„Musik um den Wiener Kaiserhof aus dem 17. und 18. Jahrhundert“

Samstag 23. Juni 2018, 19.30 Uhr
Kapelle im Curhaus am Stephansdom

1010 Wien, Stephansplatz 3/1. OG

 

Musica imperialis - die Abteilung für Alte Musik am Joseph Haydn Institut für Kammermusik,
Alte Musik und Neue Musik
der mdw-Universität für Musik und darstellende Kunst Wien

lädt ein zum

Abschlusskonzertabend des Projektes
„Musik um den Wiener Kaiserhof aus dem 17. und 18. Jahrhundert“

 

Studierende von Edda Breit, Magdalena Hasibeder, Hiro Kurosaki, Ingomar Rainer,
Jocelyne Rainer, Erich Traxler, Augusta van Lookeren Campagne, Gertraud Wimmer

 

In der Zeit der großen im Vorzeichen der Religion geführten Kriege und politischen Auseinandersetzungen hat sich in Wien, durchaus in Konkurrenz mit dem französischen Absolutismus und Bestrebungen italienischer Fürsten, eine spezielle Hofkultur herausgebildet. Zentraler Bestandteil, von der geistlichen Liturgie bis hin zu den Tischsitten, bildet das bekannte spanische (eigentlich burgundische) Hofzeremoniell, wovon vieles ohne die aufwendig betriebene Musik gar nicht vorstellbar wäre. Das gesamte Hofleben, welches Wien schließlich zur Metropole des österreichischen Vielvölkerstaats machte, war von Musik, und zwar im strengen Sinne Gebrauchsmusik, durchzogen. Kein Wunder, dass sich in solcher Umgebung auch bestimmte musikalische Stile und Gattungen herausbildeten, deren praktischer Erkundung und Aufführung auch unser diessemestriges Projekt der historischen Musikpraxis, zum Großteil auf historischen Instrumenten, gewidmet ist. Als würdiger, stilistisch berührender Rahmen für die Präsentation unserer „Forschungsergebnisse“ wurde die 1738-40 gebaute,
1742 auf „Mariä Vermählung“ geweihte (in der Folge als Trauungskirche beliebte)
Kapelle im 1. Stock des sogenannten Curhauses (von lateinisch cura, Pflege,
Sorge, das Seelsorgezentrum, Sitz der Dompfarre St. Stephan) gewonnen.
Aber nicht so sehr um eine fragwürdige Nachempfindung imperialen Prunks und höfischer Formen geht es uns, als vielmehr um ein Aufspüren faszinierender musikalischer Ausdrucksmöglichkeiten, die zum Teil vergessen sind, in Wahrheit
jedoch viel von dem grundgelegt und entwickelt haben, was später unser Musikland Österreich ausmacht.

Ingomar Rainer 

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Plakat Traxler.jpg

Programm:

J.J. Froberger (ca. 1616-1667)
Toccata in a, FbWV 112

J.P. Sweelinck (1562-1621)
Variationen über "Onder een linde groen", SwWV 325

A. Poglietti (?-1683)
Toccatina sopra la Ribellione di Ungheria:
Galop – Allemande. La Prisonnie – Courente. Le Proces – Sarabande.La Sentence – Gigue. La Lige -
La Decapitation. Avec Discretion –Passacaglia – Les Kloches. Requiem eternam dona eis domine

J.S. Bach (1685-1750)
Concerto D-Dur BWV 972 nach einem Concerto von A. Vivaldi (1678-1741)
aus dem L'Estro Armonico (RV 230)
ohne Bezeichnung - Larghetto - Allegro

C.P.E. Bach (1714-1788)
Fantasia für Clavier fis-Moll, Wq 67

J.S. Bach
Brandenburgische Konzert Nr. 5 D-Dur, BVW 1015
Allegro - Affettuoso - Allegro

 

Mitwirkende:  Gertraud Wimmer, Traversflöte
                    Ulli Engel, Solovioline
                    Elisabeth Wiesbauer, Barockvioline
                    Wolfram Fortin, Barockviola
                    Edda Breit, Barockcello
                    Jan Krigovsky, Violone

 

