fairplay: Lehrpraxis an der Schule von morgen

 

Instrumentalunterricht an einer Schule mit Kindern, die ca. 90% migrantischer Herkunft sind?
Seit dem Sommersemester 2011 unterrichten unsere Studierenden Fagott als Einzelunterricht und seit dem Wintersemester 2011/12 auch Blockflöte und Schlagwerk beides sowohl als Einzel- als auch Gruppenunterricht an der VS Kleistgasse. Der Unterricht findet jeweils im Rahmen der Nachmittagsbetreuung statt. Im Wintersemester 2012/13 planen wir auch die Intrumente Oboe und Horn in unser Projekt miteinzubeziehen.
In den Lehrveranstaltungen „Lehrpraxis“ sollen Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Lehrveranstaltungenen, wie Künstlerischer Einzelunterricht, Didaktik, Instrumentalpädagogik u.a. einfließen, in die Praxis umgesetzt werden und von Studierenden und der betreuenden Lehrkraft beobachtet und besprochen werden. Wesentliche Bereiche des späteren Berufslebens werden in den Lehrpraxen erfahren und geübt. Allerdings finden unsere Lehrveranstaltungen in einem geschützten Umfeld statt, oft weit entfernt von der realen Arbeitswelt. In bestimmten Situationen hat dies Vorteile, deckt aber nicht das gesamte Spektrum von Unterricht ab.
Ihren ersten großen Auftritt hatten die jungen Künstlerinnen und Künstler beim weihnachtlichen interkulturellen Singen in der Volksschule. Am 4. Mai wird es ein Konzert an der mdw mit abwechslungsreichen Beiträgen geben.
Wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Schule ist, beweist die Tatsache, dass es in vielen Klassen keine Kinder mehr gibt, die ein Instrument lernen. Das Spielen eines Instrumentes ist daher etwas Besonderes und Außergewöhnliches. Die soziale Situation vieler Kinder und deren Eltern zeigt, dass die viel gepriesene Chancengleichheit nicht mehr als Wunschdenken ist. Allein die Beschaffung von Instrumenten stellte uns vor große Probleme und konnte nur teilweise gelöst werden. Dank des Elternvereines konnten Djemben und Cajones gekauft werden. 11 Mädchen und 4 Buben aus 8 Ländern konnten dadurch erste instrumentale Erfahrungen machen. Die Blockflöten wurden von den Eltern gekauft, die Fagotte wurden vom IFS gegen eine Leihgebühr zur Verfügung gestellt. Im Sommersemester planen wir unter Anleitung eines unserer Lehrenden sowohl Blockflöten als auch Cajons gemeinsam mit den Kindern zu bauen.

„Für mich persönlich war das „Projekt Kleistgasse“ das erste tiefere Eintauchen in die
Welt des Gruppenunterrichts und hat definitiv meinen musikalisch-pädagogischen Horizont erweitert. Vor allen Dingen hat dieses Projekt für mich aufgezeigt, welche Unterrichtsmethoden funktionieren - welche eher nicht so gut, oder wie schnell es eigentlich gehen kann, dass 7 - 8jährige Kinder das musikalische Notationssystem beherrschen und es verstehen, kreativ mit dem Gelernten umzugehen und dabei auch noch Spaß zu haben“. (Bernold Wiesmayr/Student/Schlagwerk)

 

Walter Wretschitsch

Institutsvorstand