie strukturiert sein können…

Konzerte im Rahmen von: Symposium „Ist Musiktheorie praktisch?“

Donnerstag 12.4.2018 19:30 „Analysekonzert“

zur Klavierliteratur mit Till A. Körber (Linz) und Matthias Giesen (Wien/Linz) 

Fanny Hensel Saal

 

Freitag 13.4.2018 19:30 Kammerkonzert

Marc Aurel Quartett
Aureum Saxophonquartett
Duo Kim

Fanny Hensel Saal

Wie praktisch ist Musiktheorie?“

12.-14. April 2018

an der mdw

Im Zuge der Diskussionen um einen neuen Studienplan für die Instrumentalstudiengänge an der mdw wurde in den vergangenen Jahren Vieles im Studiencurriculum hinterfragt, gefordert und neu aufgestellt: Von Seiten der Instrumentallehrenden wurde eine praxisoffenere Konzeption des Musiktheorieunterrichtes gewünscht, von den Theorielehrenden die dazu nötigen Rahmenbedingungen (kleinere Gruppen, Möglichkeit zur Verwendung des Instrumentes im Unterricht etc). Diese Diskussion wird bzw. wurde an vielen Musikhochschulen und –universitäten geführt und wirft die Grundfrage auf, was Musiktheorie den ausführenden MusikerInnen leisten soll. Hier geht es im Wesentlichen um die Frage, wie anwendungsorientiert die Theorie bzw. wie theoretisch die musikalische Praxis überhaupt sein soll und sein kann. In verschiedenen Veranstaltungsformen wie Vorträgen, Podiumsdiskussionen, offenen Unterrichtsstunden und Workshops soll eruiert werden, in welchem Verhältnis dabei „Input“ und „Output“ zueinander stehen und welche (neuen) Wege gegangen werden können. Abgerundet wird das Symposium von zwei Abendveranstaltungen in Form eines Klavierabends als „Analysekonzert“ und eines Kammermusikabends mit verschiedenen Ensembles, die im Rahmen von Workshops beim Symposium mitwirken.