Das Cembalo war von der späteren Renaissancezeit bis hinein in die Wiener Klassik ein zentrales Instrument für die Solomusik in der höfischen und bürgerlichen Kammer sowie für Ensemble- und Orchestermusik in den unterschiedlichsten Besetzungen. Dabei bieten die Vielfalt an Musikgattungen wie auch die unterschiedlichsten Instrumententypen einen breiten Fundus an Stilen, die verschiedene regionale Ausformungen quer durch Europa aufweisen.
Im Programm des Konzertes treten mit J.P. Sweelinck und J.J. Froberger zwei Komponisten in Erscheinung, die zahlreiche Gattungen und Kompositionsarten auf dem Tasteninstrument prägten und über den Kontinent hinweg weithin verbreiteten. Die beiden Konzerte von J.S. Bach zeigen die Etablierung des Tasteninstrumentes als orchestralen Klangkörper sowie als virtuoses Soloinstrument im italienischen Concerto-Typ. Und mit Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel tritt das Instrument in eine neue naturalistische Ästhetik ein, die alle Nuancen des Instruments auskostet und zugleich die Ablösung des Cembalos durch das Hammerklavier einleitet.

Seit März 2018 lehrt Erich Traxler als Professor für Cembalo an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien. Als Solist und Kammermusikerkonzertiert er mit zahlreichen Alte-Musik-Ensembles mit Schwerpunkt auf dem Repertoire des späteren 17. und des 18. Jahrhunderts. Bei seinem Antrittskonzert treten mit ihm u.a. Kolleginnen der Abteilung Alte Musik an der MDW sowie auch Dozenten der MUK-Universität Wien und der ABPU Linz als Kammermusikpartner auf.

 

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0612-14 Yoshimi Oshima - Infoscreen2.png „Ferne Klänge“ - Barock-, Neobarock- und moderne fernöstliche Musik

 „Ferne Klänge“ - Barock-, Neobarock- und moderne fernöstliche Musik
 

Gesprächskonzert
Mittwoch, 13. Juni 2018, 18.30 Uhr
Festsaal – Seilerstätte 26

Als Gast:
Yoshimi Oshima, Flöte (Kyoto City University of Arts)

Jocelyne Gibert-Rainer, Violine
Ingomar Rainer, Cembalo

Die Ferne einer zeitlichen ebenso wie einer geographischen Dimension bringen in unserem musikalischen Repertoire der gegenwärtigen klassisch-romantischen Szene jeweils neue Aspekte des musikalischen Ausdrucks, bringen neue Erfahrungen im Hören, sowie neue interpretatorische Herausforderungen hervor. So ist die sogenannte „Alte Musik“ auf ihre Weise ebenso „ferner Klang“ wie die sogenannte „Neue Musik“, speziell im Kontext außereuropäischer Musikkulturen, sogenannte „alte Originalinstrumente“ eine ebensolche Inspirationsquelle wie eigenständige ostasiatische Musikinstrumente. Unser kleines Programm versucht, diese Momente im Kontrast und im Gemeinsamen der Gegenüberstellung von barocker und neuerer ostasiatischer Musik hörbar werden zu lassen.

Stücke von Telemann, Rameau, Couperin, Fukushima, Matsudaira, Yun, Takemitsu, Martinu.

 

Workshop mit Yoshimi Oshima, Flöte:
Dienstag 12.6., 15.30 bis 18.30 Uhr,
Anton v. Webernplatz/Riegel
   LEG 31
 

Vortrag „Western music in Japan“ und Workshop
Donnerstag 14.6., 12.30 bis 15.30 Uhr
Singerstrasse B 403

Yoshimi Oshima gilt als typischer Repräsentant der Generation japanischer Musiker, die in der internationalen Klassik-Szene erfolgreich Fuß gefasst haben. Geboren 1958 in Osaka hat er 1981 in Kyoto graduiert, anschließend bis 1984 als postgradualer Student an der damaligen Musikhochschule Wien mit Wolfgang Schulz gearbeitet. In dieser Zeit internationale und japanische  Wettbewerbspreise. !987 bis 1989 Soloflötist des Radio-Symphonieorchesters Prag, nach der Rückkehr nach Japan im Gumma-Symphonieorchester tätig. Seit 1990 rege solistische und Kammermusiktätigkeit mit bekannten Solisten und Ensembles weltweit. Seit 1997 Lehrtätigkeit als Professor an der Kyoto City University of Arts. Daneben zahlreiche Meisterkurse in Japan (Kusatsu), Europa und USA. Seine Diskographie umfasst das klassische Flötenrepertoire (Vivaldi-Concerti, Mozart: Konzerte und Quartette u.a.), daneben Raritäten (Antonin Rejcha) bis zum Unterhaltungsarrangement (Piazzola).

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